Sunt certi denique fines. Eine Mitteilung · 1924

Sunt certi denique fines. Eine Mitteilung

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SUNT CERTI DENIQUE FINES

Eine Mitteilung

1924

Martin Werner1 kündigte in einem ausführlichen Brief vom 6. August 19242 Barth an: «Soeben erscheint bei Paul Haupt in Bern und bei Beck in München eine Schrift von mir [«Das Weltanschauungsproblem bei Karl Barth und Albert Schweitzer, Eine Auseinandersetzung 📖»], die nichts anderes ist als eine gesalzene Streitschrift gegen die zweite Auflage Ihres Römerbriefs 📖. … Da kann ich nicht mehr mit! Was ich an diesem neuerlichen Römerbrief vorab bedauerte, war Folgendes: Das Buch erschien in der Situation, da die Theologie allgemach nach langen Irrgängen endlich durch Albert Schweitzer in die Lage versetzt wurde, den wirklichen Paulinismus so zu verstehen, wie er von Pls. selber gemeint war, nämlich eschatologisch. Sie selber hatten die erste Auflage geschrieben auf Grund der entscheidenden Anregungen von Schweitzer3 und andern. Die Art und Weise aber, wie Sie nun in der zweiten Bearbeitung diese Anregungen verarbeiteten, erschien mir geradezu als ein Versuch, ihre einzig richtige Fruchtbarmachung für die Erkenntnis des Wesens des geschichtlichen Paulinismus zu sabotieren. … Ich habe mich der dornenvollen Aufgabe unterzogen, Ihren Rm II mehr als einmal Seite für Seite aufs aufmerksamste durchzustudieren. Die Wirkung war, daß ich mich nachträglich mit vollem Bewußtsein für den von Ihnen exkommunizierten ‹Kulturprotestantismus› entscheide, und zwar für den konsequent zu Ende gedachten ‹Kulturprotestantismus› von der Währung, wie er in ‹Kultur und Ethik› von Albert Schweitzer4 als Weltanschauung geprägt |491 worden ist. … Empfangen Sie einen herzlichen Gruß von Ihrem Sie redlich bekämpfenden Lic. Pfr. Werner.» – Am 18. August bestätigte Werner brieflich5 den Empfang einer Karte Barths und erklärte: «Auf Ihre eventuell öffentliche Antwort auf meine Streitschrift freue ich mich, und wenn sie nicht minder gesalzen ausfallen wird als mein Angriff es nun war, so bin ich auch darauf wohl gefaßt. Mit dem, was ich in meinem Angriff gesagt habe, ist es mir Ernst und darum werde ich dazu zu stehen wissen.» Im Heft VIII von «Zwischen den Zeiten», das im Herbst 1924 📖 erschien, war dann für die kommende Ausgabe u. a. angekündigt worden: «Karl Barth wird sich zu den Einwänden äußern, die Paul Althaus6 und Martin Werner – dieser im Namen der Kulturphilosophie von Albert Schweitzer – gegen seine Theologie erhoben haben …».7 Werner zeigte sich daraufhin «gespannt darauf, wie Sie unsere Einwände … zu entkräften gedenken»8.

Am 12. Oktober wandte Barth sich brieflich an E. Thurneysen unter Beifügung seiner Replik auf Werner mit dem Titel «Sunt certi denique fines.9 Eine Mitteilung»: «Ich sende dir mit der gleichen Post das Manuskript eines kleinzudruckenden10 Votums für die nächste Nummer von Zw. d. Z. mit der Bitte, es mit unbestechlichem Auge zu prüfen, ob das so geht oder nicht. Die Erleuchtung kam mir plötzlich gestern abend, der Kerl müsse nun vorab seine Abfertigung haben, damit ich mich ungestört den ernst zu Nehmenden zuwenden könne. Ist es nun gar zu arg geworden, und mußt du wieder einmal den Standpunkt des ἐπιεικές [vgl. Phil. 4,5] gegen mich vertreten? Du weißt, wie man sich selbst oft im Licht steht und nicht recht sieht, was man anrichtet. […] Ich schreibe gleichzeitig an Georg [Merz als Schriftleiter von ZZ ], damit er mir die Aufnahme in das Heft noch sichert. Wenn du einverstanden bist, so schicke es ihm direkt zu.»11 Thurneysen antwortete ihm am 17. Okto|492ber: «Ich habe deinen Anti-Werner mit Erleichterung entgegengenommen.»12 Nach Veröffentlichung des Heftes IX teilte Werner in einem kurzen Brief13 an Barth mit: «Von Ihrer Bannbulle, die, wie es sich für eine solche schickt, auch richtig lateinisch beginnt, habe ich Notiz genommen. Sie ist ungefähr so ausgefallen, wie ich mir gedacht habe.»

