Predigt: 1 Johannes 1,8-10 (Himmelfahrt)
Hier wird uns die Sünde zu einer ernsten u. wichtigen Sache gemacht. Und das ist sie. Sünde ist ja das Wandeln in der Finsternis, das gänzlich Unmögliche. Nicht bloß einzelne auffallende Worte u. Handlungen: die Tatsache unsres Lebens ohne Gott. Nicht an Trinker, Zänker, Steuerbe|203trüger denken, noch weniger an Mörder und Schelme. Ehrlicher Mann – dein Besitz! Fleißiger Mann – dein gutes Geschäft! Braver Mann – deine Gerechtigkeit! Tüchtige Frau – deine Familie! armes Menschenkind – dein Leid! Fromme Seele – dein Chr[isten]t[um]! Ists nicht so: in dem Allem besteht unsre Finsternis?! Es kommt beständig an den Tag, daß wir außer u. ohne Gott sind, u. darunter leiden wir. Das ist ernst u. wichtig.
Und doch ist gerade hier die Sünde nicht die Hauptsache. Gott ist treu u. gerecht. Die Sünde bleibt, solange sie uns wichtiger ist als Gott. Gott ist beständig, u. Gott schafft Ordnung. Alle gute Gabe … [vgl.
Wo liegt das Hindernis? Warum sind uns Gott u. unsere Finsternis immer getrennte Welten? Wir sind nicht aufrichtig. Wir wollen uns selbst gerecht sprechen. Wir haben wohl Sehnsucht u. guten Willen aber sie gehen nicht in der rechten Richtung. Wir haben keine Sünde: ich habs nicht getan, es ist nicht so gefährlich, ich bin nicht verantwortlich, andre tuns auch! Was heißt das: wir machen uns selbst u. Gott zum Lügner. Folge: sein W[ort] u. W[ahrheit] [
Der Weg: bekennen, leise od. laut d.h. uns innerlich von der Sünde lossagen. Denkt es braucht nicht mehr als das! Dann hat uns Gott. Damit fangen seine fruchtbaren Beziehungen zu uns an, in einer Gesellschaft von solchen Menschen kann Gott etwas Neues schaffen. Da hilft er schon jetzt den Einzelnen von Vielem frei zu werden. Das ist das Allerwichtigste u. Ernsteste, daß diese Beziehung zu Stande kommt.
- Nr. 12 «Womit soll ich dich wohl loben» von
L. A. Gotter , Strophen 1-3 (GERS [1952] 55,1-3) - Nr. 218 «Wie mächtig spricht in meiner Seele» von
J. Chr. Krüger (1722–1750), Strophen 1-3