17. Januar 1917

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Eben schrieb mir Emil Brunner für meine geplante Vortragsreihe zu, sie soll vom 4.-6. Februar laufen. Brunner hätte zu sprechen über «Die neue Welt in der Bibel». Aber dieses Thema liegt ihm nicht. Ich schlage ihm nun vor, ob er nicht den Anfang machen wolle über «Gottes Wort in der Bibel». Er könnte das pneumatische Verständnis der Bibel abgrenzen gegen das rein historische und wäre damit nahe an seiner sonstigen Fragestellung, die das religiöse Erkennen betrifft. Du würdest dann über «Die neue Welt in der Bibel»1 reden.

Ich las eben das Buch von Zurlinden «Der Weltkrieg».2 Es ist viel Wichtiges zur Beurteilung des Militarismus und der imperialistischen Weltpolitik darin. Auch die Kriegstheologie wird mit kräftigen Worten zurückgewiesen, vor allem die schweizerische. Das Ganze steht freilich nicht auf unserm Boden. Es äußert sich vielmehr ein Reformdemokratismus, der aus seiner Aversion gegen das kaiserliche Deutschland keinen Hehl macht. Was wohl Kutter zu dieser antideutschen Tatsachensprache seines Schwagers sagt?

Herzlich
dein
Eduard

Sachfußnoten

1
Vortrag in Leutwil am 6.2.1917; veröffentlicht in: K. Barth / E. Thurneysen, Suchet Gott, so werdet ihr leben, Bern 1917, S. 154ff 📖; wieder abgedruckt in: K. Barth, Das Wort Gottes und die Theologie, München 1924, S. 18ff. 📖 (Das dort angegebene Datum «Herbst 1916» ist irrtümlich.) Nachdem der Vortrag in die Aufsatzsammlung von 1924 aufgenommen war, ist er in der 2. Auflage von «Suchet Gott …» (München 1928) weggelassen worden.↩
2
S. Zurlinden, Der Weltkrieg und die Schweizer, Zürich 1917 📖 (oder: ders., Der Weltkrieg. Vorläufige Orientierung von einem schweizerischen Standpunkt aus, Bd. 1, Zürich 1917 [Bd. 2 1918, Bd. 3 1919]). 📖 ↩