Sunt certi denique fines

Eine Mitteilung

Die in Heft 8 📖 unserer Schriftenfolge angekündigte Auseinandersetzung mit Martin Werner «Das Weltanschauungsproblem bei Karl Barth und Albert Schweitzer» (Bern, Paul Haupt 1924) 📖 wird meinerseits nicht stattfinden. Nachdem ich in den letzten Jahren doch recht oft öffentlich Rede und Antwort gegeben habe (u. a. Adolf Harnack14, Friedr. Wilh. Foerster15, Paul Tillich16), wird man es mir nicht mißdeuten, wenn ich mir nachgerade die Freiheit nehme, die Gegner, denen ich mich in dieser Weise «stelle», auszuwählen, diesen Gegner also, Herrn Lic. Werner in Krauchthal, nun einmal sich selbst zu überlassen. Ich habe dazu folgende Gründe:

1. Werner bringt besonders in seinem 5. Kapitel17 eine Anzahl historischer Einwände zur Einzelerklärung des Römerbriefs 📖, über die an sich zu reden wäre (siehe aber unten bei 3.!). Im übrigen greift er mein Buch in der Weise an, daß er gegen eine aus ihm zusammengestellte «Weltanschauung» Karl Barths die in den neuern Schriften Albert Schweitzers entwickelte «Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben» – ausschreibt. Ich weiß und Werner weiß, warum ich diesen Ausdruck wähle. Ihm, der sachlich über die Gedanken Schweitzers hinaus etwas Selbständiges und Wesent114liches nicht zu sagen hat, entgegenzutreten, mich dadurch |493 von ihm, einem unberufenen Dritten, zu einer Kritik der Gedanken Schweitzers herausrufen zu lassen, dazu fühle ich mich nicht verpflichtet. Schweitzers Schriften («Zwischen Wasser und Urwald», Bern 1922 📖18; «Verfall und Wiederaufbau der Kultur», München 1923 📖19; «Kultur und Ethik», München 1923 📖; «Aus meiner Kindheit und Jugendzeit», München 1924 📖; «Das Christentum und die Weltreligionen», Bern 1924 📖) habe ich gelesen, mit aufrichtigem großem Respekt vor dem Mann, seinem vielseitigen Können, Wollen und Tun, aber ohne daß mir die von ihm vorgeschlagene Quadratur des Zirkels bis jetzt glaubwürdig geworden wäre. Ihm mich öffentlich zu widersetzen, habe ich zunächst keinen Anlaß, wie ich auch bisher keine Zeile gegen ihn geschrieben habe. Wenn die noch ausstehenden Bände seiner Kulturphilosophie20 einmal vorliegen werden, die gerade das erst bringen sollen, was nach Werner ihren entscheidenden Vorzug vor dem Römerbrief (und zwar nicht nur vor meiner Auslegung) ausmacht, und wenn Herr Professor Schweitzer es dann selbst für nötig hält, gegen mich vorzugehen, dann wird die Lage vielleicht eine andre sein. Vorläufig lasse ich mich durch einen bloßen Sekundanten, dessen Legitimierung mir und andern erst noch zweifelhaft ist, nicht zu einem Streit herausfordern, zu dem ich mich von mir aus nicht getrieben fühle.21

