18. Juni 1916

Predigt: 1 Johannes 2,7-11(I)

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1.Johannes 2,7–11 (I)
Liebe Freunde!

Johannes ist bewegt von seiner Wahrheit. O, das ist viel zu schwach gesagt: er ist bewegt! Er lebt davon, er ist in ihr, sie trägt ihn. Sie ist der Boden geworden, auf dem er steht, und die Luft, in der er atmet. Sein Herz hat gewartet und gehofft und gesucht und schließlich gefunden, und nun freut es sich. Seine Seele war unruhig und träge, nun ist sie zum Frieden und Leben gekommen. Sein Gewissen war geplagt und wurde betroffen und erschüttert und ist nun zur Klarheit vorgedrungen. Er stand und irrte und stockte und werweißte1, nun ist er mit seinem inneren und äußeren Leben auf einem Weg, in einer Richtung. Er ist erfaßt, geführt, getrieben, gehoben. Er weiß woher und wohin. Er ist in einem Zusammenhang, er wirkt mit bei einem großen Werke, O, die Worte fehlen uns, um das richtig zu beschreiben, wie es ist, wenn ein Mensch von einer Wahrheit lebt, gar noch, wenn es die Wahrheit [ist], die größte, die einzige Wahrheit. Das ist, wie wenn ein Gewässer steigt und steigt, und der |226 trockene Sand am Ufer wird Schritt um Schritt von den Wellen überflutet, und die Schifflein, die alle auf dem Sande saßen, werden auf einmal bewegt, und die schlafenden Menschen, die drin sitzen, wachen auf und greifen zu den Rudern, und nun schwimmen sie schon, und nun geht’s vorwärts, vorwärts in die weite Welt hinaus. Das ist, wie wenn der elektrische Strom eingeschaltet wird, und die Lampen alle, die so tot und unnütz dahingen, werden hell, und die Motoren, die so seltsam und geheimnisvoll dastanden mit ihren Rädern und Stangen, kommen in Lauf. Das ist, wie wenn die Sonne durch die Regenwolken bricht, und die Leute, die in ihren Stuben und Kellern und Werkstätten gewartet und sich gelangweilt haben, merken etwas und laufen hinaus auf die Felder, und jeder weiß, was er zu tun hat. O wunderbares Leben in der Wahrheit! O wenn wir es mitleben könnten!

Was ist denn die Wahrheit? Johannes hat es uns vorhin gesagt: Die Finsternis vergehet, und das wahre Licht scheinet jetzt! Da merken wir schon, daß die Wahrheit ein Ereignis ist, ein Vorgang, und nicht etwa nur ein Lehrsatz, eine Meinung. Die Wahrheit steht nicht in einem Buch oder in einem Kopf, sondern sie ist eine lebendige Tat. Die Wahrheit ist nicht, sondern sie geschieht! Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheinet jetzt. Jetzt! – Es hat sich einmal, in einem bestimmten Zeitpunkt, etwas ereignet, das hat in das Leben des Johannes einen Einschnitt gemacht. Er weiß noch gut, wie es war vorher. Aber noch viel deutlicher ist es ihm, daß nachher Alles anders wurde für ihn. Es mußte viel Vergangenes wirklich vergehen. Es mußte manche alte Liebe wirklich erlöschen. Es mußte viel Sterbliches tatsächlich sterben. Dafür erlebte er es, nicht nur einmal, sondern immer wieder, wie das ist, wenn ein Anfang gemacht wird, wenn eine Schöpfung geschieht, wenn es zu Entdeckungen und Erfindungen kommt. Wie zum zweiten Mal geboren, darf er die Wanderung durchs Leben neu antreten, Alles, was er schon gesehen und erfahren und erlebt hatte, gleichsam wiederholen auf eine ganz neue Weise. Wie ein Kindlein mit sprachloser Aufmerksamkeit unter den Blumen und Käfern und Schnecken im Garten steht, darf er mit frischen, unverbrauchten, ungetrübten Augen die Welt von neuem kennen lernen, die Natur und sich selbst und die Menschen, die Arbeit und die Freude, die Sünde und das Gute, das Leben und den Tod, die Vergangenheit und die Zukunft. Wie ein Büblein oder Mägdlein anfängt zu lernen, zu gehorchen, lustig zu sein, ein Mensch zu werden, und Alles liegt noch vor ihm wie ein |227 fremdes, nie betretenes Land, so darf er von vorn ansetzen mit Lust und gutem Willen und froher Hoffnung. Seht, so ist’s mit der Wahrheit im Menschenleben. Sie ist nicht nur so einfach da. Sondern es ereignet sich etwas. Es kommt etwas über uns. Es wendet sich etwas. Es heißt einmal: jetzt!, und dann ist das «jetzt» anders als das ehemals. Wir dürfen es uns nicht bequemer machen wollen mit der Wahrheit, sonst verschließen wir uns gegen sie. Sie ist nicht ein Zustand, sondern eine Geschichte in unserem Leben. Sie scheidet das Alte vom Neuen, das Gestern vom Heute. Wir haben sie nicht im Weiterschlafen, sondern im Aufwachen. Wer von dieser Geschichte noch nichts weiß, nichts weiß von dem «jetzt», das eine Änderung gebracht hat, dem ist die Wahrheit wahrscheinlich noch fremd.

