Mit diesen Worten hat der Apostel die Christen fest machen wollen in ihrem inneren Leben mit Gott durch den Heiland. Bleibet, bleibet!, ruft er ihnen ja in diesem ganzen Brief zu, bleibet in dem, was euch gegeben ist, was ihr seid und habt, laßt euch nicht hinauswerfen aus eurem Eigentum, seid ganz fest und sicher und unerschütterlich in eurer Haltung: die Augen auf Jesus von Nazareth gerichtet, die Hände rührig für die Brüder, das Herz ruhig und still bei Gott. So ist’s des rechten Christen Art, der aus dem Geist geboren ward, er harret seines Gottes.2
Es haben manche ältere Leute – und manchmal sogar auch jüngere Leute – eine gewisse ängstliche, zitterige Art an sich, daß sie möchten, Alles in der Welt sollte immer schön im Gleichen bleiben. Sie blicken mißtrauisch drein gegen neue Gedanken, neue Verhältnisse, neue Gewohnheiten. Sie waren so schön im Geleise drin! Warum nun auf einmal etwas Anderes? Es ist wohl gut, wenn ich wieder einmal ausdrücklich sage, daß der Apostel Johannes kein solcher ängstlicher Mann war und daß er mit seinem eindringlichen: Bleibet! keinen Zeiger hat rückwärts drehen wollen, der nun einmal vorwärts laufen muß. Gerade im Gegenteil: er meint damit: bleibet im Neuen und fallt doch ja nicht wieder ins |270 Alte zurück! Für ihn ist das Christentum eine allgemeine Erneuerung, ein wunderbarer Frühlingsanbruch, eine herrliche Vorwärtsbewegung gewesen. Er hat’s erlebt und gesehen, wie in der alten Welt drin ein neuer Geist sich zu rühren begonnen hat, eine Gewalt vom Himmel her hat begonnen, an den Fesseln der altgewohnten Not zu rütteln, Sünde und Schuld, Mammon und Tod sind erschrocken und haben gemerkt, daß die Tage ihrer Herrschaft gezählt sind, die Menschen haben ihre Häupter erhoben [vgl. Lk. 21,28] und etwas gemerkt von Trost und Hilfe, von Freiheit und Freude. Das hat Johannes als jung3 gesehen bei Jesus, und das ist jetzt, wo er alt ist, seine Botschaft, das einzige Wort, das er immer wieder ausrufen möchte in alle Winde: das Licht scheinet jetzt! [1.Joh. 2,8]. Das neue Licht, das der alten Finsternis ein Ende machen will! Er sieht es schon vor sich mit heiliger Ungeduld, wie das Licht es überall gewinnen, wie Alles neu werden will, er sieht die großen finsteren Feinde Gottes und der Menschheit gebunden, geschlagen, in den Abgrund gestürzt, diese alte Welt vergangen, Gott hoch in Ehren und Herrlichkeit, alle seine Geschöpfe in Frieden und Freude, ewiges Leben überall, wie es war im Anfang. Das ist der große Triumphgesang, den dieser alte Mann immer wieder anstimmen muß. Er ist ganz jung, dieser alte Mann. Er hat bei Jesus gerade das gelernt: unentwegt auf das Neue sehen, das angefangen hat von Gott her und das sich von Gott her vollenden will. Ach wenn doch Alle so unentwegt auf das Neue sehen wollten, denkt er. Das ist sein großer Kummer, die Leute um ihn her, auch die Christen kommen ihm so unsicher, so halbherzig, so hoffnungsarm vor. Sie sind so unentschlossen im Ernstmachen, sie sind so schnell verzagt, sie machen so unfrohe Gesichter, sie denken und reden oft gerade, wie wenn Alles noch im Alten wäre, wie wenn das Licht noch nicht scheinen würde. Habe ich’s euch denn nicht gezeigt und gesagt, und wißt ihr’s nicht selber, möchte er sie immer wieder fragen: Gott hilft! Gott tröstet! Gott will euch frei, ganz frei machen von dem, was euch drückt! Gott hat seine große Freude bereit für euch! Das ewige Leben ist euch verheißen! Ja, es ist etwas von Angst in diesen Worten, aber gerade nicht die Angst, das Alte könnte vergehen und etwas Neues hereinbrechen, sondern umgekehrt: die Angst, die Menschen könnten das Neue verpassen und versäumen und es könnte dann am Ende Alles beim Alten bleiben. Darum schreibt und bittet er so |271 eindringlich: Bleibt bei Jesus! Bleibt bei dem, der den entscheidenden Fortschritt getan hat in der Welt, der euch nicht will sitzen lassen, wie ihr seid, und in dem Jammer und in den Verdrießlichkeiten drin, die euch jetzt umgeben und bedrücken, der euch und die Welt vorwärtsbewegen und verwandeln will. Bleibt in Bewegung, bleibt in der Hoffnung, bleibt beim Vorwärtssehen und bei der Arbeit, laßt eure Herzen nicht matt und eure Gewissen nicht weltlich werden, laßt eure Hände nicht sinken, bleibt in dem Zustand, daß Gott weiter machen kann in dem, was er angefangen hat! Das ist die Angst, die Johannes hat um seine Freunde, und so müssen wir es verstehen, daß er sie fest machen will im Glauben.
