Predigt: Lukas 15,3-7 (Bettag II)
Warum, liebe Freunde, ist im Himmel mehr Freude über einen Sünder, der Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen? Ach darum, weil die 99 Gerechten, die keiner Buße bedürfen, nur vor sich selbst und vor den Menschen gerecht sind, während der eine Sünder, der Buße tut, vor Gott und in Wirklichkeit ein Gerechter ist. Im Himmel sieht man eben und freut sich über das, was vor Gott gilt und wahr ist. Die Engel im Himmel freuen sich über das, worüber Gott sich freut mit grenzenloser Vaterfreude. Die Engel im Himmel freuen sich über das, was Gott brauchen kann, was nach seinem Sinn ist und seinem |390 Werke dient. Und jetzt wollen wir uns heute, am Bettag, noch einmal fragen, ob wir zu denen gehören wollen, an denen Gott Freude hat und die er brauchen kann.
Sieh, so ein «Sünder, der Buße tut» ist zuerst und zunächst ein ganz gewöhnlicher Mensch, wie alle Anderen auch sind, ohne irgendwelche besondere Eigenschaften. Du mußt nicht denken, weil er ein «Sünder» genannt wird, müsse er nun extra viel und schwere Posten auf dem Gewissen haben, müsse etwa ein besonderer Trinker oder Geizhals oder Betrüger oder Gewaltsmensch sein oder gewesen sein.1 Nein, ein Sünder ist eben ein ganz gewöhnlicher Mensch. Er lebt in allem Frieden dahin in
Ein ganz gewöhnlicher Mensch, ich sag’s noch einmal. Ein Sünder? Ja, wo ist denn da etwas von Sünde zu sehen? Es kann ihm doch niemand etwas vorhalten. «Ich weiß wirklich nicht, was ich mir vorwerfen könnte, Herr Pfarrer!» Wenn ich kein Gerechter bin, wer ist’s dann? Wenn ich nicht so gerecht bin, als ich kann, was soll dann noch geschehen? Ja wirklich, du hast Recht! Du bist wirklich kein Sünder, sondern ein Gerechter. Siehst du sie, die 99 Gerechten, die der Buße nicht bedürfen? Nun fehlte ja wirklich nur noch eins, nämlich daß die lieben Engel im Himmel ein Freudenkonzert anstimmten über deine vollkommene Gerechtigkeit, um es Gott dem Vater anzuzeigen: siehe da, Einer, mit dem du zufrieden sein kannst.
Aber siehe da, gerade das geschieht nun eben nicht. Die Geigen und Harfen und Pauken der Engelein bleiben ganz stumm, und so viel ihrer sind, kein einziges mag auch nur hinsehen, wie der da unten so sicher und getrost seinen Weg geht mit seinen 98 gerechten Gefährten. Denn auch der liebe Gott selber, der doch die Gerechtigkeit ist, mag gar nicht hinsehen auf den, der auch ein ganz gewöhnlicher Mensch ist und nichts besonders Schlimmes auf dem Kerbholz hat. Gott wartet nur ganz traurig, wie lange das wohl noch gehen wolle mit dieser Gerechtigkeit da drunten. Und solange der liebe Gott traurig ist und wartet, können auch die Engelein nicht lachen und spielen, und der ganze Himmel bleibt stumm und dunkel und wartet. Wartet auf Dich, wartet auf die 99 gerechten Schweizer, die heute Dank-, Buß- und Bettag feiern und doch der Buße nicht bedürfen, weil die Schweizer ja wirklich zu 99 % ganz brave, rechtschaffene Leute und keine Sünder sind.
