1924

Vorwort zu «Das Wort Gottes und die Theologie»

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ANHANG
VORWORT ZU «DAS WORT GOTTES
UND DIE THEOLOGIE»

1924

In einem Brief vom 31. Januar 1924 wandte sich der Inhaber und Leiter des Christian Kaiser Verlages, Albert Lempp, an Barth: «Sie wissen doch wohl, daß von ‹Zwischen den Zeiten› Heft 1, 2, 4, 5 vergriffen ist, also alle Hefte bis auf Heft 3.1 Nun ist die Nachfrage nach den früheren Heften noch ziemlich lebhaft[,] und da habe ich kürzlich mit [Georg] Merz [als Schriftleiter von ZZ] besprochen, ob es nicht gut wäre, wenn wir den hauptsächlichsten Inhalt der vergriffenen Hefte in einem Sonderband herausbringen.» Dabei «käme es vor allem auf Ihre Aufsätze an[,] und da dachten wir, ob wir nicht den Pfortenser Vortrag2, sowie den Wiesbadener3, Emdener4, den Elgersburger5 und womöglich den Aarauer von 19206 in ein Heft zusammenbringen können. Es ist nämlich auch das Heft ‹Biblische Fragen, Einsichte[n] und Ausblicke› vergriffen und ‹Der Christ in der Gesellschaft›7 neigt sich sehr stark seinem Ende zu. So wäre ich der Meinung, daß auch diese Aufsätze noch hineinkommen müßten … Wären Sie mit einem solchen Heft einverstanden und könnten Sie dazu vielleicht ein kleines Vorwort schreiben.»8

684 Barth sagte offenbar kurz darauf zu.9 Über die von Lempp genannten Vorträge hinaus fanden noch zwei weitere aus der Zeit des Safenwiler Pfarramtes Aufnahme in den Band.10 Er erschien Ende Juni 192411 unter dem Titel «Das Wort Gottes und die Theologie»12 und trug die Widmung13: «Meiner Mutter», Anna Katharina Barth, geb. Sartorius (1863–1938) war seit 1912 verwitwet und wohnte in Basel, später in Bern.

Es erschienen mehrere Auflagen des Bandes14 und darüber hinaus Übersetzungen in englischer15, französischer16 und japanischer Sprache17.

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Vorwort zu
Das Wort Gottes und die Theologie

Der Wunsch nach einer gemeinsamen Neuauflage dieser Vorträge war, wie es in solchen Fällen wohl die Regel ist, zunächst der meines Herrn Verlegers, dem ich mich aber gerne angeschlossen habe, teils weil es mir recht ist, gewisse schon gesagte Dinge in aller Form nochmals zu sagen, teils weil es mich beruhigt, allerlei an verschiedenen Orten und nacheinander Gesagtes nun an einem Ort und nebeneinander gesagt vorhanden zu wissen.

Zwischen dem ersten und dem letzten dieser Vorträge18 liegt ein Weg, in dessen Verlauf der Wanderer zwar derselbe bleibt, die Landschaft aber eine andre wird. Das gilt nicht nur vom Äußern (man wird es mir zugute halten, daß ich mir als schweizerischer Landpfarrer eine etwas andere Sprache leistete denn als reformierter Professor in Göttingen), nicht nur von den Begriffen (ich würde die Stimme des Predigers in der Wüste [Jes. 40,3] heute natürlich nicht mehr, wie hier gleich S. 5 geschieht, als «Stimme des Gewissens» bezeichnen!!), sondern auch von der Sache: Vieles stand mir einst im Vordergrund, was dann zurücktreten mußte, und umgekehrt. Es fehlt aber auch nicht an ganz bewußten Überholungen und Überschneidungen, die ich mir selbst im Laufe der Jahre zuteil werden lassen mußte, ohne daß ich darum heute Anlaß hätte, mein Früheres zu verleugnen, weil es auch in seiner Einseitigkeit doch noch heute das Meinige ist. Verständige Leser werden sich diese Sachlage vor Augen halten und das Ganze – als Ganzes lesen.

Noch möchte ich bemerken, daß die Themata dieser Vorträge fast durchweg von den Veranstaltern der betr. Konferenzen usf. gestellt und zum Teil auch formuliert wurden. Wenn ich die Sammlung trotzdem ein Ganzes nennen darf, so muß dieses also auf einer inneren Linie gesucht werden.

