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29. August 1914
Lieber Freund!
Dank für deine Karte. Du weißt offenbar noch nicht, daß Loew sich mit Liese Naumann hat nottrauen lassen und als Freiwilliger mitgezogen ist. Man könnte allen diesen Heroismus, den sie jetzt drüben entfalten, bewundern, wenn die Sache nicht so über die Maßen jammervoll wäre. Wozu alles dieses gute Blut? Etwas vom Betrüblichsten ist mir die Haltung der «Christl. Welt», resp. Rades.1 Nun setzt er uns als letzten Trost die erbärmlichen Sophismen (wenigstens mir kommen sie in diesem Augenblick so vor!) Luthers über die seligen Kriegsleute vor.2 […] Überhaupt versagt die Kirche bedenklich: Zirkular unseres hohen Kirchenrates! Predigt von G. im Aargauer Tagblatt! Predigt von Hadorn3 in Bern! Proklamationen des Bernischen Synodalrates! Es ist eine allgemeine Ratlosigkeit. Aber die Predigt von Schädelin4 ist fein. Ich will dir demnächst schicken, was ich an solchen Aktenstücken besitze, sofern du sie noch nicht kennst. Ich bin |8
sehr dafür, daß das rel. soz. Kränzchen bald einmal stattfindet, aber wo?
Herzlichst