1924

Schleiermachers «Weihnachtsfeier»

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SCHLEIERMACHERS «WEIHNACHTSFEIER»

1924

Aus seiner dreistündigen Vorlesung vom Wintersemester 1923/24 über «Die Theologie Schleiermachers»1 hat Barth im September 1924 eine Passage für Heft IX von «Zwischen den Zeiten» 📖 überarbeitet2 und das Manuskript – zusammen mit einer ebenfalls für dieses Heft vorgesehenen Adventspredigt3 – unter dem Titel «Schleiermachers Weihnachtsfeier» an Georg Merz, den Schriftleiter der Zeitschrift, gesandt.4 Beide Beiträge waren «auf den Stand des Kirchenjahres eingestellt»5. Nachdem noch im November 1924 zweifelhaft gewesen war, ob das betreffende Heft (als erstes des Jahrgangs 1925) bis Weihnachten fertiggestellt sein würde6, konnte es dann doch noch im Dezember erscheinen.

Die zwischen senkrechten Strichen in den Text eingefügte Originalpaginierung ist die des Wiederabdrucks in Th. u. K. 📖

Schleiermachers «Weihnachtsfeier»

Übersieht man die wenigen erhaltenen Weihnachtspredigten und -predigtentwürfe Schleiermachers zwischen 1790 und 1810, so fällt äußerlich in die Augen, daß er in dieser Zeit unsres Wissens dreimal über |459 den Text Gal. 4,4 gepredigt hat.a Der Inhalt dieser drei Predigten zeigt unzweideutig, was ihn an diesem Text interessiert hat: es war das ὅτε δὲ ἦλθεν τὸ πλήρωμα του χρόνου, in dem er den Gedanken ausgesprochen zu sehen meinte, daß die Erscheinung Christi ein Ergebnis des Waltens der göttlichen Vorsehung bzw. eine geschichtliche Notwendigkeit war. Die «großen und kleinen Umstände der Geburt Jesu», das Land, das Volk, die Zeit, die Lage seiner Eltern, die Hirten, Simeon, Herodes, «alles […] wird uns wichtig, weil es mittelbar oder unmittelbar auf Jesum und seinen Charakter wirkt, weil alles zusammenkommen mußte, um ihn zu dem zu machen, was er werden sollte. In meiner Seele […] entsteht daraus ein großer Zuwachs meiner Liebe zu Jesu … Je mehr außerordentliche Leitung der Vorsehung von seinem ersten Augenblicke an nötig war, desto teurer wird er uns, … desto voller und inniger freuen wir uns, daß er ist und daß er gerade so da ist», hören wir 1790.10 Warum? Weil es immer so ist, weil wir in der Weihnachtsbotschaft unter diesem Gesichtspunkt die Regel vor uns haben, unter der unser aller Leben steht. 1795 disponiert Schleiermacher folgendermaßen: Damit uns etwas Gutes widerfahre, muß die Zeit erfüllt sein; es geht alles auf dem Wege der Natur; alles bleibt dem Gesetze untenan. Und 1802 mit nur 107 leichter Verschiebung: Die Wohltaten Gottes stellen sich ein, wenn die Zeit erfüllt ist, als vorübergehende Begebenheiten (an Stelle der Natürlichkeit wird jetzt die geschichtliche Relativität betont) nach der Re|460gel der Gerechtigkeit und Ordnung. Die Frage erhebt sich: wie verhält sich zu dieser diese Predigten beherrschenden allgemeinen Wahrheit das spezielle Festthema der Weihnacht? 1795 wird darauf geantwortet: «Die Übereinstimmung dieses Beispiels (d. h. der Weihnachtsgeschichte) mit der Erfahrung (d. h. mit jener allgemeinen Wahrheit) ist ein neuer Beweis, daß die Sendung Christi ein Werk Gottes gewesen».11 Also: am Allgemeinen bewährt sich das Besondere. In umgekehrter logischer Folge 1802: «Die Geburt Christi ist Symbol für alle göttlichen Wohltaten und Fügungen. Die Ordnung, die hier (d. h. in der Weihnachtsgeschichte) beobachtet worden, ist überall dieselbe».12 Also: am Besonderen bewährt sich das Allgemeine. So oder so ist nicht zu verkennen, daß das eigentliche Festthema durch jenes den Prediger bewegende Interesse fast völlig in den Schatten der allgemeinen Wahrheit gerückt wird, durch die es illustriert werden oder die es selber illustrieren soll. Am Schluß der Predigt von 1790 scheint dies von Schleiermacher selbst empfunden worden zu sein. Etwas eilig und aus dem Rahmen der Predigt herausfallend sagt er hier, nach dieser Betrachtung (d. h. nach dem Begreifen der Geburt Jesu als eines Werkes der Vorsehung) freue es uns doppelt, alle unsern Bedürfnissen entsprechenden Wünsche in ihm so reichlich befriedigt zu sehen. Der Mensch sehne sich nämlich nach einem aus seiner eigenen Gattung, an dem er deutlich gewahr werden könne, wie weit er mit dem Beistand Gottes auf dem Wege der Vollkommenheit kommen könne. Und nun stelle uns Christi Beispiel «den höchsten Triumph der menschlichen Natur dar» und gebe uns einen neuen glänzenden Beweis für die uns entschwundene Liebe und Güte Gottes.13 Daß hier der Ge|461danke erreicht ist, in dem wir zunächst Schleiermachers Auffassung des eigentlichen Weihnachtsthemas zu erkennen haben, ergibt sich bei einem Blick auf das, was er 20 Jahre 108 später gepredigt hatb: Wir fühlen uns zum Kind in der Krippe hingezogen in einer eigentümlichen Andacht, der keine äußere Darstellung genügt. Immer finden wir noch etwas Tieferes in unsern Herzen, was wir aussprechen möchten. Etwas Unbegriffenes und Unbegreifliches liege in diesem Anblick. Was? Die in Christus vereinigte göttliche Gestalt und menschliche Gebärde (Phil. 2,6f.): Menschlichkeit in voller Bedürftigkeit einerseits, andrerseits ein unter dem Gesetz der Zeit stehendes, sich nur allmählich und in bestimmten Graden entwickelndes Göttliches, das dann geschildert wird als die «andächtige auf das Höhere gerichtete Liebe» der Maria15, die ihn anders, reiner, richtiger erzogen habe, als wir erzogen werden, ferner als die bei ihm festzustellende Ungetrübtheit des ursprünglichen, in dem innern Grund der menschlichen Persönlichkeit liegenden Verhältnisses zwischen Geistigem und Sinnlichem, endlich als das Fehlen alles Gegensatzes und Kampfes in seinem Herzen. Das offenbar ist der «vollkommene» Mensch, dessen Bild Schleiermacher schon 1790 am Rande seiner damaligen Betrachtung als der eigentliche Festgegenstand vorgeschwebt hatte.16