Und wenn ich nun die Worte unseres Textes lese, so ist es mir, als wolle Johannes da einen ganzen Ansturm von solchen schwachmütigen, furchtsamen, ungläubigen Gedanken von seinen Freunden abwehren. Er sieht sie in einem schweren Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit, es ist ihm bange um sie – und nicht nur um sie, denn er weiß: wenn die Menschen hoffnungslos werden, dann wird Gott gleichsam machtlos, Gott kann nur mit hoffnungsvollen Menschen etwas anfangen – er weiß aber auch, daß sie nicht zu unterliegen brauchen, daß sie ganz gut ausharren können, wenn sie nur wollen. Und so ruft er ihnen zu: steht doch auf eure Füße, der Boden trägt euch, zieht doch eure Schwerter, sie sind scharf genug, braucht doch eure Kraft, sie ist größer als die eurer Feinde! Wir wollen nur gleich neben jene Christen treten und uns das alles von ihnen auch sagen lassen, nicht wahr? Denn das ist doch die Not von uns sogenannten Christen bis auf den heutigen Tag, das ist doch das traurige Geheimnis, warum wir nicht mehr wert sind und mehr ausrichten: Wir stehen immer wieder im Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit. Wir leben immer wieder unser kleines Leben, machen uns unsere Gedanken, plaudern unsere Worte, als ob Christus gar nicht gekommen wäre, gar nichts Neues in der Welt angefangen hätte, als ob es immer nur so im Gleichen weitergehen müßte mit dem Sorgen und Sparen, Zanken und Neidischsein, Sichplagen und Müdewerden, Hungern und Kriegführen, Kranksein und Sterben, heute wie gestern und morgen wie heute. Sind wir nicht Christen und machen doch so oft Gesichter, als ob wir arme Heiden wären, die nichts zu erwarten haben? Sind wir nicht Christen und stoßen doch fast alle Tage Worte aus, als ständen wir statt auf hohem Berg vor einer hohen, dicken Mauer von Bosheit, Elend und Verzweiflung? Sind wir nicht Christen und richten uns Jahr um Jahr unser Leben so ein, als ob |272 nicht das Licht am Kommen wäre, sondern die Finsternis mit Lug und Trug und Dummheit und Kleinlichkeit? Und wenn wir Christen nichts hoffen wollen, dann steht eben auch der große Fortschritt still, der doch von Gott her unterwegs ist, dann kann uns Gott auch nicht trösten und heilen und fröhlich machen. Ja, der liebe Gott ist gehindert durch uns arme Christen, darum haben wir jetzt den Krieg auf der Erde, zwei Jahre lang schon. Gott will ihn nicht, Gott will etwas Besseres, aber Gott ist gehindert durch uns in seinem Wollen. So stehen wir auch im Kampf gegen die Hoffnungslosigkeit, und ich weiß nicht, ob es nicht Johannes, wenn er heute lebte, um uns noch bänger sein müßte als um jene Christen, an die er schrieb, denn es sieht oft aus, als wären wir der Hoffnungslosigkeit schon ganz erlegen. Und jedenfalls haben wir es bitter, bitter nötig, daß er uns auch helfe durch seine Erinnerung und seinen Zuruf: Bleibet, bleibet bei dem, der für euch gesiegt hat und mit euch auch heute siegen will! Steht fest und laßt euch nicht wegschwemmen von den trüben Wellen der Not, die ihr euch selber macht!
