Die Hirten auf dem Feld von Bethlehem waren keine Helden, keine Gelehrten, keine Vornehmen, keine Staatsmänner und keine Heiligen. Sie zeichneten sich durch gar nichts Besonderes aus. Sie waren eben nur Hirten. In Jerusalem der König Herodes, im Tempel die großen, frommen Gottesmänner, in den Städten am Meer die Geschäftsleute mit ihrem Handel mit aller Welt, in Syrien der Landpfleger Cyrenius mit seinen Gesetzen und seiner Polizei, in Rom der Kaiser Augustus in seiner Herrlichkeit, das waren die wichtigen Leute damals, die Leute, auf die es ankam. Auf die Hirten von Bethlehem kam nicht viel an, das waren keine wichtigen Leute. Sie waren nur Menschen; für sie gab es nur das Einfachste, Nötigste, Naheliegendste: ihre Arbeit, die nicht immer angenehm war, ihre Familie – ja es war schon damals nicht leicht, so ein Schärlein Kinder durchzubringen –, dann und wann eine Dummheit, die einer beging, oder ein Streit, den sie untereinander hatten, wie das ja so vorkommt – vielleicht strenge Herren und dazu noch Schulden und eine Bürgschaft und dann und wann eine Krankheit, das gab viel zu denken und zu reden. Viel weiter sind ihre Gedanken kaum gegangen. Und bei diesen Menschen wurde es zuerst Weihnacht, von ihnen haben wir gelesen: die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, sie durften nachher die Worte des Engels und die Stimme der himmlischen Heerscharen hören und die Ersten sein, die zu dem Kindlein in der Krippe gingen, als ob schon damit zum Voraus hätte in Erfüllung gehen sollen, was später ein frommer, gelehrter, gewaltiger Mann einmal geschrieben hat wie sich selber zum Trotz: «Sehet an, liebe Brüder, eure Berufung; nicht viel Weise nach dem Fleisch, nicht viel Gewaltige, nicht viel Edle sind berufen; sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er die Weisen zu Schanden machte, und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, daß er zu Schanden machte, was stark ist; und das Unedle vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt und das da nichts ist, daß er |424 zunichte machte, was etwas ist» [1.Kor. 1,26–28]. Um diese gewöhnlichen, unwichtigen, kleinen Leute leuchtete die Klarheit des Herrn, und was das Schönste war, sie sahen und merkten und verstanden es eben auch, was da um sie vorging, während Augustus und Cyrenius und Herodes und alle die großen, wichtigen Herren nichts merkten. Es ist merkwürdig, aber es ist so und zeigt sich immer deutlicher: Der liebe Gott hat eine entschiedene Vorliebe gerade für die ganz gewöhnlichen, unbedeutenden Leute, für die, die nichts sind, wie Paulus sagt, für die, die nur Menschen sind und auf nichts, weder Weltliches noch Geistliches, pochen können. Das wollen wir uns heute, am Weihnachtstag, als Erstes gesagt sein lassen. Wenn wir in der Gesellschaft der Hirten von Bethlehem sind, sind wir nicht in nobler Gesellschaft, aber in guter Gesellschaft. Und das ist mehr wert. Denn um die Hirten leuchtete zuerst die Klarheit des Herrn.