Aber Johannes meint nicht, daß «jetzt» nur in seinem persönlichen Leben etwas anders geworden sei. Er ist nicht so eitel und nimmt sich selbst nicht so wichtig, um nur etwa das als Evangelium auszurufen, daß er einen neuen Mut und eine neue Freudigkeit und eine neue Ehrlichkeit fürs Leben bekommen habe. Das Ereignis der Wahrheit ist viel größer und wichtiger als die Erleuchtung und Bekehrung und Heiligung einer Seele. Wenn er sagt: jetzt!, so denkt er an eine Veränderung und Umwandlung, die nicht nur in seinem Leben, sondern in der ganzen Welt geschehen ist. Was in seiner Seele geschehen ist, ist nur ein kleines Stücklein von etwas, was zwischen Himmel und Erde geschehen ist. Seit einem bestimmten Zeitpunkt ist auch für die Natur, für die Erde, für die Menschheit und ihre Geschichte, ja für das unsichtbare Reich der Geister etwas anders geworden. Vorher war Alles Zustand und Gewohnheit und Notwendigkeit, eins kam aus dem anderen, wie es mußte, und Alles blieb so, wie es war und sein mußte. Man sagte im Guten und im Bösen: das ist Gesetz! das ist die Natur! das ist die Welt! so war’s immer, so wird’s immer sein. Man hoffte im besten Fall auf eine gewisse Entwicklung, aber es wußte niemand recht zu sagen, wie sich denn aus dem Alten etwas wirklich Neues herausentwickeln könne. Die Gescheitesten und Frömmsten zuckten mit den Achseln und gaben den Rat, man müsse sich zufrieden geben und nicht zuviel erwarten. So war’s vorher. Da geschah ein Ereignis, das einen Einschnitt machte. Es gab einen neuen Anfang, nicht nur für Johannes, sondern für Alles, was ist. Die Menschen entsetzten sich, denn sie sahen und hörten etwas Gewaltiges. Die bösen und die guten Geister lauschten mit angehaltenem Atem, denn es geschah etwas, |228 das war unerhört in der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Die Natur bewegte sich, denn eine neue Schöpfung kündigte sich an. Die alten Götter und Götzen erschraken und erblaßten, denn sie merkten, daß ihre Zeit um war. Es wurde Frühling zwischen Himmel und Erde. Die Zeit war erfüllt [vgl. Mk. 1,15 par.], eine alte Zeit vollendet, eine neue eröffnet. Das ist das Ereignis der Wahrheit, das uns Johannes verkündigt. Wie sollte er selber nicht neu geboren sein, wo Alles neu geworden ist? Aber das ist das Große, das Entscheidende, was er uns zu sagen hat, daß jetzt Alles, Alles neu geworden ist [vgl. Apk. 21,5].

