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1. Juni 1917
Liebe Freunde!
Man hört gar nichts von euch. Wir hatten heute Rade! Ich hatte ihm vorgeschlagen, dich aufzubieten; er begehrte aber nicht danach, und du hast nichts verloren. Es war ein seltsam freundliches aber unfruchtbares Täglein. Auch er beklagt sich über unser «prophetisches Selbstbewußtsein», das uns veranlasse, so aufzutreten, als ob wir der Christenheit Gott erst zu bringen hätten. Safenwil sei für ihn das Jerusalem, in dem er alle 8 Tage gekreuzigt werde. Trotzdem sei er nun gekommen, aber nicht, um mit mir «um Gott zu raufen». Deine [Aarauer] Predigt habe er gelesen und nichts darin gefunden, was er nicht auch sagen könnte. Überhaupt freue er sich ja über unsern jungen Eifer, im übrigen hätten |205 auch sie als junge Ritschlianer s. Z. gemeint, die ganze Welt belehren zu können, aber eben … Über allem stehe ihm als ABC des Christentums die communio sanctorum (in der Tat ist er heute Abend nun bei Wernle, morgen bei Kutter, Ragaz und Foerster). Daneben viel Politisches und Familiäres. Was sind wir doch für Tröpfe, daß wir das Leben so schwer nehmen, wo doch Alles, Alles so schön im Gleichgewicht ist und bleibt!
Herzlichen Gruß