17. April 1917

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Ich bin eben am Meditieren für die heute Abend zu zelebrierende Taufe und las dabei die Pastoralbriefe durch. Was sagen wir |191 zu denen? Sie kommen mir im ganzen — trotz einzelner Lichter — recht nachträglich, kirchenblättlich vor. Wir hatten letzte Woche recht gefreute Tage mit Heiner [Barth] und [Gottfried] Ludwig. Heiner war am Sonntag zum ersten Mal «restlos befriedigt» von meiner Predigt (über Petrus, Joh. 21,15ff.). Auf das hin muß ich dir dieses Produkt doch einmal vorlegen, damit du auch siehst, wie wirs machen sollten, um solchen Herren Freude zu machen!! Und nun bin ich hier und habe mit z.T. recht fruchtbaren Gesprächen innerlich viel zu tun. Kutter hat hier oben kräftig gewirkt mit zwei Besuchen,1 und ich habe nun nur die dankbare Aufgabe, aus den großen Scheitern, die er hinterlassen hat, kleines Brennholz machen zu helfen. Ich habe Freude zu sehen, wie unsere Gedanken der «Welt» eigentlich so nahe liegen wie uns. Wir wollen nun ganz getrost weiter seufzen und schreien, es ist sicher nicht umsonst. […] Gestern ein tröstlicher Nachmittag mit Pestalozzis. […] Ragaz traf ich leider nicht an. Kutter hoffe ich morgen zu sehen und zu hören. […] Deine Unterweisung schätze ich sehr, inhaltlich und formell. Ich werde Fränzeli und Markus dann dir zusenden. Du machst das einfach turmhoch besser.

Herzlichen Gruß dir und Marguerite
dein
K. Barth

Im Verkehr mit den Priestern: Titus 1,10–16.

Sachfußnoten

1
Seelsorge-Besuche bei der Familie von Barths Schwager R. Kisling, der am 7. März 1917 gestorben war.↩