6. August 1916

Predigt: 1 Johannes 3,3-9

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1.Johannes 3,3–9
Liebe Freunde!

Es gibt in jedem Menschenleben Zeiten, wo Gott uns so führt, daß wir spüren: nun muß es gegen unsere Sünde zu einem Kampf, und zwar zu einem Entscheidungskampf kommen. Wo es uns klar vor Augen tritt: es ist da in meinem persönlichen Leben eine ungeordnete Leidenschaft, eine |277 sinnlose Gewohnheit, eine verkehrte Meinung, ein dickes Vorurteil, das mich des Morgens und des Abends und bis in meine Träume hinein beherrscht – es kann etwas Großes sein, von dem meine ganze Familie und vielleicht das ganze Dorf redet, aber vielleicht auch etwas Kleines, das alle anderen außer mir selbst nicht einmal bemerken, es kann etwas Inwendiges sein, ein trübes Geheimnis meines verborgensten Herzens, oder etwas Auswendiges, bei dem mein Mundwerk und vielleicht mein ganzer Körper beteiligt ist, etwas, das tagtäglich und jahraus jahrein mein Tun und Lassen bestimmt – darauf kommt’s dann gar nicht an, und das macht nicht den geringsten Unterschied aus –, aber klar tritt es uns vor Augen: es ist da in mir etwas Krummgewachsenes, Gefälschtes, Verdrehtes, etwas gegen Gott und gegen die Menschen und gegen mich selber, etwas Fremdes, das nicht zu mir gehört – und das muß weg. Mein Wille war gefangen von dem Fremden, nun muß er frei werden. Das Fremde lebte in meinem Herzen, nun muß es sterben. Es muß!

Es ist in solchen Entscheidungsaugenblicken keine schwere Frage, wie wir denn mit unserer Sünde fertig werden sollen. Darüber braucht keins von uns eine Anweisung, was es denn nun tun soll, wenn es einmal klar gesehen hat: da fehlt’s mir!, und es einmal in ihm durchgebrochen ist: das muß weg! Wenn das einmal geschehen ist in uns, dann kommt’s sofort auch zum Kampf und zum Sieg über die Sünde. Sag dir’s: wie ich war und handelte und redete, das war gegen Gott, und Gott vergibt dir deine Sünde! Gib deiner Sünde nicht mehr Recht, verteidige sie nicht mehr, nicht einmal in Gedanken, und sie hat kein Recht mehr an dich, sie kann dich nicht mehr angreifen! Erkenne sie als das, was sie ist, als etwas Fremdes, als etwas, das nicht zu dir gehört, und sie ist wirklich nicht mehr dein eigen, sie geht dich nichts mehr an! Gesteh dir’s ein: ich war gefangen!, so bist du frei! Die Sünde hat ihre Macht über dich verloren von dem Augenblick an, wo du die Wahrheit Wahrheit nennst und die Unwahrheit Unwahrheit. Was dir noch anhaftet von dem alten Fehler, das gilt nicht mehr, das bist nicht mehr du selber, das sind geschlagene Nachzügler des Feindes, die brauchen dir keine Angst mehr zu machen, die werden von Monat zu Monat kräftiger und völliger zurückgedrängt. Dieses Nachträgliche von deiner Sünde, das dir vielleicht anhaftet bis an deinen Tod, das rechnet dir Gott in seiner großen Barmherzigkeit nicht mehr an, wenn du nur fest und ehrlich dabei bleibst: Da fehlt’s! und das muß weg! Nein, dieser Kampf gegen die Sünde, wie er zu führen sei, das |278 ist keine schwere und künstliche Frage, sondern Gott sei Dank das Allereinfachste von der Welt. Das geschieht eben, wenn die Entscheidung gegen die Sünde in uns geschieht, wenn’s in uns klar wird und klar bleibt: es muß!

Aber das ist eine schwere Frage für uns Menschen, wie es zu dieser Entscheidung kommen soll: daß sie als etwas Fremdes, Gottwidriges, Unnatürliches vor uns steht, daß wir sie nicht mehr verteidigen und rechtfertigen, daß es zu diesem Riß kommt zwischen uns und ihr, daß wir sie nicht mehr haben und unter keinen Umständen mehr lieb haben wollen. Daß wir’s hören mit unseren inwendigsten Ohren: Es muß! und darauf antworten mit unserer inwendigsten Stimme: Ich will! All unser Fragen: wie wir denn von der Sünde loskommen können, kommt eigentlich nur davon, daß wir es überhaupt nicht wollen. Da muß Gott ein kräftiges, erlösendes Wort mit uns reden. Und darüber wollen wir heute von Johannes etwas hören.

