2. März 1916

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Freund,

[…] Ich nehme ernstlichen Anteil an eurem Kampfe und bin voll Zuversicht, daß nichts umsonst sei, was ihr durchzumachen |125 habt. Hast du Kutters Gideonpredigt gelesen? Sie war mir eine eigentliche Bekräftigung und Stärkung. Vorgestern erhielt ich die neue Schrift von Pfarrer Benz: «Staat und Christ».1 Es ist die alte Geschichte in freilich freundlicher und ernsthafter Form: Jesus und Bismarck und Treitschke geben sich ein Rendez-vous darin und besprechen die Lage, und jeder zieht sich auf seine Weise heraus. Aber die Sache hat es nun einmal an sich, daß «der Mann aus Galiläa» nicht auf seine Rechnung kommt. Zu Handen der «Neuen Wege» stehen ein paar richtige Sachen drin. Leichtfertig ist das Büchlein keinesfalls. Und nun noch die Frage: kommst du am Montag nach Basel zur Besprechung der Passionsreden [im Kreise der Basler und Baselbieter Freunde]? […] Machst du die ganze Aarauer Studentenkonferenz mit? Wir sind gut vertreten, Wieser hat das letzte Wort, du die Predigt, dazu Ragaz, Liechtenhan und Frau Pieczynska.2

Ich schließe mit herzlichem Gruß an euch alle
Euer
Ed. Th.

Sachfußnoten

1
G. Benz, Der Christ und der Staat, Basel 1916. 📖 ↩
2
Vgl. Die XX. Christliche Studentenkonferenz Aarau 1916. Den 13. bis 15. März, Bern 1916. 📖 Darin u. a. : K. Barth, Das Eine Notwendige (Predigt über Gen 15,6), S. 5–15 📖; R. Liechtenhan, Gottes Wort an uns im Alten und Neuen Testament, S. 16ff. 📖; L. Ragaz, Die sittlichen Ziele der Volksgemeinschaft, S. 40ff. 📖; E. Pieczynska, L’Education pour la Paix, S. 83ff. 📖 Das Schlußwort von G. Wieser ist im Konferenzbericht nicht mit abgedruckt, aber im «Einleitenden Bericht» S. 4 📖 erwähnt.↩