2. Die Männer, mit denen ich bis jetzt öffentlich zu diskutieren hatte, haben mich bei aller Entschiedenheit auch ihrer polemischen Aussprache an eine humane, nicht nur höfliche, sondern Verständnis und Verständigung suchende Gegnerschaft gewöhnt. Ich verweise dafür beson|494ders auch auf die gleichzeitig mit dem Wernerschen Buch erschienenen Angriffe von Paul Althaus und Erich Schaeder22. Werners Streitschrift dagegen läßt die zur Führung eines Gesprächs unerläßliche Urbanität sowohl, wie den Willen, nicht nur zu reden, sondern auch zu hören, in einer so beklagenswerten Weise vermissen, daß mir ein materielles Eingehen auf sie gänzlich verleidet ist. In der mir nur zu wohlbekannten patzig-ungezogenen Manier, in der man in einer gewissen schweizerischen Mittelpresse23 seine Fehden auszutragen pflegt, lasse ich über Gott und göttliche Dinge nicht mit mir reden. Diese Manier aber ist’s, die Herr Privatdozent Lic. Werner im Namen der «Philosophie der Ehrfurcht vor dem Leben» gegen mich anzuwenden für richtig gehalten hat. Und das von der ersten bis zur letzten Seite ausgesprochenerweise in der Haltung eines Mannes, der sich in keiner Weise mehr fragend neben mich, sondern nur noch belehrend, bestrafend, bekämpfend gegen mich zu stellen weiß, der überhaupt nicht mit mir, sondern nur noch über mich zum Publikum reden will. Tue er das nach Belieben! Mir aber sei erlaubt, dazu zu schweigen. Grobheit ist nicht die Schärfe, und prinzipielle Zugeschlossenheit ist nicht die Entschiedenheit, die ich bei einem als Gesprächspartner ernstzunehmenden Gegner voraussetzen muß.

3. Lic. Werner hat seine Polemik an meine Römerbrieferklärung angeknüpft. Ich bedaure, öffentlich sagen zu müssen, daß ich die Art, wie er mein Buch benützt hat, nicht als loyal anerkennen kann, und belege diesen Vorwurf an einigen Beispielen:

a) Rbr.2 S. 353f. 📖24 sage ich, die Kirche müßte demütig genug sein, «sich von einem Kant an vorsichtiger Wahrung der Grenzen der Menschheit nicht übertreffen zu lassen, die Schmach des Rationalismus gelassen zu tragen und also Gott zu fürchten und zu lieben». – Werner verwendet diese Stelle S. 6 📖 so: «Schweitzer erklärt sich grundsätzlich einverstanden mit dem Rationalismus … Barth aber ergießt seinen Zorn über den Rationalismus. Er redet von der ‹Schmach des Rationalismus› (Rm. II, 354).»

495 115 b) Rbr.2 S. 134 📖25 sage ich zu dem «wir wissen» Röm. 5,3: «‹Weil wir wissen›, weil wir so oder so einen Durchblick haben … Wissen wir es? Nein, wir wissen es nicht. Wir wissen, daß wir es nicht wissen. Aber Gott weiß es. Und sofern wir glauben, wagen wir es, zu wissen, was Gott weiß. Und so wissen wir das unmöglich zu Wissende …» – Werner zitiert S. 10 📖 zunächst den Satz des Paulus und fährt dann fort: «Dazu Barth: ‹Wissen wir es? Nein, wir wissen es nicht. Wir wissen, daß wir es nicht wissen› (Rm. II, 134). So wird mit Paulus bei Barth kurzer Prozeß gemacht. Ohne weiteres interpretiert er ihn, wenn es nicht anders geht, nach dem gewalttätigen Grundsatz, daß Paulus zweifellos natürlich das Gegenteil gemeint habe von dem, was er schwarz auf weiß im Römerbrief sagt.»