Ein jeglicher, der eine solche Hoffnung hat zu Christus, sagt er, der reiniget sich, wie Christus auch rein ist. Wir haben eine Hoffnung, und die allein schon ist das erlösende Gotteswort, daß wir müssen frei werden wollen von der Sünde. Die Hoffnung heißt: es wird Alles neu, es wartet der Welt eine völlige Befreiung von der Not und der Tyrannei und dem Jammer, in denen sie jetzt steht. Was wir jetzt sehen, ist nicht für immer. Der ganze Zustand, in dem jetzt die Dinge stehen, wo es soviele betrübte, unterdrückte Wesen gibt, soviele Frauen, die ihr ganzes Leben hindurch müde sind, soviele Kinder, die nie ein freundliches, gutes Wort hören, soviele Menschenseelen, die von niemand geliebt und verstanden werden, wo das Geld soviel wichtiger ist als das Recht und die Freude, wo man sich so oft mißversteht und verleumdet und beleidigt, wo soviel unschuldiges Blut vergossen wird um nichts, wo soviel Kranke jahrelang ihr Leben verwünschen und soviele Gesunde lange vor der Zeit sterben müssen – dieser ganze Zustand ist nicht endgiltig, bleibt nicht, er ist nur vorläufig, nur ein Übergang. Es geht durch alles, was ist, hindurch ein großes Seufzen der Kreatur [vgl. Röm. 8,19–22], und das Seufzen hat Recht: diese Welt muß vergehen und wird vergehen [1.Joh. 2,17]. O, wir glaubten es auch lange nicht, wir machten auch lange genug gescheite, altkluge Gesichter und sagten: ich bin der Meinung, daß es noch sehr lange gehen wird, bis es besser kommt!, ich bin der Meinung, man tue am besten, heute zu denken und zu reden, wie man’s gestern getan hat!, |279 ich bin der Meinung, es bleibe im Großen Ganzen immer Alles im Gleichen! O unsere Meinungen, unsere weisen Meinungen! Und seufzten ja doch im Stillen mit, denn die Not und den Druck dieser Welt spüren wir ja doch alle, auch die, denen es so gut geht, daß sie es sich leisten können, solche weisen Meinungen zu haben.|

Da kam Christus zu uns, und wohin er gekommen ist, da sind die Meinungen zerbrochen wie Glas, und aus dem Seufzen wurde eine große Hoffnung. Denn da war unseren Meinungen zum Trotz ein ganz Anderer als wir, keiner von gestern und keiner von heute, sondern einer von morgen! Die Propheten hatten es schon lange gesagt: es muß einmal eine Wendung nehmen mit dem Druck und der Not, die auf der Welt lasten. Sie sahen es nicht, aber sie glaubten daran. Und nun kam eine Wendung, und wir können sie sehen, und diese Wendung, die dort angefangen hat, ist unsere Hoffnung: Es kam einer, vor dem mußten die finsteren Mächte, unter denen wir sind, stillstehen, in dem fanden sie ihren Meister. Die Borniertheit und Schlechtigkeit der Leute konnte ihn nicht böse und scharf machen. Das Einsamsein und Nichtverstandenwerden machte ihn nicht elend. Den Armen hatte er mehr zu sagen als schöne Trostworte, vor den Kranken stand er nicht ratlos da, der Tod konnte ihn nicht töten. Es war in ihm eine Antwort da auf das alles. Er stand überlegen über dem allem, griff kühn und machtvoll hinein und gründete ein neues Leben, in dem das alles nicht mehr ist. Ein Strom von Barmherzigkeit, Freude, Befreiung, Gesundheit, von ewigem Leben ist von ihm ausgegangen. Und wenn wir die Meinung haben, die Welt müsse immer ein stehendes Sumpfgewässer bleiben, so ist da die Tatsache, daß dieser Strom die stehenden Gewässer in Bewegung gebracht hat. Wo er hinkommt, da bekommt eben das ganze Leben der Welt ein Ziel und eine Zukunft!|