Die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheinet jetzt. Das Neue, das angefangen hat, ist etwas ganz Bestimmtes: Die Finsternis ist ins Weichen gekommen. Die Mächte, die den Menschen gemein, traurig und tot und das Leben zur Qual und zum Verbrechen und die Welt zur Hölle machen wollen, diese Mächte sind auf dem Rückzug. Erst auf dem Rückzug. Wem es Freude macht, mit dem Finger darauf zu zeigen, daß sie immer noch da sind, immer noch starke Gewalt haben, der kann es tun. Wer es immer noch für gescheit hält, die Achseln zu zucken und ein finsteres Gesicht zu machen und darauf zu pochen: das Alte ist noch in meinem Kopf und Herzen und in denen der anderen und in der ganzen Welt, der muß das alles eben tun und sagen. Johannes macht keinen Versuch, solche Leute zu überzeugen. Er redet wie die ganze Bibel zu den Menschen, die sehnsüchtig und wehmütig und hoffnungsvoll die Augen auftun, ob sich nicht irgendwo in der Finsternis, die wir gut genug kennen, eine Morgendämmerung zeige. Zu denen sagt er: jawohl, sie ist da, sie kommt, ich habe sie gesehen, die Finsternis vergeht. Und das wahre Licht scheinet jetzt. Die Klarheit für euer Leben und für das Weltgetriebe ist schon da, auch wenn ihr sie vielleicht noch nicht habt. Ihr seid nicht mehr gefangen, sondern frei, sobald ihr es sein wollt. Ihr seid nicht mehr verurteilt, sondern losgesprochen, wenn ihr nur auf die Stimme hören wollt, die euch das verkündigt. Die Geschöpfe müssen nicht mehr im Schatten der Sünde und des Todes sein, wenn sie sich nur nicht mehr selber im Licht stehen wollen. Die Mächte, die Erlösung, Freude, Seligkeit, Leben bringen, sind im Vordringen, wie die bösen, dumpfen Mächte im Weichen sind. Wieder können die Gescheiten den Finger aufheben und sagen: ich sehe das Licht nicht, das jetzt scheinen soll. Das sind die Satten und Behaglichen, die über die Finsternis ihres Lebens und unserer Welt noch nicht in Unruhe und Verzweiflung ge|229kommen sind. Johannes disputiert nicht mit ihnen, ob er recht habe oder sie, und ich kann es auch nicht tun, wenn ich euch erklären soll, wie er es gemeint hat und wie es in der ganzen Bibel gemeint ist. Er redet eben – und die ganze Bibel redet – zu den Mühseligen und Beladenen [vgl. Mt. 11,28], zu den Hungernden und Dürstenden [vgl. Mt. 5,6], zu denen, in deren Herzen etwas schreit und stürmt und klagt, daß es so nicht weiter geht. Denen sagt er, daß das wahre Licht, das Licht, das die Veränderung bringt, die wir brauchen, jetzt scheint. Und wenn es tausendmal wahr wäre, daß wir es noch nicht gesehen haben, daß wir seufzen und räsonieren müssen: das Alte, das Alte ist immer noch da, und das Neue will nicht kommen! – er hat das Licht gesehen und sagt uns, daß wir es auch sehen können. Das ist das ungeheure Ereignis, von dem er uns Botschaft bringt: es hat sich etwas verändert für euch, das Licht scheint jetzt! Das ist überhaupt der Inhalt der Bibel, das Gotteswort, das uns nähren, trösten, heilen, selig machen will: es hat sich etwas verändert, das Licht scheinet jetzt!