c) Rbr.2 S. 51826 wird in Erläuterung der Bestimmung Röm. 15,17, daß Paulus seinen «Ruhm» «in Christus Jesus, vor Gott» habe, gesagt, es sei nicht das menschliche Selbstbewußtsein des Apostels, das sich in jenen Versen ausspreche: «Wer ist Paulus? Paulus ist preiszugeben. Die Höhe, auf der Paulus etwa stehen mag, ist nicht allzu beträchtlich …» – Werner benützt das S. 100f. so: «Es sollte immerhin schon zu denken geben, daß Barth, nachdem er im Vorwort zu seiner Auslegung erklärt hat, bei Paulus einfach die Wahrheit zu suchen oder gefunden zu haben, einer der letzten Seiten seines Kommentars dann doch das nachträgliche verschämte Geständnis anvertraut: ‹Paulus ist preiszugeben!› (Rm. II, 518).»

d) Rbr.2 S. 139 wird das «für uns gestorben» Röm. 5,6 zunächst in vier aneinandergereihten Sätzen mit «sofern», dann in einer längeren Ausführung bis S. 14027 erläutert. Ergebnis: Im Sterben Christi wird die paradoxe Wahrheit der Einheit von Gottes Heiligkeit und Barmherzigkeit für uns Wahrheit, ein Faktum, das «allen menschlichen Lebensinhalten in grundsätzlicher Überlegenheit und Priorität gegenüber» steht. – Werner gibt S. 107f., alles, außer dem ersten Satz mit «sofern» unter|496schlagend, meine Meinung so wieder: «‹Für uns› ist der Christus gestorben, nur, insofern dieses Sterben Erkenntnisprinzip unsres Sterbens ist› (Rm. II, 139 📖). ‹Neu geschaffen, ins wirkliche Leben versetzt› wird nämlich der Mensch nur durch den ‹Christustod›, den er selber erlebt.»

e) Rbr.2 S. 18028 umschreibe ich das «Mit-Christus-gekreuzigt-Sein» des «alten Menschen» Röm. 6,6 als die Bewegung durch folgende fünf Punkte: 1. Durch das Kreuz Christi wird der «alte Mensch», der Sünder als solcher festgestellt, 2. meine Identität mit diesem «alten Menschen»: «ich selbst bin der Gekennzeichnete, der mir im Spiegelbild des Todes Christi entgegentritt», 3. die Anerkennung des Todesurteils über ihn, d. h. über mich, 4. die Distanz zwischen ihm und mir, 5. die Identifikation zwischen mir und dem neuen Menschen. – Woraus Werner S. 108 📖 entnimmt: «Barths eigentliche Meinung (über das Mitsterben mit Christus) wird klar in dem sehr unpaulinischen Satz: ‹Ich selbst bin der Gekennzeichnete, der mir im Spiegelbild des Todes Christi entgegentritt› (Rm. II, 180). Die Heilsbedeutung des Todes Jesu beschränkt sich für Barth darauf, Spiegelbild zu sein dessen, was der Mensch erleben muß.»

f) Rbr.2 S. 173f.29 betone ich zu Röm. 6,2 den Charakter der Taufe als Faktum entsprechend der Historizität der Erscheinung Christi. «‹Zeichen› in diesem Sinn ist auch 116 die Taufe, gerade in ihrer paradoxen Einmaligkeit. Daß das Zeichen Zeichen ist und nicht mehr als das, das wissen wir, aber warum sollte es uns nichts zu zeigen haben?» … folgt eine längere Darlegung bis S. 174, an deren Ende die Taufe «als Hinweis auf das Jenseits ihrer Dinglichkeit Vermittlung neuer Schöpfung, ewige Realität, nicht Gnade, aber durchaus Gnadenmittel»30 genannt wird. – Werner aber belehrt seine Leser S. 118 dahin, die Taufe werde bei mir «degradiert zu einem ‹Zeichen, das Zeichen ist und nicht mehr als das› (Rm. II, 173).»