Aber nun ist etwas Merkwürdiges geschehen. Der Gerechte da unten, der ein Gerechter war in seinem Urteil und im Urteil aller rechten Leute — er will kein Gerechter mehr sein — er kann nicht mehr. Verleidet ist ihm sein Trost, daß jedermann seine Fehler habe, verleidet ist ihm seine Beruhigung, daß ihm niemand etwas vorhalten könne, zum Ekel geworden ist ihm seine Gerechtigkeit, und seine Sicherheit ist hin. Er muß sich selber von einer ganz anderen Seite ansehen und das Leben überhaupt. Ja, was ist denn mit ihm geschehen? was hat er entdeckt? Er ist noch |392 ganz der gleiche gewöhnliche Mensch, er ist noch immer und in Allem, wie die 98 anderen auch sind, er hat durchaus keinen neuen, besonderen Anlaß, Buße zu tun. Er weiß vielleicht nicht einmal, daß das, was in ihm sich zu regen beginnt, in der Bibel «Buße» heißt; er braucht es auch gar nicht zu wissen. Er kann nicht lange nachdenken darüber, er kann noch weniger schöne, große Worte machen davon, die Sache ist zu wichtig und heilig und dringend. Eine Beunruhigung ganz aus der Tiefe ist über ihn gekommen. Er muß immer und immer wieder denken — an was? an seine Irrtümer und Vergehungen und Holzwege groß und klein, die er ja wohl kennt? — ja, an die auch, aber das ist nicht die Hauptsache: an sein ganzes Leben muß er denken, und was das denn nun eigentlich war bis dahin und was das für einen Sinn hatte. Und da wird ihm nun vor Allem eines ganz klar: dieses Leben hatte keinen Sinn. Ja warum denn nicht? Brachte er nicht alle seine Tage und Jahre in Ehren und Ansehen zu? Noch einmal schnellt der alte Trost empor und will trösten, trösten: Man kann mir ja nichts vorhalten, ich bin ja ein ganz gewöhnlicher Mensch! Aber eben damit kommt er nun nicht mehr weiter: Ja warum bin ich denn ein ganz gewöhnlicher Mensch? — das ist’s ja gerade, was keinen Sinn hat, so ein ganz gewöhnlicher Mensch zu sein, wie alle anderen im Dorf und in
Das ist’s ja gerade, das Gewöhnliche, das, was Alle tun und in dem Alle drin sind, was in der Bibel — Sünde heißt. Und die Sünde, ob er’s nun so nennt oder nicht, die Sünde eben des Gewöhnlichen, die ist’s, die ihn nun auf einmal brennt, während sie ihn früher ganz kalt gelassen hat. Denn was ist denn das Gewöhnliche, in dem er mit den 98 anderen so sicher und gerecht lebte? Ist denn das Gewöhnliche etwa Aufrichtigkeit, Reinheit, Freude? Ist das Gewöhnliche etwas Starkes, Großes, Schönes, etwas, das wirkt und leuchtet? Was richtet das Gewöhnliche aus unter den Leuten und in der Welt? schafft es etwa Gerechtigkeit und Frieden, macht es die Menschen gut und selig? Oder ist’s nicht gerade umgekehrt? Ist’s nicht gerade das Gewöhnliche, die allgemeine, sichere Art, der man nichts Besonderes vorwerfen kann, ist’s nicht das gerade, was dich bis jetzt zu einem so unklaren und im tiefsten Grund unglücklichen Wesen gemacht hat? Woher kommt denn die Sorge, die dein Leben vor der Zeit trüb und düster macht und von der dich keine Mahnung und Ermunterung wohlmeinender Leute frei machen kann? Das ist eben das Gewöhnliche! Woher kommt die Jagd nach dem Geld, |393 bei der du auch mitjagst, bald als einer, der gewinnt, bald als einer, der verliert, aber immer als ein im Grunde tief unruhiges, verstörtes Geschöpf? Das ist das Gewöhnliche! Woher kommt der Eifer, um jeden Preis Recht zu haben und Recht zu behalten und nichts auf sich sitzen zu lassen? Das ist das Gewöhnliche, es machen’s Alle so. Woher kommt die Gier nach immer neuen Zerstreuungen und Abwechslungen, die ja wahrhaftig so aussieht, als wüßtest du im Grunde nicht, was Freude heißt, und müßtest ihr darum so eifrig nachspringen! Das ist das Gewöhnliche, nicht wahr, das von Allen in aller Ehre und in aller Gerechtigkeit geübt und anerkannt wird. Das Gewöhnliche ist es, daß die Menschen einander übervorteilen und ausnützen. Das Gewöhnliche ist es, daß immer Einer in den Anderen seine Sklaven und Helfershelfer haben will, oder dann seine Feinde. Das Gewöhnliche ist es, daß wir alle in einem Hexenkessel von Mißtrauen, Angst, Eifersucht und Groll leben, das Gewöhnliche, in dem alle braven Leute drin sind und wo man sich in der Tat nichts vorzuhalten braucht. Das Gewöhnliche war es, das die Menschheit auseinandergerissen hat in Reiche und Arme, Kapitalisten und Proletarier, denn das Gewöhnliche in den Menschen ist eben die Selbstsucht, die dem Starken zuflüstert: Mach, was du kannst!
