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5. Mai 1916
Liebe Freunde,
Also wir kommen am Sonntag voller Freude selbdritt, Marguerite, meine Schwester Susi und ich zum «brunnen», wie sie hier sagen, wenn sie eine Quelle anstechen oder verstopfte Leitungen wieder öffnen wollen. Zwar hat uns der Brunnenstecher aus Zürich1 schon kräftig Hilfe geleistet in diesen Tagen. Er hat uns mit seinen Wasserströmen überschwemmt, und es wird sich nun zeigen, ob es auch unsern eigenen Wasseräderlein ein wenig geholfen hat. Gut getan hat er uns jedenfalls. Wir haben ihn von ganz neuen Seiten kennen gelernt, indem er sich stundenlang Musik, vor allem Bach, vorspielen ließ und zum Beschluß sogar selber geigte und allerlei Schönes zu sagen wußte. Er hat Marguerite ihren Johann Sebastian von neuem lieb gemacht und ihr deutlicher als irgend jemand die Fäden geknüpft, die von Bach zu unserer «Sache» hinüberführen. Ich saß staunend dabei und so ein wenig stolz wie du, Karl, damals in Bad Boll, als Nelly das Solokonzert im blauen Saal zur Bewunderung von Grafen und adligen Damen spielte.
Herzlich