Göttingen, Februar 1924

Sachfußnoten

1
ZZ, [Jg. 1] 1923, Heft 1–4; [Jg. 2] 1924, Heft 5 [= Heft 1 des Jg.].↩
2
Not und Verheißung der christlichen Verkündigung (1922), in diesem Band S. 65ff.↩
3
Das Problem der Ethik in der Gegenwart (1922), in diesem Band S. 98ff.↩
4
Reformierte Lehre, ihr Wesen und ihre Aufgabe (1923), in diesem Band S. 202ff.↩
5
Das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie (1922), in diesem Band S. 144ff.↩
6
Biblische Fragen, Einsichten und Ausblicke. Vortrag, gehalten an der [24.] Aarauer Studentenkonferenz, München 1920 📖; W. G. Th., S. 70ff. 📖↩
7
Der Christ in der Gesellschaft. Eine Tambacher Rede (Der Bücher vom Kreuzweg erste Folge), mit einem Geleitwort von H. Ehrenberg, zunächst erschienen Würzburg 1920 im Patmos-Verlag, dann München 1920 nach der Übernahme in das Programm des Christian Kaiser Verlages 📖; W. G. Th., S. 33ff. 📖↩
8
Original im Karl Barth-Archiv, Basel. – Das erbetene Vorwort erschien dann auf S. 3.↩
9
Bereits am 9.4. mahnte A. Lempp ihn im Auftrag der Buchdruckerei «aufs dringendste, daß die Korrekturen so bald wie irgend möglich [von Barth] eingeschickt werden» (Original der Postkarte im Karl Barth-Archiv, Basel). – In einer «Verlagsvereinbarung» (Original im Karl Barth-Archiv, Basel) vom 12.6. zwischen Barth und dem Verlag wurden die rechtlichen und finanziellen Fragen im Zusammenhang mit der Publikation geregelt.↩
10
Die Gerechtigkeit Gottes (1916), erstmals publiziert in: Neue Wege. Blätter für religiöse Arbeit, Jg. 10 (1916), S. 143–154 📖; W. G. Th., S. 5 ff. 📖 – Die neue Welt in der Bibel (1916), erstmals publiziert in: K. Barth / E. Thurneysen, Suchet Gott, so werdet ihr leben!, Bern 1917, S. 154–174 (in der 2. Auflage, München 1928, nicht enthalten) 📖; W. G. Th., S. 18ff.↩
11
Vgl. einen Brief Rades an Barth vom 1.7. (Bw. R., S. 201 📖): «Dein schönes neues Buch mit den alten Bekannten habe ich nun auch bekommen.» Weiterhin ein Schreiben von der Direktion der Universitäts-Bibliothek Göttingen an Barth vom 27.6. (Original im Karl Barth-Archiv, Basel), wonach der Band dort «zur Ansicht» vorliege und Barth gebeten wird, «der Bibliothek ein Exemplar als Geschenk zu überlassen».↩
12
Lempp schrieb im o.a. Brief vom 31.1. betreffend des Titels: «… vielleicht können Sie uns einen nennen. Merz hat, soviel ich mich entsinne, einen Vorschlag gelegentlich gemacht, der ungefähr ‹Der lebendige Gott und die heutige Theologie› heißt.» Der Name von Merz und sein Titelvorschlag sind von Barth rot unterstrichen und am Rand mit einem Ausrufezeichen versehen.↩
13
W. G. Th., S. III. 📖 Ein Mitarbeiter des Christian Kaiser Verlages hatte – offenbar auf einen kurz zuvor von Barth geäußerten Wunsch hin – am 23.4. auf einer Postkarte (Original im Karl Barth-Archiv, Basel) mitgeteilt: «Die gewünschte Dedikation wird auf einem freien Blatt hinter dem Titel angebracht.»↩
14
4.-6.Tsd. München 1925; 7.-8. Tsd. München 1929: weiterhin ein Nachdruck Zollikon o. J. (vermutlich zwischen 1936 und 1940).↩
15
The Word of God and the Word of Man, transl. by D. Horton, London 1928; [Boston/Chicago 1928]; Grand Rapids/Mich. 1935; New York 1957; Glouchester 1978. 📖↩
16
Parole de Dieu et parole humaine, trad. P. Maury et A. Lavanchy, Paris 1933.1966. 📖↩
17
Kami no Kotoba to Shingaku, übers, von K. Ashida u. a. , Tokyo 1941. 📖↩
18
Die Gerechtigkeit Gottes (1916 📖); vgl. oben Anm. 10. – Reformierte Lehre, ihr Wesen und ihre Aufgabe (1923) 📖; vgl. oben Anm. 4.↩