Ihr armen betrübten, unsicheren Seelen, die ihr so oft seufzt: ja, es wäre ja schön! Seht, Christus hat uns etwas Besseres zu sagen: er sagt nur: es wird schön! Christus will euch vom Seufzen zum Hoffen führen. O, das geht Alle, Alle an, die bedrückt und in Sorgen und müde und ratlos sind, Alle, die mit Beunruhigung an den Lauf der Welt denken, und Alle, die mit ihrem eigenen Leben nicht ein und aus wissen, Alle, hoch und niedrig, fromm und weniger fromm, dürfen sich’s sagen und vorhalten, weil Christus es uns sagt und vorhält: Wir haben eine Hilfe zu erwarten. Es ist eine Arbeit im Gang, und wenn die vollendet ist, an dem Abend, wird’s licht sein [vgl. Sach. 14,7]. Es ist ein Trost vorhanden, der über uns |280 kommen will. Es vergeht diese Welt, und es kommt aller Not und aller Tyrannei und allem Jammer zum Trotz sein Reich2, kommt für alle Wesen, kommt auch für dich und mich. Und da solltest du noch Freude haben können an deiner Sünde, groß oder klein, offen oder geheim? Da solltest du noch behaupten können: meine Laune, meine Begierde, meine falsche Liebe, mein falscher Haß, meine Unaufrichtigkeit, mein Trotz, meine Härte – das ist harmlos, das macht nichts, davon kann ich nicht lassen, das gehört zu mir? Da solltest du nicht merken, daß auch deine Sünde in dir ein kleines Stück von der Not und dem Druck der alten Welt ist, die ja eben vergehen muß? Nein, das ist gar nicht möglich! Du darfst hoffen, du arme Seele3, und eben darum weißt du ganz gut, daß du dich reinigen mußt. Zu dem Neuen, das kommen will, gehört auch das, daß dieses bittere Stück Sünde, das du mit dir herumträgst, weichen muß. Christus ist erschienen, auf daß er unsere Sünde wegnähme, auch deine und meine Sünde. Darum kannst du nicht kleben an ihr, sondern wenn du recht hoffst, so ist auch jener erlösende Riß zwischen dir und ihr schon geschehen. Christus ist rein. In ihm ist keine Sünde. Darum kannst du deine Sünde nicht mehr lieb haben. Wie bist du denn dran mit deiner Sünde, was es auch sei, worin du sündigst? Wie ein zurückgebliebener Posten eines siegreichen Heeres! Sieh, überall gehen die Fahnen des Königs vorwärts4, überall sind die finsteren Höllenmächte schon auf dem Rückzug; sollten sie in dir den Sieg behalten und das Feld behaupten? Mußt du nicht auch dabei sein, wenn es Gott gewinnt? Doch, du mußt! Aber dann mußt du auch rein werden wollen!