Das Gewöhnliche hat den Krieg verursacht: keine Schurken, keine Mörder, keine Verbrecher und Untäter. Lauter tüchtige, arbeitsame, christliche Völker sind es, die sich jetzt bis aufs Messer bekämpfen, mindestens ebenso tüchtig und christlich wie wir Schweizer, und sie tun es alle im vollen Bewußtsein ihrer Gerechtigkeit. Und sehr feine, gebildete, wohlmeinende Herren sind auch die Regierenden alle, die vor einem Jahr einander den Krieg erklärt haben, mindestens so fein und wohlmeinend als du und ich, wenn wir Fürsten und Minister wären; und auch sie sagen: unsere Sache ist gerecht, und glauben in allem Ernst daran, und sie ist auch wirklich gerecht, so gerecht, als eben das Gewöhnliche in den Menschen: die Selbstsucht und der Hochmut und die Rücksichtslosigkeit nur immer sein können, nur daß leider diesmal aus lauter Gerechtigkeit der entsetzlichste Krieg entstand. Der Krieg ist nichts Außerordentliches, 99 % der Menschen haben einfach nicht das Recht dazu, den Krieg einen Wahnsinn und ein Verbrechen zu heißen. Der Krieg ist nur die Folge des Gewöhnlichen, die Folge der Gerechtigkeit der 99. Sieh, sagt uns der Krieg: so wirkt das Gewöhnliche!
394 Und nun hast du also etwas gemerkt, ob durch den Krieg oder sonst: hast gemerkt: das Gewöhnliche ist die Sünde, das ganze Leben und Wesen, in dem wir Menschen drin stecken, das ganze Netz mit all seinen verworrenen Fäden und Knoten und Knäueln, das man das Dasein heißt, gerade das, was wir alle tun und tun müssen und tun wollen, der ganze Schraubstock, in den wir eingeschraubt sind — dieses Ganze ist Sünde — was heißt Sünde? —, ist Jammer, Herzeleid, Streit, Unruhe, Unbefriedigung, ist böse, ist Tod, während wir noch leben!
Und weiter hast du gemerkt und bist zu Tod erschrocken, als du es merktest: ich bin eben auch so ein gewöhnlicher, ganz gewöhnlicher Mensch, tief, tief verstrickt und gebunden in die Art, wie alle sind. Ich denke auch so, wie sie alle denken. Ich rede auf die gleiche oberflächliche Weise. Ich helfe auch mit, alle Tage, daß immer wieder das Gewöhnliche seine gewöhnlichen Folgen hat, daß immer wieder die Welt die Welt bleibt. Ich trage durch mein ganzes Tun und Benehmen, ja durch mein ganzes Dasein auch immer wieder Gewichte herbei, die Alles nach unten ziehen, die Alles im Alten halten. Was hilft es mir, ob ich ein bißchen bräver oder ein bißchen schlimmer bin, ob man mir ein bißchen mehr oder ein bißchen weniger vorhalten kann — das alles ist ja furchtbar gleichgiltig, es macht ja gar nichts, daß ich einmal gestohlen oder gelogen oder betrogen habe, aber das macht etwas, daß ich auch ein solcher Mensch bin, wie die Menschen eben sind, so kleinmütig, so kurzsichtig, so unruhig, so besessen und beherrscht von allen möglichen Geistern, die keine guten Geister sind, und daß ich fortwährend helfe, die Welt und das Leben so zu machen, wie sie eben sind.
Ja, das hast du gemerkt, und nun kommt es dir so lächerlich vor, wenn du an frühere Augenblicke deines Lebens zurückdenkst, wo du meintest, auf stolzer Höhe zu stehen, wo es dir vorkam, nun habest du aber etwas Gewaltiges geleistet, nun habest du aber Recht gehabt, nun habest du aber vielleicht Anderen gründlich und mit Recht die Wahrheit gesagt. Du denkst daran zurück, und es kommt dir vor: das war ja alles ein Schwindel! Warum fühlte ich mich da nur so flott und froh? Merkte ich denn gar nicht, in was für einem Sumpfe von Torheit und Einbildung ich da steckte? Merkte ich denn gar nicht, wie ich Unrecht hatte mitten in meinem Rechthaben, wie ich dem Teufel diente mit meiner ganzen Sicherheit und meinem vermeintlich ruhigen Gewissen?
