21. September 1915

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Vielen Dank für deinen Brief! Ich hatte in diesen Tagen ein wahres Verlangen nach einem Wort von dir. Es kam die Nachricht, daß ein mir und meiner Braut sehr nahestehender Freund,1 Student von großen Hoffnungen, Nichttheologe, durch ragazischen Einfluß bestimmt den Dienst verweigern will; als letzten Ausweg aus seinen Gewissensnöten meldet er sich vorläufig zur Sanität. Ich bin sehr beschäftigt durch diesen Einschlag in nächster Nähe und habe schließlich einen Artikel über die Sache für die «Glocke» geschrieben.2 Deine Predigten haben mir viel gegeben. Bitte, schicke mir weitere, ich kann sie gut lesen. Vielleicht die vom Bettag? Am Donnerstag kommt Marguerite mit einer Freundin und — eben dem Dienstverweigerer zu mir.

Von Herzen begrüßt dich, Euch
dein
Ed. Th.

Sachfußnoten

1
Fritz Lieb (1892–1970), damals noch stud. phil., später Theologe geworden und Professor für systematische Theologie in Bonn und Basel.↩
2
E. Thurneysen, Irrendes Gewissen? Zur Frage der Dienstverweigerung aus religiösen Gründen, in: Die Glocke, Jg. 24, Nr. 1 (Okt. 1915), S. 1f. 📖 ↩