Und nun sieh dir den Feind genauer an, mit dem du’s zu tun hast! Wer Sünde tut, der ist vom Teufel, dem ist der Teufel sein Gott und Vater. Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, d.h. Teufelsdienst, der läuft als ein Verräter über in die Reihen der feindlichen Heerschar. Ja, es wird in der |281 Welt ein unsichtbarer Krieg geführt gegen Gott und seinen Willen. Wenn Gott Ja! sagt, dann ist immer wie aus einer finsteren Höhle heraus gerufen auch ein Nein! da. In Gottes Schöpferfreude hinein das höhnische Gelächter dessen, der seine Freude am Verderben und Zugrunderichten hat. In Gottes Frieden hinein das Gezischel des Neides und das Gekreische des Zankes. In Gottes Freiheit hinein das Rasseln von Zuchthäuslerketten! Überall dieses widergöttliche Nein! Es spottet auch über das Seufzen der Kreatur, es möchte uns gerne die Hoffnung entreißen, es möchte es gewinnen bei den Armen und Verstoßenen, an den Krankenbetten und in den Trauerhäusern, es möchte, daß da Bitterkeit entstehe, Ausgelassenheit, Wut und Verzweiflung, ein unfruchtbares Murren und Trotzen gegen Gott. In allen schweren Lagen flüstert es uns in die Ohren: sag auch Nein! hör auf zu beten, zu glauben, zu arbeiten! wirf Alles weg, es ist Alles doch nichts. Wir haben dieses widergöttliche Nein alle schon gehört und gesehen bei den Menschen und in uns selber. Das ist der Teufel! Wir wollen nun gar nicht zu vornehm und zu neumodisch sein, wollen dieses kräftige Wort ruhig brauchen, wie es in der Bibel auch gebraucht wird. Und nun wird des Teufels Kind und Knecht, wer Sünde tut, sagt Johannes. Jeder, der Sünde tut, nicht erst die groben dorfbekannten Trinker und Flucher und ungetreuen Eheleute, jeder! Du stehst entweder im einen Kriegslager oder im anderen. Du mußt entweder mit Gott Ja sagen oder mit dem Teufel Nein! Wo du zustimmst, da gehörst du hin. Du folgst deiner Laune, du überlassest dich deinem Trieb, du gehorchst deiner alten Gewohnheit oder dem, was du andere tun siehst – gut, du kannst es, du hast Freiheit dazu, wie Adam und Eva im Paradies [Gen. 3,6], ein wüster Gedanke erfüllt und beherrscht dich eine Stunde, einen ganzen Tag, ein giftiges Wort fliegt aus deinem Munde, ein hässiger5 Brief wird geschrieben, eine dunkle, unsaubere Tat getan in aller Verschwiegenheit – du kannst es! Du rechtfertigst dich: ich konnte nicht anders, andere tun es auch, es hat jedes seine Fehler, wir sind allzumal Sünder [vgl. Röm. 3,23] – du kannst auch so schwatzen und dich zudecken. Aber das sollst du wissen, daß du zwischen Gott und dem Teufel nicht mehr neutral bist, sondern mit dem Teufel zusammen bist du gegen Gott in Kriegszustand getreten, mit dem Teufel hast du Nein gesagt. Mit deinen Gedanken, deinem Wort, deiner verborgenen Tat hast du der Macht geholfen, die |282 das Leben vergiftet, die Welt verwüstet, der Macht, die den Krieg erfunden hat und alles Üble, worüber die Menschen und die Engel im Himmel weinen müssen. Deine Sünde ist ein Sieg der Macht, [die] die Welt immer aufs neue zu einem Sumpf machen will. Und nun? was sagst du dazu? Ist das nicht genug, um dich von der Sünde loszureißen? Hörst du’s noch nicht deutlich genug: Das muß weg! und mußt du nicht ganz von selbst antworten: ja, ich will, ich will, daß es nun anders wird!? Was hast du mit dem Teufel zu schaffen? Was hast du zu tun mit diesem verdrückten, unterirdischen Neinsager, der gegen Gott streitet und das Leben verdirbt? Du bist nicht für ihn da, du gehörst ihm nicht! Sein Bestreben, dich in seinen Dienst zu ziehen, ist eine freche Anmaßung, die du zurückweisen mußt, wie man eben eine Frechheit zurückweist. Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, daß er die Werke des Teufels zerstöre! Und dazu bist du selber da, nicht um dem Teufel zu helfen, sondern um ihm Abbruch zu tun. Sieh, du bist es diesem unserem bösen Feinde schuldig, wie du es unserer großen Hoffnung schuldig bist, daß du den Frieden oder Waffenstillstand oder gar Bund, den du mit ihm geschlossen, brichst und auf deinem Kampfgebiet, gegen deine Sünde, zum Angriff vorgehst. Du mußt aufhören, deine Sünde lieb zu haben, denn du bist doch in Wahrheit kein Kind und Knecht des Teufels!