Ich könnte diese Reihe noch lange fortsetzen. Werner wird sich z. B. klar sein darüber, was er geleistet hat, wenn er S. 104 (= Rbr.2 486) bei dem Wort «eintreten»31, S. 110 (= Rbr.2 177) bei Erwähnung der |497 «unhistorischen» Beziehung32, S. 111 📖 (= Rbr.2 151 📖) bei der «historischen» Gestalt33, S. 112 (= Rbr.2 265) bei dem «sündenbeherrschten |498 Fleisch»34 meine warnenden Anführungszeichen seinen Lesern systematisch vorenthalten hat!! Genug und übergenug. Mag Werner in seiner Absicht, das christliche Publikum auf meine Abweichungen von Paulus aufmerksam und damit für die Lehre seines Meisters um so empfänglicher zu machen, Recht und Erfolg haben oder nicht, – bevor ich mich von ihm über «mystische Ethik» oder «ethische Mystik»35 belehren lasse, bitte ich für das nächste Mal um anständiges Zitieren. Bis dahin ist er mir uninteressant.

4. Das Gewicht meines vierten Grundes wird man nur in der Schweiz ganz würdigen können. In größter Nähe von Martin Werner befindet sich nämlich Herr Pfarrer D. Hans Baur36 zu St. Leonhard in Basel, ein Mann, der mich nun seit Jahr und Tag, obwohl ich auch ihm nie eine Zeile gewidmet habe, mit einer Polemik verfolgt37, dergegenüber ich grundsätzlich und endgültig das Gelübde des Schweigens abgelegt habe, und an den ich keinen Wunsch habe als den, daß er mich in seinem «Protestantenblatt» nun endlich, endlich in Ruhe lassen möchte. Schon hat er sich aber in seiner Weise auch diese Sache bemächtigt (Prot.-Blatt 1924 Nr. 35–36 📖38, dem «tapferen Pfarrer von Krauchthal»39 dankbar die Hand gedrückt und den Streit vollends in eine Atmosphäre von Kurzschlüssigkeit, Agitatorenlogik und Gehässigkeit hineingetragen, in |499 die ich den beiden Freunden nicht folge. Das sei ferne! Mögen sie daselbst weiterhin über mich sagen, was sie wollen, mir aber erlauben, meines Weges fürbaß zu gehen.

5. Natürlich berührt auch Werner Probleme und Schwierigkeiten meiner theologischen Stellung, die mir wohl bewußt sind und die mir ernstlich zu denken geben. Aber er berührt sie weder in so origineller, noch in so scharfsinniger, noch in so dringlicher Weise, daß ich mich nun gerade mit ihm öffentlich auseinandersetzen müßte. Das Substantielle, das sein Buch in diesem Sinn enthält, wird in der früher oder später zu führenden Aussprache mit Althaus, Schaeder40, Girgensohn41 usw. implicite oder explicite zu seinem Recht kommen.

Es ist mir selbst fatal, durch diese unerbauliche Abwehrgeste unser Weihnachtsheft42 etwas zu verunstalten. Aber da manche auf eine Äußerung von mir zu der Wernerschen Streitschrift zu warten scheinen, soll ihnen nicht länger vorenthalten sein, wie ich darüber denke.