Und weiter mußt du auf einmal zurückdenken — an alle die, die ir|395gend einmal gegen dich waren, sei es, daß sie dich tadelten oder kritisierten in guter oder böser Meinung, sei es, daß sie sich durch die Tat deinem Willen entgegensetzten, sei es, daß sie dir willentlich oder unwillentlich etwas zuleide taten. Du hast sie nicht in guter Erinnerung, nicht wahr, diese Menschen. Und doch mußt du jetzt auf einmal ganz anders an sie zurückdenken als vorher. Sie hatten ja vielleicht Unrecht zum großen Teil — wir wollen jetzt annehmen, sie alle —, und doch kommt es dir jetzt vor: mir gegenüber hatten sie eigentlich alle Recht, seien sie gewesen, wer und wie sie wollten. Sie hatten Recht, wenn sie mit mir unzufrieden waren, sie hatten Recht, wenn sie sich von mir nicht Alles gefallen ließen, sie hatten Recht, wenn sie es mich merken ließen, was für eine unvollkommene, ja verkehrte Sache das gewöhnliche Leben ist — und jedenfalls hatte ich Unrecht, daß ich, statt ihnen wenigstens innerlich Recht zu geben, mich von ihnen wecken zu lassen, selber Recht behalten und der Gleiche bleiben wollte, der ich war. Ich hätte ja nach Allem, was mir passiert ist in der Geldwelt, in der Selbstsuchtswelt, in der Anständigeleutewelt, längst, längst etwas merken müssen von dem großen Schwindel des Gewöhnlichen, in dem ich ja selbst befangen war, aber ich wollte nichts merken, aber ich wollte wieder Recht haben in einem Betrieb drin, in dem man gar nicht Recht haben kann, und ich behielt da auch Recht und hatte wieder Unrecht mitten im Rechthaben.
Ja, so wühlt und bohrt und schafft es jetzt in dir, so wird dir deine Vergangenheit lebendig in einer Weise, wie du’s nie geahnt hättest, so mußt du auf einmal dein Leben mit anderen Augen ansehen. Was hast du entdeckt? Du hast entdeckt, daß du ein Sünder bist, weil du gemerkt hast, was eigentlich die Sünde ist. Du hast entdeckt, daß du nicht mehr so sicher und sorglos deines Weges ziehen kannst, obwohl du ganz ein braver, anständiger Mensch bist, weil du etwas entdeckt hast von der ungeheuren Last des Bösen und des Jammers, die auf der Welt liegt, auf den Guten wie auf den Bösen, auf den Gerechten wie auf den Ungerechten. Du hast entdeckt, daß du das Böse nicht mehr von dir abschieben kannst, weder auf die Zuchthäusler in
Und jetzt fängt eben etwas Neues an. Jetzt will der Gerechte kein Gerechter mehr sein. Fort ist die Beruhigung und der Trost seines braven, untadeligen Wesens. Fort ist die Lust, auf die Anderen herunterzusehen, überhaupt die Lust, Unterschiede zu machen zwischen sich und den Anderen. Fort ist die Sicherheit, fort aber auch jener Punkt von früher, wo die Gedanken aufhörten zu denken, wo er einfach meinte und abschloß mit der Meinung: es stimmt ja Alles! Nein, nein, nein, es stimmt eben nicht Alles! Das Leben ist zu einer großen Frage geworden. Er möchte jetzt gerade das nicht mehr sein, was er war: ein Gerechter, weil er jetzt weiß, was das ist. O nur nicht mehr ein gewöhnlicher Mensch sein müssen! O hinaus aus diesem Schraubstock, aus diesem Netz! Nicht mehr dieses Leben im Kleinen, Engen, Knorzigen, Selbstsüchtigen! Nicht mehr diese Welt der Gier, des Hasses, des Krieges! Nicht mehr dieses Dasein im Dunkel und im Todesschatten! Ein anderes Leben, eine andere Welt, ein anderes Dasein! Erlösung nach der Gefangenschaft, Freiheit nach der Sklaverei, Seligkeit nach dem Höllenleben. Als armer Sünder, aber wirklich als armer Sünder und nur als das die Arme ausbreiten nach einem Neuen für mich und für alle Welt, nach einem neuen Ganzen, nach dem Sieg der wirklichen, ernsthaften, wahren Gerechtigkeit — nach Gott!
