14. August 1917

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Liebe Freunde!

Wie freuen wir uns mit euch! Wir hatten dieser Tage viel an euch gedacht, und nun ist die große gute Nachricht schon da. Wie wollen wir alle dankbar sein, daß es so weit ist. […] Wir wünschen Marguerite ein recht fröhliches Wachstum in ihrem neuen Mutterglück. Wie du, Eduard, nun hin und herwandeln wirst zwischen deinem Schreibtisch und dem Schlafzimmer deiner — Familie, das können wir uns aus eigener Erfahrung lebhaft vorstellen. […] Und nun Dorothea1 Margaretha — ja, was soll man von dir und zu dir sagen, du kleinstes Sternlein im Himmelreich? Du bist also so munter und lebensdurstig, wie man vernimmt, und weißt doch noch so gar nichts von «unserer Sache», vom «innern Tun» und vom «Warten». Ists möglich? «Und euer himmlischer Vater ernähret sie doch!» [Mt 6,26]. So wollen wir dir wünschen, daß du im Schatten deiner lieben Eltern und ihrer weisen Freunde dein eigen Weglein suchest und findest, und vielleicht als Glied einer ruhigeren Generation und doch nicht ohne Gewinn aus den Kämpfen deines Vaters und seiner Genossen mehr sehen mögest von dem schönen Gottesgarten und seinen Brünnlein als wir. Wenn du dann einst, etwa 1960 oder so, als bestandene Frau mit Fränzeli, Markus und Barthli Nummer 3 auf alte Zeiten zu reden kommst, so magst du glauben, daß wir alle mit Hoffnungen und Verheißungen auf eure Anfänglein gesehen haben. Also frohen Laufs stracks ins große Leben hinein! […] Die Welt ist voll Wunder, die an den Tag wollen, und du kleines Wesen auch, glaubs nur! […] Da kommen Blumen aus unserm ländlichen Garten. […]

Herzlichst und freudigst
eure
Karl und Nelly

Sachfußnoten

1
Dorothee, geb. 1917, die erste Tochter Thurneysens, später Gattin von Prof. Georges Casalis in Paris, dessen theologische Mitarbeiterin sie wurde.↩