Ja, nun sehen wir uns selbst an, und das ist eigentlich immer das stärkste und erlösendste Gotteswort, wenn wir so recht deutlich zur Besinnung kommen, wer wir selber sind. Es sind eben in jedem Menschen im Grunde ein paar Personen, die sich wie um die Herrschaft streiten in ihm, und da ist’s nötig, daß es einmal zu einem Durchbruch und einer Entscheidung komme: wer und was bin ich nun in Wahrheit? Es ist eine Person in uns, die will immer nur seufzen und nicht hoffen und die will es dann auch nicht zu der ernsten, gründlichen Reinigung kommen lassen, die so nötig wäre. Es ist eine andere Person in uns, die möchte gerne dem großen Streit zwischen Ja und Nein, zwischen Gott und dem Teufel zusehen, möchte gerne neutral sein und es zuletzt mit dem halten, der gewinnt, etwa wie jetzt die Rumänen6. Von der ist auch nicht zu erwarten, daß sie mit der Sünde, die uns plagt, abfahre7, im Gegenteil. Es ist noch eine andere Person in uns, die kennen wir auch, die freut sich |283 direkt am Bösen, das wir tun, die bläst uns immer wieder die Entschuldigungen und Ausreden ein. Aber seht, das alles sind nicht wir selber. Alle diese Personen sind uns eigentlich fremd, obwohl sie in uns sind. Es ist aber noch eine Person in uns, und das ist unsere Seele, und das sind wir selber, das ist unsere Wahrheit. Und unsere Seele ist aus Gott geboren, darum kann keine Versuchung und Befleckung etwas daran ändern. Gott hat das erlösende Wort gesprochen: die Seelen gehören mir, und niemand soll sie aus meiner Hand reißen [vgl. Joh. 10,28]. Auch die Seelen der groben und feinen Sünder, auch die Seelen der Trinker und der Profitlimacher und der bösen Buben und der eitlen, oberflächlichen Mädchen, sie gehören doch mir. Darauf kommen wir, wenn wir uns recht besinnen: wer und was bin ich? Antwort: ich bin aus Gott geboren, ich gehöre zu Gott. Diese Antwort hat Gott selbst vor 2000 Jahren laut in die Welt hinausgerufen durch Christus. Christus hat uns eben nicht nur eine Hoffnung gegeben für die Zukunft, sondern eine Sicherheit für die Gegenwart. Er sagt uns, was aus uns wird, er sagt uns aber auch, was wir jetzt schon sind. Wir müssen ihn nur sehen und erkennen, dann können wir wissen, daß jene anderen Personen in uns nicht wir selber sind, dann tritt unsere Seele hervor aus allem Schlamm und Gestrüpp, und wir können jubeln: das bin ich! Wir müssen nur an den göttlichen Samen denken, der von ihm in uns hineingelegt ist und der uns durch ihn auch ganz sicher bleibt, dann können wir wissen: dieser göttliche Same in uns, der muß wachsen und groß werden, das ist mein Leben, da werde ich ein friedlicher, fröhlicher Mensch, damit kann ich einer schönen Zukunft entgegen gehen – das Andere aber geht mich nichts an, was habe ich damit zu schaffen, weiche hinter mich, Satan!, wie es Christus selber gewußt und gesagt hat [vgl. Mk. 8,33 par.]. Wer von Gott geboren ist, der sündigt nicht – die Seele nimmt keine Verunreinigung an – der göttliche Same in uns wächst und sprengt die Ketten des Bösen. O wenn diese Entscheidung fällt: das bin ich, der aus Gott geborene Mensch, der Mensch, der Christus seinen Bruder und Meister nennt – und nicht die andere Gesellschaft da in uns –, dann fällt auch die Entscheidung gegen unsere Sünde. Gott selber redet dann in uns: Ephraim, was sollen mir weiter die Götzen? [Hos. 14,9]. Weißt du, wer du bist? Hörst du Gottes Wort? Dann geh hin und sündige hinfort nicht mehr! [Joh. 5,14; 8,11]. Deine Freiheit vom Fremden hat angefangen.

Amen.
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Lieder:

Safenwil:

  • Nr. 172 «Tut mir auf die schöne Pforte» von B. Schmolck, Strophen 1-3 (GERS [1952] 200,1-3; EG 166,1-3 mit Textabweichungen) 🎵
  • Aus dem Lied Nr. 246 «Wer ist wohl wie du, Jesu süße Ruh’?» von J. A. Freylinghausen die Strophen 9.10.11 (Reichs-Lieder 257,5.-.6) 🎵

Ürkheim:

  • Nr. 148 «Komm, o komm, du Geist des Lebens» von H. Held, Strophen 1-3 (GERS [1952] 184,1.2; EG 134,1.2; Strophe 3 des GERS [1891] fehlt in den neueren Gesangbüchern) 🎵
  • Nr. 9 «Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut» von J. J. Schütz die Strophen 4.8.9 (GERS [1952] 49,4.8.9; EG 326,4.8.9 mit geringfügigen Textabweichungen) 🎵

Sachfußnoten

1
Aus Barths Notizkalender geht hervor, daß der Gottesdienst in Ürkheim nachmittags gehalten wurde.↩
2
Vgl. oben S. 167, Anm. 6.↩
3
Vgl. den Anfang der 6. Strophe von P. Gerhardts Lied «Befiehl du deine Wege»:
Hoff’, o du arme Seele …
(Nr. 266; GERS [1952] 275; EG 361) 🎵
.↩
4
Anspielung auf den Hymnus «Vexilla Regis prodeunt» des Venantius Fortunatus (6. Jh., z. B. in: Das vollständige Römische Meßbuch lateinisch und deutsch mit allgemeinen und besonderen Einführungen im Anschluß an das Meßbuch von Anselm Schott O.S.B, herausgegeben von Mönchen der Erzabtei Beuron, Freiburg / Br. 194910, S. 399f. 📖 ↩
5
= gehässiger.↩
6
Rumänien war im 1. Weltkrieg zunächst neutral, erklärte aber am 27.8.1916 Österreich-Ungarn den Krieg. Vgl. unten S. 309f.↩
7
= Schluß mache.↩