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26. August 1916
Lieber Freund!
Wir haben heute unter Jubel, Choralgesang, vier Torten und einem großen Sonnenblumen-Arrangement Nellys 23. Geburtstag gefeiert, und da die Predigt vorliegt — ein weiteres Gespräch über die Liebe —, so möchte ich dir noch rasch schreiben. Dank für den Spener;1 ich bin diese Woche im 2. Kapitel [Römerbrief]
📖 noch gut vorgerückt und freue mich auf die Fortsetzung am Montag. Das Kränzli war auch nach unserem Eindruck besonders durch die Nebenumstände ein gelungenes. […] Meine Schwester war […] erbaut von der Tagung und besonders von deiner Predigt und sagt, daß sie uns nun viel besser verstehe. — […] Du arbeitest nun an deinem Referat für den Pastoralverein, aus dem ich nun zur Vermeidung alles Weiteren in solenner Weise ausgetreten bin. Nichtwahr, du gibst mir dann das Werk zu lesen. Ich wollte aber jetzt nicht du sein! In allerhand anderem oft sehr |150 gerne, bis zu Neidgefühlen und Zorn über mich selbst, daß ich nicht aus meiner Haut heraus kann. Ich möchte hauptsächlich gerne deinen Überblick über die Dinge verbunden mit deinen pädagogisch-psychologischen Fähigkeiten in mir nachbilden können für Predigt und Unterricht. Aber es geht nicht: der Frosch hüpft immer wieder in seinen Pfuhl, immer ist meine so viel weniger umfassende und doch so viel unkonkretere Art zu denken und zu reden wieder da, und dann kann ich eben nur in Bewunderung und Freude an dir emporsehen und mich bescheiden.
[…]
Herzlichen Sonntagsgruß dir und Marguerite von
Morgen Familienausflug mit der Kirchenpflege!!