Dieses große Wahrheitsereignis ist aber nichts Anderes als die Erscheinung und das Leben Jesu. Es ist nicht nur in den Gedanken und in der Phantasie der Apostel etwas vorgegangen, sondern sie haben gesehen und gehört und beschaut und betastet [1.Joh. 1,1]. Sie haben nicht nur Einsichten gemacht und Entschlüsse gefaßt, sondern sie haben etwas erfahren, erlebt, mitgemacht. Das war die Zeit, wo sie mit Jesus von Nazareth waren, seine Worte vernahmen, seine Taten sahen, zitternden Herzens seinem Kampf und seinem Leiden folgten. Das war die Geschichte, mit der der große Einschnitt anfing im Leben dieser Menschen, aber auch für die ganze Welt. Da fing die Finsternis an zu vergehen, und da schien das wahre Licht. O seht, in Gedanken, in der Phantasie wird es uns ja oft ganz froh und frei zu Mute, daß es uns ist: nun wird’s aber hell und schön! daß wir die größten Hoffnungen und Erwartungen haben! daß wir für ein paar Augenblicke die Finsternis in uns und um uns ganz vergessen können. «Nun, armes Herz, vergiß der Qual, nun muß sich Alles, Alles wenden!»2 Wir wollen uns ehrlich gestehen, daß uns das nichts hilft, daß wir durch solche hellen und tapferen Augenblicke unseres Gemütslebens wohl erinnert werden an die Wahrheit, aber nicht in sie hineinkommen, |230 wie Johannes drin stand. Das ist Narkose, wie man sie bei Operationen anwendet. Wir sind vielleicht ganz froh darüber, wenn uns von Zeit zu Zeit durch schöne Musik oder durch einen gewaltigen Prediger oder durch ein gutes Buch oder durch eine freudige Abwechslung eine solche Narkose verschafft wird, daß wir träumen können, es habe etwas Neues angefangen und es werde nun Alles gut kommen3. Aber liebe Freunde, wir sind nicht da, um zu träumen, und das Erwachen aus einer solchen Narkose ist immer eine bittere Sache. Wir leiden geradezu darunter, daß das große Wahrheitsereignis: die Finsternis vergeht, und das wahre Licht scheint jetzt! immer nur in unseren Gedanken, in unseren frommen und idealen und tiefen Gedanken geschieht. Es ist mehr als eins unter uns, dem’s schon oft so zu Mute gewesen ist: nun wird’s hell, nun kann und will ich fröhlich meine Straße ziehen! [vgl. Act. 8,39], und dann kam’s eben doch wieder anders. Und wieviel ist bei uns und anderwärts schon gegründet und probiert und unternommen worden, wovon wir viel erwarteten, wobei wir an einen solchen neuen Anfang dachten, und dann war’s eben doch kein Anfang, sondern nur eine neue Fortsetzung des alten Wesens, und die Begeisterung und der Ernst und der Erfolg verschwanden wieder. Da liegt der Fehler immer daran, daß wir nur träumen von dem Wahrheitsereignis, daß wir es uns bloß so denken: nun sollte das Alte aufhören und ein Neues anfangen, nun sollte die Finsternis weichen und das wahre Licht scheinen.|

Bei Johannes und den anderen Aposteln war es eben nicht ein solch zweifelhaftes, machtloses Wesen wie bei uns, wenn sie es glaubten und sagten: jetzt, jetzt vergeht die Finsternis, und das wahre Licht scheint! Sie sagen das und haben es erfahren und erlebt, und sie sagen es zu uns, nicht damit wir davon träumen, sondern damit wir es auch erfahren und erleben sollen. Ihnen hat Jesus diesen unvergleichlichen Dienst geleistet, daß er sie das große Wahrheitserlebnis als eine Tatsache hat erleben lassen. Sie haben bei Jesus etwas gesehen, was wir noch nicht gesehen haben an ihm, nämlich die Macht Gottes, die ins Leben und in die Welt eingreift und sie bewegt. Wir kennen ja Jesus auch, aber er redet uns nur von Gott, er erinnert uns an ihn, er zeigt uns ihn. Aber wir sehen nicht den lebendigen, den schaffenden, wirkenden Gott, wir sehen die Gewalt Gottes nicht, vor die die Jünger Jesu gestellt waren, wenn ihr Meister |231 etwa mit ihnen betete: Dein Reich komme! Dein Wille geschehe auf Erden wie im Himmel [Mt. 6,10 par.]. Darum täuschen wir uns immer wieder und erwachen so verbittert aus unseren schönen Träumen. Darum kommen wir immer wieder so schnell zu der Meinung zurück: die Welt bleibt doch immer die Gleiche, und es hat sich nichts geändert, und es wird sich nichts ändern. Die Jünger Jesu haben’s gesehen: Gott will nicht, daß die Menschen traurig sind und einander traurig machen, Gott will von seiner Schöpfung wieder sagen können wie am Anfang: es war sehr gut! [vgl. Gen. 1,31]. Gott will helfen, erlösen, befreien, segnen! Gott will und tut das alles. Das haben sie bei Jesus gesehen, an dem, was er ihnen sagte, und an dem, was er vor ihren Augen tat, und an dem, wie er mit ihnen war. Sie konnten nicht ausweichen, sie mußten es annehmen: das war die Macht Gottes.|