In derselben Zeitspanne hat Schleiermacher zweimalc gepredigt über die Stelle Lk. 2,15ff. «Betrachtungen über die verschiedene Aufnahme, die die Nachricht von dem Dasein eines Erlösers gefunden hat», heißt das Thema 1794, 1802 dann, etwas präziser verratend, worauf er hinaus |462 will: «Die Gesinnung derer, welche die erste Nachricht von der Geburt Jesu empfingen, angewendet auf die unsrigen».17 Der Gang der Belehrung stimmt wiederum nicht nur in der allgemeinen Einteilung, sondern bis in viele Einzelheiten genau überein. Die Hirten auf dem Feld sind der Typus eines «theoretischen Glaubens»18. Sie haben ein Interesse an der Offenbarung, sie untersuchen das Wunder, sie eifern für die Ausbreitung des Glaubens, sie haben fromme Empfindungen. «Aber man hört 109 nicht, daß sie Christen geworden.»19 Dieser Glaube macht uns nicht zu wahren Schülern Jesu, er bringt uns nicht die wahren Früchte der Religion, man wird durch ihn wohl zum nützlichen, aber nicht zum tätigen Mitglied des Reiches Gottes. Die sich «der Rede verwunderten» [Lk. 2,18], sind die Leugner, Zweifler oder doch Gleichgültigen. Wir notieren die für die Genesis von Schleiermacherc «Reden»20 nicht unwichtige Stelle über die «Zweifler»: sie sind es darum, «weil man ihnen das Wunderbare aufdrängt und die moralische Freiheit in der Religion zurücksetzt». «Sie werden der Religion günstiger, wenn sie sie besser kennen lernen und zugleich mit der Natur der menschlichen Seele und der Beschaffenheit des menschlichen Wesens auf Erden bekannter werden.» Daß Maria alle diese Worte behielt und in ihrem Herzen bewegte [Lk. 2,19], das ist endlich der Idealfall: «Das Wunderbare veranlaßt die Untersuchung. Das Moralische zieht den Beifall nach sich», und «diese Klasse ist die geringste, aber beste, zu der wir uns auch bekennen müssen; wir sind auch wie Maria mit Christo verwandt», heißt es 179421, 1802 dahin präzisiert, wir müßten dankbar sein für unsre durch die Verpflanzung des Christentums in unser Vaterland und durch unsre zeitige Aufnahme in dasselbe vollzogene Auserwählung, wir müßten aufmerksam der weitern Entwicklung des Reiches Christi folgen und uns entschließen, mit verdoppelter Treue unsre Pflicht zu seiner Fortbildung |463 zu erfüllen. Schleiermacher hatd auch den Lobgesang der Engel Lk. 2,14 unter diesen Gesichtspunkt gestellt. Thema: «Die Empfindungen des Christen beim Nachdenken über die Geburt Christi»22: erstens Empfindungen gegen Gott angesichts der Allgemeinheit und Weisheit der in Christus erschienenen Erlösung, zweitens «regulative» Empfindungen: Frieden mit dem Himmel, unter den Christen als solchen und als Erdenbürger und Wohlgefallen an der in der Erscheinung Christi liegenden Weisheit, an seiner Lehre, an seinem «Urbild», und zwar durch das Bestreben, ihm nachzuahmen. Wir sehen: was den Prediger beschäftigt, ist die Mannigfaltigkeit menschlicher Hal 110 tungen, aus deren Dialektik sich eine, die mariaähnliche, als die normale und gewünschte herausstellt, während der Gegenstand, auf den sich diese Haltungen beziehen, die Weihnachtsbotschaft selbst, als x in der Rechnung vorausgesetzt, wiederum nur am Rande der Betrachtung als «Offenbarung» oder «Erlösung» bezeichnet, sichtbar wird. Es ist Schleiermacher, auch als er 1831e noch einmal im selben Dreitakt über Lk. 2,15ff. predigte, nicht gelungen, der Weihnachtsbotschaft in diesem Zusammenhang eine selbständige Bedeutung zu geben.

