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11. Juli 1917
Lieber Freund,
Ja, unter Regenschauern bin ich heimgekommen, aber doch sehr glücklich über unsern Austausch. Wie gut sind wir doch dran, daß wir uns noch für ein paar Jahre und in so erreichbarer Weise haben dürfen! Auf meinem Geburtstagstisch lag neben einem erneuerten alten Spazierstock Herkners «Arbeiterfrage
📖»,1 dazu zwei Goethe-Bände, weiter noch ein Band Blumhardt. Mein Vater2 glaubt nicht, daß irgendein Verleger ohne erheblichen finanziellen Zuschuß uns unsre Predigten abnehmen wird. Also schreib nur nicht zu eifrig drauflos, es könnte umsonst sein — oder müssen Ruedi Pestalozzis Batzen auch da um Zuzug gebeten werden, auf daß der ungerechte Mammon erzwinge, was das freie Walten unsres Geistes nicht zustande brächte? Ich bin wieder mit einigen neidischen Gefühlen von Safenwil heimwärts gezogen: es ist einfach bei uns herum alles viel verhockter.3 Deine Blaukreuzzuhörerschaft ist ganz anders zahlreich, und im ganzen werden auch die äußern Verhältnisse eurer Gemeinde nicht so kleinliche sein wie bei uns. Bei euch kommt es zu kräftigem Gewerkschaftsleben, bei uns singen bestenfalls meine früheren Konfirmanden in der Zigarrenfabrik ein Kirchenlied, statt um mehr Lohn zu kämpfen. Im Blaukreuz habe ich durchschnittlich 6-8 Seelen vor mir. Wären wenigstens meine zwei Dörfer ein einziges Dorf. Es könnte ja freilich unter den gegebenen Verhältnissen schlimmer sein, das weiß ich wohl, aber die Enge ist trotzdem da. Darum war Zürich für mich eine starke Verlockung.
Von Herzen