10. September 1915

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Hier einige interessante und lustige Beiträge zur geistigen Lage! Das ist köstlich, wie sie nun in Bern alle beruhigt und erfreut sind darüber, daß doch auch Schädelin für den «Begriff der Arbeit» eintritt und wie sie es bedauern, daß die Gruppe «Du [Barth] und Thurneysen» diesen Schlag nicht miterlebt hat!! Nun dürfen sie also alle wieder etwas «machen»: Peter seine Helvetik, der lange Otto1 seine kantonal-bernische Politik, die Pieczynska2 ihre Frauenbestrebungen usf. Heil, Heil!

Wir hatten gestern Abend eine interessante Kirchenpflegssitzung mit langer Aussprache über den lieben Gott und sein Verhältnis zu den Safenwilern im Speziellen, im Anschluß an die letzte Predigt. Von neuen Ziegeln aufs Pfarrhaus und dergleichen wurde diesmal nur nebenbei geredet und beschlossen, öfters solche sachlichen Sitzungen abzuhalten. Jetzt bin ich an der 3. Bearbeitung der Amalekiterschlacht, zu der ich gestern Abend viel Anregung und Stoff bekam.

Mit herzlichen Grüßen und Wünschen für einen kräftigen Sonntag
K. Barth

Sachfußnoten

1
Otto Lauterburg (1873–1927) in Bern, Pfarrer, Herausgeber einer religiössozialen Zeitschrift, der «Freie Schweizer Arbeiter». Er ist nicht zu verwechseln mit Pfarrer Otto Lauterburg in Saanen. ↩
2
Emma Pieczynska-Reichenbach (1854–1927) gehörte zum Freundeskreis um L. Ragaz.↩