Sachfußnoten

1
Martin Werner (1887–1964), 1916–1928 Pfarrer in Krauchthal (Kanton Bern), 1921 Privatdozent für Neues Testament, 1928–1958 o. Professor für Systematische Theologie in Bern. Als sich 1927 nach Rücktritt des Berner Systematikers Hermann Lüdemann eine Berufung von Karl Barth zerschlug, wurde 1928 Martin Werner Lüdemanns Nachfolger; vgl. Bw.Th. II, S. 262 (Anm. 1).512–514.522f.533.555. 📖↩
2
Original im Karl Barth-Archiv, Basel.↩
3
In einer kleinen Literaturliste zu Römerbrief 1 hatte Barth u. a. geschrieben (S. XVIII) 📖: «Unter den benutzten Schriften über den Römerbrief möchte ich, ohne damit den übrigen zu nahe treten zu wollen, als mir besonders wertvoll die folgenden erwähnen: … Albert Schweitzers Geschichte der paulinischen Forschung› (1911) 📖. «Weitere direkte Bezugnahmen auf Schweitzer fehlen.↩
4
A. Schweitzer, Kultur und Ethik. Kulturphilosophie. Zweiter Teil (Olaus Petri Vorlesungen an der Universität Upsala), München 1923. 📖↩
5
Original im Karl Barth-Archiv, Basel.↩
6
P. Althaus, Theologie und Geschichte. Zur Auseinandersetzung mit der dialektischen Theologie, in: ZSTh, Jg. 1 (1923), S. 741–786. 📖 – Barth ging dann auf diesen Aufsatz jedoch nur gelegentlich am Rande ein, z. B. in: Brunners Schleiermacherbuch, vgl. oben S. 411f. 419 (Anm. g). 📖↩
7
G. Merz, Vorankündigung, Umschlag S. II. 📖↩
8
Postkarte an Barth vom 4.12.1924 (Original im Karl Barth-Archiv, Basel).↩
9
Horaz, Satiren I 1,106 📖: «Est modus in rebus, sunt certi denique fines.»↩
10
Barths Beitrag erschien dann im Kleindruck.↩
11
Bw.Th. II, S. 277. 📖↩
12
A.a.O., S. 278. 📖↩
13
Vom 18.12.1924 (Original im Karl Barth-Archiv, Basel).↩
14
K. Barth, Sechzehn Antworten an Herrn Professor von Harnack, in: CW, Jg. 37, Sp. 89–91 📖; ders., Antwort an Herrn Professor von Harnacks offenen Brief, a.a.O., Sp. 244–252 📖 (wiederabgedruckt in: ders., Theologische Fragen und Antworten. Gesammelte Vorträge, Bd. 3, Zollikon 1957; Zürich 19862, S. 9–13.18–30 📖; Anfänge I, S. 325–329. 333–345 📖).↩
15
K. Barth, Gegenrede zu dem Aufsatz von Friedrich Wilhelm Foerster 📖 (1923), oben S. 190ff.↩
16
K. Barth, Von der Paradoxie des «positiven Paradoxes». Antworten und Fragen an Paul Tillich (1923), oben S. 358ff 📖.↩
17
S. 100–134: «V. Das Verhältnis zum Christentum» 📖.↩
18
A. Schweitzer, Zwischen Wasser und Urwald. Erlebnisse und Beobachtungen eines Arztes im Urwalde Äquatorialafrikas, Bern 1922. 📖↩
19
Ders., Verfall und Wiederaufbau der Kultur. Kulturphilosophie. Erster Teil (Olaus Petri Vorlesungen an der Universität Upsala), München 1923. 📖↩
20
Die von A. Schweitzer in: Kultur und Ethik, S. XXIII 📖 angekündigten Teile III («Die Weltanschauung der Ehrfurcht vor dem Leben») und IV («Vom Kulturstaat») seiner «Kulturphilosophie» sind nicht erschienen.↩
21
Zur späteren Auseinandersetzung Barths mit der Kulturphilosophie A. Schweitzers vgl. KD III/4, S. 366–453 📖: «Die Ehrfurcht vor dem Leben». – Im Winter 1954/55 besuchte eine Gruppe von Basler Theologiestudenten Albert Schweitzers Haus in Günsbach (Elsaß), traf dort unerwartet Schweitzer selbst an und wurde von ihm für einige Minuten empfangen. Er trug ihnen auf, Barth zu grüßen und ihm auszurichten, es sei ihm eine Ehre, daß er Barth über einen ganzen Abschnitt von dessen Dogmatik hin habe «begleiten» dürfen (Erinnerung von H. Stoevesandt).↩