Die Welt ist nicht dunkel, nicht schrecklich. Gott lebt! Sein ist die Welt. Er bringt sie zurecht! Er ist die Auflösung ihrer Rätsel! Er ist ihr Anfang und ihr Ende! Das ist die Weihnachtsbotschaft. Wo das hineingeht in ein Herz, da ist Weihnacht. Das war auch die Klarheit des Herrn, die um die Hirten leuchtete. Die Felder von Bethlehem wurden hell vom himmlischen Glanz. Ihre alte, wohlbekannte Heimat lag vor ihnen, da die Matten und Weglein, auf denen sie tausendmal gegangen, dort ihre bescheidenen Hütten, unter denen ihre Kindlein schliefen, dort Haus an Haus das alte Städtlein mit seinen Dächern und unter den Dächern die Bösen und die Guten, die Gesunden und die Kranken, die Reichen und die Armen, die Gläubigen und die Ungläubigen, dort die Berge und hinter den Bergen andere Städte, andere Dörfer, andere Menschen, und hier sie selber und ihre Tiere – Alles das Gleiche, was sie so oft gesehen, und doch nicht das Gleiche – Alles im Lichte Gottes, Alles wie übergössen von einer großen Güte und Freude, wie eingetaucht in einen unendlichen Frieden, Alles, wie wenn es rufen wollte: Der Himmel ist auf die Erde gekommen, die Erde ist mitten im Himmel, freuet, freuet euch, ihr Menschenkinder! Und so auch ihr bescheidenes, kleines Leben im Lichte Gottes. Ihre Kindlein – Gott ist ihr Vater! Ihre Arbeit – Gott ist ihr Meister! Ihre Sünden und Krankheiten – Gott ist der Erlöser, der das Krumme zurechtbringt! Die Geldmacht der Reichen, die Schwertmacht der Römer, die Gewissensmacht der Frommen im Tempel – Gott übet Gewalt mit seinem Arm und zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn, er |425 stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen, die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt die Reichen leer, er denket der Barmherzigkeit und hilft seinem Diener Israel auf [Lk. 1,51–54]! Alles, Alles im Lichte Gottes! In die Ungewißheit hinein das Gewisseste! In die Traurigkeit die größte Hoffnung! In die dumpfen Fragen des geplagten Menschenherzens hinein die Antwort! In das Leben hinein Gott, der selber das Leben ist, Gott, der das Leben lebendig macht. Das ewige Licht geht da herein, gibt der Welt einen neuen Schein!1 Dieser neue Schein, in dem die Hirten standen, war die Klarheit des Herrn, die ihnen geschenkt wurde. Der Heiland war geboren, und da wurden diese gewöhnlichen, niedrigen Leute von dem neuen Schein Gottes umleuchtet, daß sie die Welt und ihr Leben sehen konnten, nicht wie sie gewöhnlich aussehen, so traurig und stumpf und finster, sondern wie sie sind: in der Hand Gottes, von dem immer etwas Rechtes kommt und der nicht zögert, Alles recht zu machen. Und das soll nun das Zweite sein, was uns die Weihnachtsgeschichte vorbuchstabieren soll: Weil Christus geboren ist, darum können gerade alle gewöhnlichen, niedrigen Leute merken, daß Gott lebt, trotz allem Finsteren und Wüsten in der Welt. Von der Krippe geht der neue Schein Gottes aus auf die Welt, und wenn wir die Augen auftun, sehen wir in Safenwil, was die Hirten in Bethlehem sahen: es liegt Alles, was ist, im Frieden Gottes, unsere kleine Dorfwelt, auch das große Europa trotz Allem, auch dein und mein Leben, trotz allen unseren Sünden und Sorgen Alles im Frieden Gottes, unter seiner Herrschaft. Merkt’s doch nur, ihr Menschenkinder, daß ihr in diesem Frieden seid, und dann freuet, freuet euch! O, es mangelt nur ein Augenauftun, so kann die Freude anfangen, die zu der Klarheit des Herrn ja gehört!
Wir haben einen falschen, verkehrten Gedanken über das Böse und Traurige in unserem Leben und in der Welt, liebe Freunde. Und solange dieser falsche, verkehrte Gedanke in uns herrscht, können wir den neuen Schein, der über Allem liegt, seit Christus da ist, nicht sehen, kommt uns die Weihnachtsbotschaft, daß Gott lebt, wie ein leeres, großartiges Wort vor. Wir denken: ja, da in der Verborgenheit meines Herzens, da kann das Gute wohl sein, da kann ich auch so eine heimliche, kleine Freude haben etwa einmal, da kann man sich nach dem Frieden sehnen, da kann ich auch ein wenig an Gott glauben, aber das ist eben nur in meinem |426 Herzen wahr, da draußen ist Alles ganz anders, da umgibt uns das Böse wie die Luft, da liegt die Welt in der Verwirrung und Traurigkeit, wie in einem finsteren Nebel, da gibt’s arge Gewalten und Schicksale, da werden einem Lasten aufgeladen, eine um die andere, da bringt das Leben bittere Überraschungen und Enttäuschungen, da herrscht das Geld, da tobt der Krieg. Und dann werden wir betrübt und denken: ich bin so ohnmächtig mit meinem Guten da drinnen gegen das Böse und Traurige da draußen. Seht, diese Betrübnis ist eben falsch und verkehrt. O, gerade umgekehrt ist die Wahrheit. Die Klarheit des Herrn leuchtete um sie! Das ist die Wahrheit! Nicht das Böse umgibt uns von allen Seiten, sondern das Gute. Nicht die Traurigkeit will von da draußen zu uns hereindringen, sondern die Freude. O, es ist keine schöne Übertreibung, sondern die lauterste Wahrheit, was wir in einem Weihnachtslied singen: Alle Luft jauchzt und ruft: Christus ist geboren!2 Es ist eben wirklich in Allem, was uns umgibt, nicht nur an der Weihnacht, sondern das ganze Jahr hindurch etwas, was uns zuruft: O wie macht ihr euch doch das Leben so schwer, ihr Menschen! Ist nicht die Liebe das eigentliche Leben? Ihr habt nur eins nötig: Liebe! Ihr müßt euch liebhaben! Ihr könnt euch liebhaben! Ihr seid für das Liebhaben bestimmt und nicht um euch zu beißen und zu fressen [vgl. Gal. 5,14f.]! Die ganze Welt ist für das Liebhaben eingerichtet und wartet nur auf die Menschen, ob sie nicht bald auch mitmachen wollen.