Und nun wollen wir nicht vergessen, was wir an den Pfingsten gehört haben: sie haben das alles nicht nur gesehen bei Jesus, wie man eine schöne Landschaft oder ein merkwürdiges Schauspiel sieht, sondern was sie sahen, ging auf sie über. Gottes lebendige, schaffende Macht nahm ihre Herzen gefangen. Sie mußten Vertrauen fassen zu Jesus. Sie mußten ihm gehorsam werden. Sie mußten ihn lieb haben und durch ihn den, der ihn gesandt hatte. Sie durften nicht bloß dankbar staunen über das Weichen der Finsternis und über das Leuchten des Lichtes im Heiland, sie wurden gleich herangezogen, bei diesem Werke mitzuwirken. Sie mußten für sich persönlich in den Kampf ihres Meisters hineintreten und erlebten es, wie das Alte anfing zu vergehen und Alles neu wurde. Sie mußten ihm aber gleich auch helfen dabei, die Macht Gottes allem Volke kund zu tun. Sie wurden neue Menschen, und sie bekamen eine neue Aufgabe. Und sie waren bereit. Sie wollten neu werden und neue Wege gehen. Sie setzten dem heiligen Geist keinen Widerstand entgegen. Darum bekamen sie ihn. Das war ihre Erfahrung. Davon haben sie eben Erfahrung gemacht und nicht nur etwas geträumt und gedacht. O wenn wir uns vor Jesus, den wir ja so gut kennen, einmal so stellen wollten, daß wir die Macht Gottes sehen, die da eingegriffen hat, und so, daß er uns auch Macht Gottes geben könnte! Das große Wahrheitsereignis ist vor 2000 Jahren geschehen, es ist auch für uns geschehen. Aber solange es nicht auch in uns geschieht, ist es doch umsonst für uns.

Liebe Freunde, Gott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis [1.Joh. 1,5]. Gott hat uns lieb. Gott hat die Welt sich zur Ehre und uns zur |232 Freude geschaffen. Gott ist unser Vater, und wir sind seine Kinder und alle Brüder. Das wissen wir. Das steht uns allen ins Herz und Gewissen geschrieben, daß es so ist. Das haben wir gehört und gelernt, und das glauben wir. Aber das wissen wir noch nicht, daß die Finsternis vergeht und das wahre Licht jetzt scheint. Das wissen und glauben wir noch nicht, daß Gott am Werk ist, daß Alles, Alles, was er ist und hat, für uns und bei uns wahr werden will. Er erleuchte uns, daß unsere Unwissenheit und [unser] Unglaube einmal ein Ende nehmen durch eine kräftige Erfahrung, daß die Wahrheit auch bei uns geschehen kann.

Amen.
Lieder:
  • Nr. 30 «Herzlich lieb hab ich dich, o Herr» von M. Schalling (GERS [1952] 65; EG 397) 🎵
  • Nr. 237 «Wie schön leucht’t uns der Morgenstern» von Ph. Nicolai, keine Angabe über die Strophen (GERS [1952] 255 «Wie schön leuchtet der Morgenstern»; EG 70) 🎵

Sachfußnoten

1
Werweißen = hin- und herberaten, herumrätseln (abgeleitet von «wer weiß?»).↩
2
Schlußzeilen des Gedichtes «Frühlingsglaube» («Die linden Lüfte sind erwacht») von L. Uhland, Werke, Bd. I, hrsg. von W. Scheffler, München 1980, S. 31 📖.↩
3
Mskr.: «gekommen»; Korrektur vom Hrsg.↩