22
E. Schaeder, Das Geistproblem der Theologie. Eine systematische Untersuchung, Leipzig/Erlangen 1924, bes. S. 35–42. 📖↩
23
«Mittelpresse» (später: «Schweizerische Politische Korrespondenz») war der Name einer Presseagentur mit Niederlassungen in verschiedenen Schweizer Großstädten.↩
24
In späteren Auflagen S. 351f 📖.↩
25
In späteren Auflagen S. 132 📖.↩
26
In späteren Auflagen S. 516 📖.↩
27
S. 139f. 📖 (= in späteren Auflagen S. 137f. 📖); S. 139 (bzw. 137): «Er lebt, sofern uns dieses unanschauliche Leben im Sterben des Christus anschaulich wird, vom Sterben des Christus. Christus ist ‹für uns gestorben›. ‹Für uns›, sofern dieses Sterben Erkenntnisprinzip unseres Sterbens ist, sofern in diesem Sterben der unanschauliche Gott für uns anschaulich wird, sofern dieses Sterben der Ort ist, wo die Versöhnung mit Gott stattfindet …»↩
28
In späteren Auflagen S. 178 📖.↩
29
In späteren Auflagen S. 171f. 📖 – Im Erstdruck steht hier irrtümlich «S. 123f.», im folgenden «S. 124».↩
30
Nur die letzte der Hervorhebungen auch in Römerbrief 2. 📖↩
31
M. Werner, a.a.O. 📖: «Barth übt den alten Trick, mit dem der Inhalt der Schrift über Bord geworfen wird dadurch, daß man ihn als verkehrte Auslegung stupider Theologen brandmarkt. So, und so allein natürlich, kann man den Schein der Schriftgemäßheit seiner eigenen Gedankenprodukte wahren. Unter diesem Deckmantel lassen sich dann getrost alle möglichen Ketzereien vertreten wie die, daß man von einer Wiederkunft Christi redet, die ‹ihrem Begriff nach überhaupt nie eintreten kann› (Rm. II, 486 📖) …» – Vgl. K. Barth, a.a.O. (= in späteren Auflagen S. 484 📖): «Will das unnütze Gerede von der ‹ausgebliebenen› Parusie denn gar nicht aufhören? Was soll denn ‹ausbleiben›, was seinem Begriff nach überhaupt nicht ‹eintreten› kann? Denn kein zeitliches Ereignis … ist das im neuen Testament verkündigte Ende, sondern das Ende, so sehr das Ende, daß die neunzehnhundert Jahre nicht nur wenig, sondern nichts zu bedeuten haben, was seine Nähe oder Ferne betrifft …»↩
32
M. Werner, a.a.O. 📖: «Unter der ‹Auferweckung Jesu von den Toten› ist lediglich zu verstehen ‹die unhistorische Beziehung seines ganzen Lebens auf seinen Ursprung in Gott› (Rm. II, 177 📖)!» – Vgl. K. Barth, a.a.O. (= in späteren Auflagen S. 175 📖): «Denn so klar es ist, daß die Erweckung Jesu von den Toten kein Ereignis von historischer Ausdehnung neben den andern Ereignissen seines Lebens und Sterbens ist, sondern die ‹unhistorische› ([Röm.] 4,17b usw.) Beziehung seines ganzen historischen Lebens auf seinen Ursprung in Gott, so klar ist es andrerseits, daß auch mein in der Kraft der Auferstehung als Notwendigkeit und Wirklichkeit in mein Dasein sich hineindrängendes ‹Wandeln in Lebensneuheit› weder in meiner Vergangenheit, noch in meiner Gegenwart, noch in meiner Zukunft etwa Ereignis neben andern Ereignissen ist und wird.»↩
33