In der Weihnachtszeit ist freilich die Luft ganz besonders voll von dieser fröhlichen Einladung. Man kann lange sagen, das sei nur eine Mode, wenn in dieser Zeit alle Leute ein wenig probieren, ihren Kindern und einander und manchmal sogar ganz fernstehenden Menschen eine kleine Freude zu machen. Das ist mehr als eine Mode. Da tun wir, was wir eigentlich immer tun sollten und auch tun möchten. Da spüren wir deutlich das Gute, die Freude, die in der Luft liegt. Darum ist es uns auch in diesen Tagen, als komme eine ganz starke Lebenswelle und wolle uns heben und davontragen, und auch die langweiligsten, wüstesten Leute merken etwas und möchten gerne mit, wenn sie nur könnten, und wenn Alles vorüber ist und der graue Alltag wieder da ist, sind wir ein wenig traurig und denken: warum sind wir nicht immer so? Nein, das ist keine Mode, daß wir in den Weihnachtstagen, ohne daß wir’s wollen, ein klein wenig anders sind als sonst. Da leuchtet eben die Klarheit des Herrn um |427 uns, und wir sind der Wahrheit näher als sonst, und wie wir gewöhnlich miteinander sind und leben, das ist eine törichte, unwahre Mode! Und als wir letzte Woche in der Zeitung lasen von dem Friedensangebot des deutschen Kaisers3, haben wir da nicht alle aufatmen und uns sagen müssen: Da ist sie ja wieder, die fröhliche, selige Wahrheit, die uns von allen Seiten umgibt, von der wir ja eigentlich leben? Mag man zehnmal denken, das sei nur ein schlauer politischer Schachzug gewesen, mag man zehnmal den Kopf schütteln darüber, wie jetzt alle die Staatsmänner über den Frieden geredet und dabei ärger als je gegeneinander die Faust geschüttelt haben, mögen wir uns zehnmal sagen: es wird diesmal auch nichts daraus, und es kommt wahrscheinlich noch viel ärger – den Eindruck hatten wir doch alle: es ist jetzt doch so oder so wieder einmal ausgesprochen worden, daß die Menschen nicht leben von der Gewalt, von den Drohungen, von den Kanonen, vom brutalen Sieg des Einen über den Anderen, sondern von der Menschlichkeit, von der Brüderlichkeit, von der Liebe, und es ist gut, daß das wieder einmal ausgesprochen wurde, nicht nur von ein paar Privatleuten, sondern auch von den Augustus und Herodes unserer Tage. Die Klarheit des Herrn umleuchtet uns. Der Friede Gottes ist um uns. Noch kann er nicht zu uns herein, noch bringen wir es nicht weiter als bis zu ein paar schönen Worten, und dann müssen wir weiter schelten und weiter donnern. Aber das ist doch jetzt wieder einmal an den Tag gekommen, daß es wirklich nur an uns liegt, daß der Friede Gottes, den wir alle kennen, nur zu gut kennen, nicht zu uns herein kann. Es geht nun wie seit der Weihnacht: wir können noch nicht so sein, wie wir nach solchen schönen Friedensworten eigentlich gerne sein möchten. Aber nicht widrige Umstände sind daran schuld, kein finsteres Schicksal, keine böse Welt – fort mit diesem traurigen Irrtum! –, sondern wir selbst. Und wenn wir betrübt sein wollen, dann nicht über die Finsternis