In der ersten Predigt von 1794 begegnete uns soeben der für Schleiermachers Theologie so bedeutsame Terminus «Urbild»24. Dem «Urbild», Christus, stehen die Christen gegenüber. Aber zwischen ihnen und ihm besteht, wie wir hörten, «Verwandtschaft», Annäherungsmöglichkeit. Wir berühren hier bereits den Nerv der Schleiermacherschen Theologie: um die Realisierung dieser Annäherung geht es nach ihm im Christentum. Diese systematische Beziehung lag von Anfang an in seinen Intentionen: Wir stehen unter demselben Gesetz wie Christus, wir |464 haben «ihm nachzuahmen». In der zweiten Predigt von 1795 heißt es: «Gott kann uns also den Genuß seiner Wohltaten auch auf keinem andern Wege sichern»25 (als nach den allgemeinen Regeln seiner Vorsehung). Und in der zweiten Predigt von 1802: «So können auch wir … So geht es mit allen Zuständen … Alles, wodurch menschliches Wohl wirklich befördert wird, muß unter denselben Bedingungen stehen.»26 Die zweite Predigt von 1794 (über die Hirten usw.) verläuft von Anfang bis zu Ende unter dem Schema: im Bilde – im Gegenbilde. Schon der (unvollständig erhaltene) Schluß der Predigt von 1790 lautet: «Aber laßt uns auch diese schöne Empfindung der Freude, welche der auszeichnende Charakter dieses Festes ist, nicht umsonst verhauchen. Wenn wir etwas Gutes in uns und für uns gewahr werden, d. h. wenn wir uns freuen, so sind wir immer am geneigtesten, etwas beizutragen, um dieses Gute uns noch mehr zu eigen zu machen und zu benutzen. Christus ist da 111 und freuen wir uns dessen, aber laßt uns auch sorgen, daß er soviel als möglich für uns da sei.»27 Wir besitzen eine Weihnachtspredigt des jungen Schleiermacher, in der er unter diesem Gesichtspunkt geradezu das Thema gewonnen hatf: Wir wenden das Fest von Christi Geburt dann nützlich an, wenn wir uns zu der Gesinnung ermuntern, die beständig in ihm herrschte und durch die er uns Alles geworden ist: das «erhabene Gefühl der wärmsten allgemeinsten Menschenliebe, des ausgebreitetsten Wohlwollens»29. «Unsre Seele hebt sich, den Fußstapfen dessen zu folgen, der die Menschen so hoch geliebt hat. Am Tage seiner Geburt laßt es uns geloben, wenigstens in unserm Kreise immer mit seiner würdigen Gesinnungen zu handeln.»30 In dieser Linie biegt, wie wir sahen, auch die erste Predigt von 1794 ein mit dem, was dort über «regulative» Empfindungen gesagt ist, und mit ihrem Schluß: «Das Bestreben |465 der Nachahmung muß immer der Schlußstein aller christlichen Empfindungen sein»31, und ebenso und in derselben Kurve die Predigt von 1810, wo es ja nach der traditionellen Auffassung der berühmten Philipperbriefstelle [2,5]32 nahe genug lag, die je dreifach gegliederte Darstellung der menschlichen Unvollkommenheit und der Vollkommenheit Christi zum Schluß zu überwölben durch die dreifache Paränese: Das göttliche Bild Christi soll unsre Erziehungsarbeit an dem künftigen Geschlecht reinigen und durchdringen; es schwebe uns überall vor, wo wir auf uns selbst zu wirken haben; es treibe uns an, alle uns anklebende Sünde abzutun, daß wir das Göttliche rein erhalten in uns, sein heiliges Bild festzuhalten, daß es in uns wachse und zunehme.33 Die Beziehung auch dieses dritten den Prediger beschäftigenden Gedankens zur Weihnacht ist offenbar wiederum unbestimmt, zufällig, nachträglich.