Seht, da kommt die erste Welle von falschen, hoffnungslosen Gedanken, und das ist die Meinung: wir haben doch eben Gott nicht lieb genug, und darum können wir keine starke, lebendige Hoffnung auf ihn setzen, und darum müssen wir sorgen und nörgeln und zanken, und darum bleibt’s in der Welt und in Safenwil immer im Gleichen. O wie sollen wir’s nur anstellen, mehr Liebe und Eifer und guten Willen zu haben für Gott und seine Sache und so recht seine Kinder zu sein? Sollten wir emsiger beten? Fleißiger in die Kirche gehen? Wörtlicher an die Bibel glauben? Neue christliche Vereine gründen? Und in den alten eine emsigere Tätigkeit entfalten? Mangelt’s an den Pfarrern oder an den kirchlichen Behörden? O ja, da sind überall Anzeichen, daß wir Gott in der Tat nicht lieb genug haben, da wäre überall viel, viel mehr zu tun, als getan wird. Das ist wahr! Aber seht, das ist gerade nicht die Antwort, die wir hier bekommen. Ja, ich bin sicher, wenn wir Johannes fragen könnten, so würde er uns sagen, das sei nun gerade so eine falsche, hoffnungslose Meinung, daran liege es, wir müßten Gott lieber haben, müßten mehr tun für ihn. Nein, sagt er: Sehet, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget. Das haben wir eben vergessen, daß Gott uns so lieb hat! Und das macht uns stark, wenn wir uns das vor Augen halten, ganz fest und laut es uns vorsagen: Gott hat uns lieb! Vorher können wir ihn gar nicht lieb haben, und wenn wir uns noch so krampfhaft anstrengen würden. Wir |273 sollen Gottes Kinder heißen, er selbst heißt uns so, er hat uns zu lauter Adligen gemacht, uns erklärt, daß wir zu seinem Geschlecht gehören [vgl. Act. 17,28]. Und wir sind es, er selber hat uns dazu gemacht. Das sollen wir wissen. Vorher können wir lange studieren4 und probieren, wir können nichts für ihn tun. Seht, wenn wir Johannes recht verstehen wollen, müßten wir vielleicht einmal alles, was in uns ist, von Religion und Glauben auch, von uns werfen, müßten gleichsam ganz gottlos vor Gott hintreten, ganz leer, ganz ehrlich uns eingestehen: wir haben ihn nicht lieb, müßten es uns eingestehen auch am Sonntag: auch wir, die wir hieher kommen, wir haben Gott eigentlich nicht lieb, so wenig wie die Anderen, wir beweisen es ja durch unsere Gedanken und Worte. Und dann müßten wir es uns in diese unsere völlige Leerheit und bewußte Gottlosigkeit hinein vom Heiland sagen lassen, ganz frisch und unvermutet: Aber Gott hat euch lieb! jedes von euch, die, die hier sind, und die anderen zu Hause ganz gleich stark lieb! Er sieht herunter auf dieses Dorf, auf alle die Häuser und Fabriken, und er hat diese Gemeinde, dieses Volk lieb! O wenn wir das könnten, wenn wir nur einmal klar unterscheiden könnten zwischen dem, wie wir’s mit Gott halten, und dem, wie er’s mit uns hält, und merken: darauf kommt’s an. Wir werden immer wieder hoffnungslos sein, wenn wir meinen, wir könnten mit unserer Religion und Gläubigkeit auch nur das Geringste ausrichten, denn das sind immer Menschengemächte, und wenn sie noch so schön und tief wären, und alle Menschengemächte müssen zerbrechen. Wir werden aber stark und sicher und freudig werden, es wird eine große, gewisse Hoffnung bei uns einziehen, wenn wir einmal ganz nur auf Gott selber sehen und hören und uns gleichsam ganz unreligiös, ganz ungläubig daran halten: Gott ist mein Gott! Gott ist unser Gott! Gott ist getreu! [vgl. 1.Kor. 10,13]. So haben die Zöllner und Sünder an Gott glauben gelernt durch den Heiland. Es gibt keinen anderen Weg. Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeiget!
