20. August 1915

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Freund,

[…] Weißt du schon etwas von der in Pratteln angesagten Zusammenkunft bei Christ?1 Es wäre gut, bei diesem Anlaß unsere Beschwerde wegen der persönlichen Kampfweise gegen Ragaz an Bader zu richten. […] Was sagst du zur Weltlage? Ich muß an eine grimmige Prophezeiung Kutters denken, daß den Pfarrern einmal in ihren Pfarrhäusern alle ihre schön geordneten Predigthäuflein durch eindringende Kosaken durcheinandergeworfen werden könnten zur Strafe dafür, daß wir nicht |73 vom lebendigen Gott gezeugt haben. Es liegt eine kräftige alttestamentliche Logik in dieser Gerichtsankündigung. Heitmüller gratuliert mir sehr freundlich zur Verlobung, er berichtet, Loews haben ein Maiteli bekommen und er freue sich an dieser und meiner Nachricht als an einem in dieser trüben Zeit ihn ergreifenden Zeichen der Lebensbejahung mitten im Tod. Ein wenig Glauben gehört allerdings dazu. […]

Von Herzen
dein
Ed. Th.

Sachfußnoten

1
Lukas Christ (1881–1958), Pfarrer in Pratteln, hielt regelmäßige Zusammenkünfte mit Pfarrern, treuer Freund Barths und Thurneysens.↩