M. Werner, a.a.O. 📖: «Sehr deutlich tritt diese rein typologische ‹Christologie› hervor in dem Barthischen Kommentar zu den Ausführungen des Paulus über Adam und Christus. ‹Es versteht sich von selbst, daß er (Adam) mit dem auferstandenen, zum Leben Gottes eingesetzten Christus und als dessen Projektion keine historische Gestalt ist› (Rm. II, 151 📖)!» – Vgl. K. Barth, a.a.O. (= S. 149 in späteren Auflagen 📖): «Er [scil. Adam] existiert also nicht an sich, nicht als positive zweite Größe, nicht als eigener Pol in der Bewegung, sondern nur in seiner Aufhebung. Er ist bejaht, indem er im Christus verneint ist. Es versteht sich also von selbst, daß er mit dem auferstandenen, zum Leben Gottes eingesetzten Christus und als dessen Projektion keine ‹historische› Gestalt ist.»↩
34
M. Werner, a.a.O., S. 112f. 📖: «Barth macht denn auch gar kein Hehl daraus, daß es ihm nicht im Traume einfallen würde, je sich an einer wissenschaftlichen Bemühung um Ergründung des Wesens der historischen Persönlichkeit … zu beteiligen. … Mit folgendem Spruch verweist er sie in das Gebiet des für ihn Irrelevanten: ‹Sündenbeherrschtes Fleisch: Menschlichkeit, Weltlichkeit, Geschichtlichkeit, Natürlichkeit, in allen Farben schillernde Fraglichkeit, Tummelplatz für die erhabensten wie für die absurdesten Betrachtungsmöglichkeiten, mit allerlei Steinen, an denen schließlich jede in ihrer speziellen Weise zu Fall kommt – das ist das ‹Leben Jesu›, mehr als irgendein anderes Leben› (Rm. II, 265 📖)!» – Vgl. K. Barth, a.a.O. (= S. 263 in späteren Auflagen 📖): «›Sündenbeherrschtes Fleisch›: …» (Begriff aus der Übersetzung Barths von Röm. 8,3).↩
35
Vgl. M. Werner, a.a.O., S. 81.125f. 📖, der diese Begriffe von A. Schweitzer (vgl. etwa Kultur und Ethik, S. 228–236 📖) übernimmt.↩
36
Hans Baur (1870–1937), zunächst Pfarrer an der Basler Matthäusgemeinde, 1911–1937 an St. Leonhard in Basel; Mitherausgeber der Zeitschrift «Schweizerisches Protestantenblatt», einer liberalen Wochenschrift. Baur war mit A. Schweitzer – der auch des öfteren Gast in seinem Pfarrhaus war – befreundet. Unter seinen zahlreichen kleineren Publikationen über A. Schweitzer vgl. z. B.: Albert Schweitzer und Immanuel Kant, in: Schweizerisches Protestantenblatt, Jg. 47 (1924), S. 141f. 📖; Die Rettung des positiven Christentums, a.a.O., S. 29–31 📖; Albert Schweizers Konfirmation, a.a.O., S. 91f. 📖; Neues von Albert Schweitzer, a.a.O., S. 103f. 📖↩
37
Vgl. H. Baur [, Rez. vonK. Barth / E. Thurneysen, Suchet Gott, so werdet ihr leben, Bern 1917 📖], in: Schweizerisches Protestantenblatt, Jg. 41 (1918), S. 200 📖; vgl. auch oben S. 14f., Anm. 4.↩
38
H. Baur, Karl Barth und Albert Schweitzer, in: Schweizerisches Protestantenblatt, Jg. 47 (1924), Nr. 35 und 36, S. 277–279.284–286. 📖↩
39
a.a.O., S. 286 📖: «Dem tapferen Pfarrer von Krauchthal aber drücken wir dankbar die Hand und freuen uns darauf, was er uns am Basler Reformtag vom 6. Oktober zu sagen hat über das Thema: ‹Albert Schweitzer und das freie Christentum›.»↩
40
Zur späteren Auseinandersetzung mit E. Schaeder (oben Anm. 22) vgl. K. Barth, Die christliche Dogmatik im Entwurf, 1. Bd.: Die Lehre vom Worte Gottes. Prolegomena zur christlichen Dogmatik. 1927, hrsg. von G. Sauter, Zürich 1982, S. 611 (Register). 📖↩
41
Vgl. K. Girgensohn, Grundriß der Dogmatik, Leipzig/Erlangen 1924. 📖 Zur Aussprache mit Girgensohn kam es nicht; er verstarb am 21.9.1925.↩
42
Als erstes Heft des Jahrgangs 1925 erschien das Heft im Dezember 1924.↩