da draußen, sondern über die da drinnen. Da draußen ist die Klarheit des Herrn, da draußen leuchtet das Licht der Weihnacht, der neue Schein Gottes, da draußen wartet die Liebe und will zu uns herein, wir aber wollen nicht. Gerade was verborgen in uns ist, ist eben nicht so |428 herrlich, wie wir denken. Denn da drinnen möchten wir alle etwas sein, und zwar etwas Großes sein. Wir sind nicht gerne in der guten Gesellschaft der Hirten. Wir möchten nicht gerne zu denen gehören, die nichts sind. Wir möchten alle gerne ein wenig Augustus und Cyrenius und Herodes sein. Möchten nicht nur da sein, sondern als wichtige Leute da sein, möchten nicht nur einander liebhaben, sondern uns hervortun, möchten nicht nur leben, sondern glänzen und Einfluß haben, möchten nicht nur arbeiten, sondern Erfolge sehen, möchten uns nicht nur freuen, sondern Überfluß haben. Wir wollen es nicht glauben, daß das Leben unter allen Umständen etwas Einfaches sein muß, daß wir nicht mehr und nicht weniger sein können als eben Menschen und daß wir durch gar nichts Anderes als durch die Liebe Menschen werden können. Darum haben wir so eine unheimliche Freude an allem Künstlichen, Geschraubten, Großartigen, und unsere Gedanken und Gefühle gehen überall hin, nur nicht auf das Einfachste, Naheliegendste, auf das, wovon wir eigentlich leben. Wir machen Hirngespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel.4 Wir können wohl sagen, das sei nichts Böses. Nun ja, wir können dabei sehr brave und tüchtige und ernste Leute sein, es ist ja auch nicht die Schlechtigkeit der Menschen, die es jetzt verhindert, daß der Friede zu uns herein kann. Adam und Eva taten ja auch nichts Böses, als sie sein wollten wie Gott, und in allem Anstand haben sie von den fatalen Früchten gegessen [vgl. Gen. 3,5f.]. Aber die Ursache des Bösen und Traurigen in der Welt liegt doch hier, in unserem Groß- und Wichtig-sein-Wollen. Das macht’s, daß die Klarheit des Herrn uns immer wieder umsonst umleuchtet. Habt ihr’s gelesen in der Zeitung, wie sie alle groß und wichtig sein wollen, die Deutschen mit ihrer Macht und ihren Siegen und ihrem Hindenburg, die Anderen mit ihrer ungeheuren Gerechtigkeit, daß sie für den lieben Gott die Polizei machen möchten in der Welt5? Da kann eben der Friede nicht herein, weder hier noch dort. Und wenn wir groß und wichtig sein wollen und |429 nicht einfach, dann ist’s eben auch für uns wieder einmal umsonst Weihnacht, umsonst ist es, daß alle Luft jauchzt und ruft: Christus ist geboren! Und das soll das Dritte sein, was wir heute heimtragen wollen: Wenn wir nichts merken davon, daß Gott lebt, so liegt es an uns. An uns liegt’s, daß die Welt und auch unser Leben so sind, wie sie sind. Wären wir anders, so würden sie daliegen vor uns im neuen Scheine Gottes, und wir könnten uns freuen, und Alles käme zurecht. Die Klarheit des Herrn leuchtet um uns. Niemand verbindet uns die Augen, wir selbst sind es, die uns die Hände vor die Augen halten.