Ein zweiter verkehrter, hoffnungsloser Gedanke: Wir sind so allein, wenn wir an Gott glauben, so einsam oder so ein kleines Schärlein unter so vielen Anderen, die uns nicht verstehen. Die Welt kennt uns nicht! O ja, das ist ein Kummer, den wir sicher alle kennen. Rings um uns her Leute, die sich so sicher und selbstverständlich auf ihr Geld verlassen oder auf ihr Renommee oder auf ihr gutes Mundwerk, mit dem sie überall |274 durchkommen. Mitten unter ihnen ein paar Leutlein, die sich auf Gott verlassen! Ja, das drückt einen: man hat das Gefühl, auch wenn sie es einem nicht laut sagen: sind wir nicht Narren, die sich auf die Luft stützen wollen? Da kann man schon Kummer haben. Aber er ist auch ein falscher Kummer. Hört, was Johannes darüber sagt: darum kennt euch die Welt nicht, denn sie kennt ihn nicht! Man darf sich nicht wundern, wo nichts zu wundern ist. Die vielen düsteren, langweiligen, gottlosen Gesichter auf der Straße und in der Eisenbahn, das ganze oberflächliche Stürmen nach Verdienst und Vergnügen, die große Gleichgiltigkeit so vieler Menschen gegen Gott und göttliche Dinge, da ist nichts eigentlich Erstaunliches dabei. Das ist eben die Welt, und die Welt kennt Gott nicht, weil sie noch die alte Welt ist. Kennen wir das nicht alle gut genug aus unserem eigenen Leben? Wir haben ja alle samt und sonders in unserem eigenen Leben noch genug alte, gottlose Welt. Haben wir noch nie gottlos traurige und böse Gesichter gemacht, sind wir noch nie mitgerannt nach dem, wonach alle Welt begehrt, ist uns Gott noch nie gleichgiltig gewesen auch jetzt noch? Warum verwundern wir uns, wenn wir das auch an Anderen sehen? Das ist ganz begreiflich, daß diese alte Welt das Leben mit Gott nicht versteht! Das ist aber auch nur ein Beweis, daß wir auf dem rechten Wege sind. Das Reich Gottes muß im Weltreich drin etwas Verborgenes, ja eine Narrheit sein und die Ewigkeit in der Zeit drin und der Glaube am Zahltag und am Wirtstisch. Das ist nichts Erstaunliches. Wenn wir mit dem großen Haufen laufen, denken und reden könnten, das müßte uns Kummer machen, aber nicht, wenn wir uns allein fühlen. Übrigens sollten wir immer daran denken, daß die Welt vielleicht gar nicht mehr so stark und der große Haufen gar nicht mehr so groß ist, wie wir immer denken. Wir sollten uns immer vorsagen, wenn wir uns einsam fühlen: Derer, die mit dir sind, sind mehr denn derer, die wider dich sind! [vgl. 2.Kön. 6,16]. Wir merken’s nur nicht: Es läuft manches den allgemeinen Weltweg und ist nicht ferne vom Reiche Gottes [vgl. Mk. 12,34]. Wir brauchten bloß an uns selbst zu denken, um zu merken, wie wahr das ist. So ist auch das ein ganz unnützer Kummer.