Ja, nach Gott! Jetzt, jetzt zum ersten Mal bin ich zu Gott gekommen. Was ich von Gott wußte und glaubte, bevor ich ein Sünder wurde, das war nichts, es war Schein und Täuschung durch und durch. Ich wußte nicht, was das bedeutet: Gottes Liebe, Gottes Vergebung, Gottes Frieden, Gottes Seligkeit, Gottes Reich und Herrschaft, bevor ich ein Sünder wurde, ich hörte wohl die Worte, aber verstand die Sache nicht. Mein Gott war ein kleiner, unbedeutender, ferner Gott, ein Gott, der mir nichts half, solange ich kein Sünder sein wollte. Ich kannte Gott nicht, ich wagte es nicht mit ihm, ich glaubte nicht an ihn, ich konnte weder für mich noch für andere beten, solange ich ein Gerechter war und nicht ein Sünder. Nun ich ein Sünder geworden bin, fange ich an, Gott zu verstehen und zu ergreifen, nun bekommen alle diese großen |397 Worte von ihm einen Sinn für mich, ich fange an, etwas von ihm zu erfahren und was er eigentlich will, ich stehe wie am frühen Morgen eines wunderbaren Tages. O, was wird er mir Alles bringen! Wie muß es nun hell und schön werden. Zuerst im Tiefsten meiner Seele: ein anderes Wesen zieht da ein: die Gerechtigkeit Gottes mit all ihrer Macht, mich frei zu machen! Dann wird’s hell in den Gedanken, im Gemüt und Gewissen: etwas Fröhliches, Klares, Bestimmtes zieht da ein, jetzt bekommt eben das Leben einen Sinn, und der Sinn heißt: Sieg, Überwindung, Aufstieg, Durchbruch für mich und alle Kreatur; dorthin geht der Weg. Und Licht und Kraft kommt nun auch ins tägliche Leben: noch bin ich mit vielen Fesseln gebunden, noch weiß ich’s Tag für Tag wieder: ich bin ein Sünder, bin’s immer noch, stecke immer noch tief, tief im Gewöhnlichen drin, werde es wohl zeitlebens bleiben — aber die Fesseln wollen abfallen. Es kann bei der Sünde nicht bleiben. Ich sehe darüber hinaus. Ich habe es noch nicht ergriffen, ich bin noch nicht vollkommen, ich jage ihm aber nach [vgl.
Sieh, das bedeutet die Wendung vom Gerechten zum Sünder. Es ist die Wendung, die Bekehrung von den Götzen weg zum lebendigen Gott hin [vgl.
Ja, da freut sich die ganze himmlische Welt, und was ist alle Freude auf Erden gegen die Freude, mit der Gott sich freut? — freut sich über das eine Kleine, über einen Menschen, der als Sünder Buße tut. Denn mit solchen Menschen kann der Vater sein Reich bauen auf Erden, wie er verheißen hat. Sie sind der lebendige Same, der Frucht tragen muß, sechzigfältig und hundertfältig [vgl.
Warum sollst du nicht der eine sein? Sieh, ich muß wieder schließen wie heute morgen: Du bist der Mann, die Frau, dich geht’s an! Warum sollst du’s nicht sein? Warum willst du’s nicht sein? Wag’s doch einmal und tu den Schritt, den inwendigen Schritt, den du längst tun solltest! Geniere dich nicht! Laß dir helfen, heraus aus dem Gewöhnlichen, aus der Gerechtigkeit, die doch keine ist, dahin, wo Gott sich an dir freuen könnte und du dich an ihm. Laß dir helfen! Und hilf deinen Brüdern! Der Vater ist dir schon lange nachgegangen. Er freut sich grenzenlos gerade auf dich.
- Nr. 33: «Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig» von
J. Neander , Strophen 1-3 (= Reichs-Lieder 513,1-3) - Nr. 214: «Aus tiefer Not schrei ich zu dir» von
M. Luther , Strophen 1-3 (= GERS [1952] 37,1-3; EG 299,1-3)