Selig sind die Armen, denn ihrer ist das Himmelreich! [vgl. Mt. 5,3 par.]. Es war nicht das Verdienst der Hirten von Bethlehem, daß sie die Klarheit des Herrn, die sie umleuchtete, merkten und sahen. Sie waren nicht bessere Menschen als Augustus und Herodes und die unheimlichen Gottesmänner im Tempel von Jerusalem, sie waren auch Sünder und Gottlose, und jene hatten auch eine Sehnsucht nach Freude und Frieden. Aber die Hirten von Bethlehem waren besser dran als sie. Die Mauer, die sie von Gott trennte, war nicht so dick, war leichter zu durchstoßen. Sie hatten nicht soviel Macht, nicht soviel Geld, nicht soviel schlaue und gelehrte Gedanken im Kopf. Darum konnte ihnen leichter ein Licht aufgehen als jenen, leichter als jene konnten sie es begreifen, daß es ja im Leben nur auf Eines ankommt: auf Gott, daß von all dem, was uns bewegen und erfüllen kann, nur eins wichtig ist: Gott, daß Gott schließlich hinter Allem und über Allem steht und daß Gott alles Verwirrte und Zerstörte in Ordnung bringt, wenn wir nur mit ihm gehen. Sie waren weniger in Versuchung, selber groß und wichtig sein zu wollen, weil sie eben gar niedrige, gewöhnliche Leute waren. Ihr kleines, unnützes Leben trieb sie von selbst stärker dazu, zwischen den Fingern hindurch, mit denen wir uns die Augen verdecken, auf den neuen Schein zu achten, den Gott der Welt gibt. Es war nicht ihr Verdienst, daß es bei ihnen zuerst Weihnacht werden konnte, es war eine Gnade. Sie hatten es eben gut. Selig sind die Armen!|
Liebe Freunde! Wir können es auch gut haben. Wir haben nicht das Verdienst, aber die große Gnade, daß die Mauer, die uns von Gott trennt, auch nicht dick, sondern dünn ist und leicht zu durchstoßen. Zwischen unserem Leben und dem der Hirten von Bethlehem ist kein so arg großer Unterschied. Wir haben die große Gnade, daß die allermeisten von uns keine großen Herren und Damen sein müssen, und wenn wir manchmal |430 ein wenig dergleichen tun6, als ob wir’s wären, so wissen wir ja recht gut, daß es nicht so gefährlich ist damit, und können uns fröhlich auslachen: wir sind es wirklich nicht, wir sind nur die Safenwiler. Wir brauchen nicht zu meinen, vom Geld hänge das Glück und das Leben ab, denn wir haben nicht zu viel davon. Wir brauchen mit unseren Gedanken keine Umwege und Zickzacksprünge zu machen, denn wir sind keine Professoren von Basel oder Zürich. Wir brauchen einander keine so bitterbösen Gesichter zu machen und armsdicke Worte zuzurufen wie der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg und der Ministerpräsident Lloyd George, denn uns fragt niemand, wie die Völker Europas regiert werden sollen. Wir brauchen nichts Anderes zu wollen und zu suchen als eben zu leben, Menschen zu sein, miteinander auszukommen, Freude zu haben und einander ein wenig Freude zu machen. Und da können wir es besonders gut begreifen und wissen es aus Erfahrung, daß dazu nur Eines nötig ist: daß wir uns lieb haben, und das heißt eben, daß Gott bei uns sein kann, denn Gott ist die Liebe [vgl. 1.Joh. 4,8.16]. Uns ist es wie den Hirten von Bethlehem sehr leicht gemacht, die Augen aufzutun und sehend zu werden, die Hände auszustrecken nach dem, was wirklich nötig, wirklich groß, wirklich wichtig ist. Wir können uns ruhig sagen, daß Gott offenbar auch für uns eine Vorliebe hat, weil wir nicht im Palast des Augustus wohnen und weil wir den frommen Männern von Jerusalem in allen Stücken sehr unähnlich sind. Bei uns kann es Weihnacht werden. Wir haben kein Verdienst daran. Aber eine Gnade ist das und etwas, worüber wir uns freuen können. Das soll das Letzte sein, was ich euch zur Weihnacht sagen will: wir sind nicht weit davon, daß die Klarheit des Herrn, die uns schon umleuchtet, der große Friede Gottes in uns hineingehen kann. Christus ist da für uns, und es ist uns leicht gemacht, daß wir auch für ihn da seien.
Das Allerletzte kann ich euch nicht sagen. Das müßt ihr euch selbst sagen. Ihr wißt es ja schon. Gnade will angenommen sein. Gott will ein Ja! von uns hören. Alles könnte auch für uns daran scheitern, daß wir nicht Ja sagen wollen. Wir können aber Ja sagen. Das Licht Gottes scheint. Es leuchtet wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht!7