Da kommt ein dritter. Wir tun die Augen auf und sehen die Menschen an, die da vor uns, neben uns, hinter uns auf den Kirchenbänken sitzen, sehen uns selber an schließlich, und da überfällt es uns: ach was ist doch das Menschengeschlecht insgesamt für eine schwache, gebrechliche, betrübte Gesellschaft. Wir denken an unsere Stuben zu Hause und was ihre |275 Wände schon alles gesehen haben von Tränen und Streit und Sünde, und da kommt es uns eben doch in den Sinn, das Traurige und Wüste sei riesengroß im Leben, halte uns fest wie mit Eisenklammern. Wir denken daran, wie wenig eigentlich gemacht werden kann auch von den eifrigsten Menschen gegen die Armut, gegen die Trunksucht, gegen die Tuberkulose, wie heutzutage tausende auch der ernstesten und überzeugtesten Christen mithelfen müssen im Krieg, jahraus jahrein. Und Christus, der uns ein neues Leben gebracht? Wir sehen ihn, aber nur wie von weitem und durch einen Vorhang. Er ist da, aber er ist ein ganz anderer mit seinem Gebet, seiner Kraft, seiner Liebe, seiner Göttlichkeit als wir mit unserer Schwachheit und Verworrenheit, auch wenn wir noch so fromm sind. Ja, die Gegenwart will und kann uns wohl hoffnungslos machen, dazu ist sie eben die Gegenwart.|
Meine Lieben, sagt uns Johannes, wir sind nun Gottes Kinder, und es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden. Das ist’s ja eben, daß der Glaube aus der Gegenwart in die Zukunft greift, aus dem Sichtbaren ins Unsichtbare, das ist’s ja eben, daß er ein so kühner, man könnte fast sagen verzweifelter Sprung in die Luft hinaus ist – was ihn scheinbar so schwer macht. Wunderliches, unbegreifliches Leben mit Gott! Da ist uns sein ganzer Himmel aufgegangen, sein göttliches Licht ist über uns gekommen, eine Freudigkeit und Freiheit hat in uns angefangen, die durch nichts mehr ausgerottet werden kann, ja die sich nach allen Seiten ergießen möchte. Und siehe da, auf allen Seiten Mauern und Stacheldrähte. Wir haben schon und suchen doch erst, der Sieg ist schon erfochten, und doch stehen wir noch tief in der Niederlage, es wächst schon die neue Welt, und doch ist überall noch harter, kalter Winterboden, das Licht scheint, aber noch dringt es erst wie durch Spalten und Ritzen in die Finsternis hinaus, Wahrheit und Herrlichkeit liegen vor uns, Täuschung und Narrheit um uns und in uns. Wie wird uns Johannes diesen Kummer zunichte machen? Er sagt uns eigentlich nur eins, das Einzige, was man da überhaupt sagen kann: hier ist Gott und Christus. Wir sind jetzt schon Gottes Kinder durch Christus, und es muß durch Alles hindurch der Herrlichkeit Christi entgegengehen mit uns zur Ehre Gottes. Das ist der Anfang und das Ziel. Das steht fest. Dazwischen liegt ein Weg; wir wissen nicht, ist er lang oder kurz. Er geht durch Sünde und Elend und Sterben hindurch, durch Hunger und Krieg und Revolution. Auf diesem Weg sind die Mauern und Stacheldrähte, ist alle unsere Not und alles das |276 Unrecht, von dem die Erde voll ist. Eins ist sicher: es ist nur ein Weg, und er führt durch Alles hindurch. Wir haben’s mit Gott zu tun, jetzt schon, morgen, übermorgen, Gott ist immer in der Gegenwart, um sie Stück um Stück abzubrechen, Gott schafft daran, diese Welt vergehen zu lassen und sein ewiges Reich zu bauen. Gott ist gegenwärtig, um das Zukünftige werden zu lassen. Ja, wie kann uns dann die Gegenwart Angst machen? Seht auf Gott und was er tut, dann jammert ihr nicht mehr: «es ist noch nicht erschienen», dann kannst du dich freuen: «es wird aber erscheinen». Im «noch nicht» haben wir immer die Menschenseite, im «es wird» die Gottesseite des Lebens. Wir können nur in unseren Gedanken und Gefühlen schwanken und zweifeln zwischen beiden; sehen wir auf Gott, dann wird’s klar, welche gilt. Daran muß sich auch diese Welle brechen, meint Johannes.
Meint er’s nur, meine Freunde? Oder ist’s nicht so? Ja, da bricht unsere Hoffnungslosigkeit. Gott hilft, wenn wir’s von ihm erwarten. Gott tritt ein, wenn wir ihm auftun. Gott vollendet, wenn wir mit ihm anfangen. Es geht vorwärts mit uns, wenn wir nicht uns selbst studieren und nicht die Welt betrachten, sondern ihm auf die Hände schauen wie Kinder auf die Hände ihres Vaters, der sein Handwerk gut versteht.