5. Oktober 1916

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Nur schnell ein paar Worte. Du bist also in Bern und treibst dort dein Wesen mit Studien, Gesprächen, Entdeckungen und Erleuchtungen. Ich bin unterdessen erfrischt wieder in Leutwil eingezogen. Deine freundschaftliche Predigtvertretung am letzten Sonntag war mir eine große Hilfe. Ich habe heute bereits ein Gefecht bestanden mit meiner Kirchenpflege, indem sich ein sehr bewegtes, aber im ganzen erfreuliches Gespräch über die soziale Frage und meine Stellung dazu entspann. Deine Predigt spielte herein, und ich sah als erfreuliches Ergebnis meines Anklopfens und Rüttelns durch die drei Jahre des Hierseins hindurch, daß |156 mehr Auseinandersetzung und Bewegtwerden in der Gemeinde vorhanden ist, als ich glaubte. Ich merkte es aus den erregten und Unruhe verratenden Erwiderungen meiner Kirchenpfleger. Ich bitte dich auch darum, mir deine Predigt zu schicken. Und nun noch etwas: ich glaube, ich komme nicht dazu, unsre Aussprache am Kränzli über J. T. Beck 📖 genügend vorzubereiten auf nächsten Mittwoch, und möchte dich darum bitten, uns doch einfach einiges aus deinen Römerbriefstudien 📖 vorzulegen. Auch die Frauen hätten sicher viel davon. Es wird doch Erhellendes durch dich dabei herausgestellt. Beck nehmen wir dann ein nächstes Mal. […]

Herzlichen Gruß
dein
Eduard Th.