5. April 1917

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Ich habe gerade vor einer Stunde die letzte Unterweisung gegeben. Willst du nun so gut sein und mir recht bald dein Heft zuhalten, damit ich einmal sehe, wie ein rechter biblisch begründeter Unterricht aussieht?

Mein letztjähriger Ostertext war Luk. 20,38. Und denk, dies Jahr habe ich mich nun doch an Kol. 2,14–15 gewagt, und zwar am Karfreitag v. 14 und an der Ostern v. 15.1 Die zwei Predigten sind gestern und vorgestern in heißem Stellungskrieg entstanden. Nun habe ich nur noch die Konfirmationsrede über Luk. 10,23–24 vor mir für heute. Weißt du, was nun wahrscheinlich geschehen wird? Ich habe im Sinn, am Samstag zu wandern und dich zu besuchen. Du kannst mich dann sofort wieder hinauswerfen, aber noch gefreuter wäre es, wenn du bis dahin deinerseits mit den Fürstentümern und Gewaltigen aufräumtest, sodaß wir ein paar milde Stündlein zusammen erleben könnten unter wechselseitiger Vorlesung des Ertrags dieser streitvollen Woche. Ist das nicht ein guter Plan?

[…]

Dir und Marguerite sendet freudigen Gruß
Euer
Karl

Sachfußnoten

1
Die beiden Predigten über Kol 2,14–15 finden sich in dem Predigtband «Suchet Gott, so werdet ihr leben!», S. 56 und 69. 📖↩