Das Problem der ältern Schleiermacherschen Weihnachtspredigt dürfte durch diese Analyse aufgezeigt sein. Was den Prediger aus Anlaß der Weihnacht interessiert, ist der Gedanke an die in der Geschichte und im Leben waltende Notwendigkeit, die Erwägung der besten Möglichkeit, das von Gott 112 Kommende aufzunehmen, die Einschärfung des Gesetzes und Imperativs der Aneignung und Nachbildung. All diesem Sekundären gegenüber steht das Primäre, die Weihnacht selbst, die Erscheinung Christi, zunächst im Hintergrund. In welcher Richtung Schleiermacher in dieser Beziehung suchte, zeigt die schon 1790 auftauchende Wendung vom «höchsten Triumph der menschlichen Natur». Diesen Gedanken vom Rande in die Mitte gerückt, ahnen wir 1810 deutlicher, was etwa damit gemeint sein mochte.

Die nächste maßgebende Quelle zur Beantwortung unsrer Frage ist die 1806 in erster, 1826 in zweiter, überarbeiteter Auflage erschienene Schrift «Die Weihnachtsfeier 📖». Schleiermacher ist inzwischen Hallenser Professor geworden.34 Seine Vorlesungen über Dogmatik und Paulus |466 exegese35, der Plan einer Plato-Übersetzung, im Persönlichen der eben unter Schmerzen überwundene Verzicht auf Eleonore Grunow36 sind die Angelegenheiten, die ihn ums Ende des Jahres 1805 besonders bewegt haben. Die direkte Vorgeschichte der Schrift ist kurz: «Ganz wunderbar kam mir der Gedanke plötzlich des Abends am Ofen, da wir eben aus Dülons Flötenkonzert kamen, und nicht drei Wochen nach dieser ersten Empfängnis, von der ich doch erst nach einigen Tagen wußte, daß es wirklich eine wäre, war es auch fertig»g Bemerkenswert ist der Umstand, daß Schleiermacher dabei den Gedanken an «eine Kollektion über alle Feste und über die Sakramente» oder doch über «die beiden andern großen Feste» erwogen hat. Aber «die Idee lachte mich sehr an, es noch vor dem Feste fertig zu machen»h, als Überraschung für seine Freunde, um derentwillen er den Verleger Schimmelpfennig in Halle daselbst und in Berlin anfangs nur Exemplare ohne Verfassernamen ausgeben ließ.i So kam es, daß es bei dem Ver113such, sich und andern über den Sinn der Weihnacht in dieser Weise Rechenschaft zu geben, sein Bewenden gehabt hat.j

467 Um das Ergebnis dieses Versuches zu verstehen, darf man sich nicht einseitig und nicht zuerst an die theologischen Reden des dritten Teils halten.k Das wäre eine Überschätzung der Reflexion, mit der man sich den Absichten des Verfassers sofort entziehen würde. Er wußte, was er wollte, wenn er die Form des platonischen Dialogs, in die er seine Antwort auf die Weihnachtsfrage kleidete, erweiterte in der Richtung der lehrhaften Novelle. Man muß die am heiligen Abend mit ihren Freunden versammelte gebildete deutsche Familiel, die er zum Träger dieser Antwort gemacht hat, trotz der nicht unanfechtbaren Kunst der Darstellung zu sehen und zu hören versuchen. Ihr Zusammensein, das Spiel ihrer Unterhaltung, ihr eigenartiges «Erleben» des Weihnachtsabends, die «Stimmung», mit der Schleiermacher die beiden jenen Lehrreden vorangehenden Teile des «Gesprächs» mit liebevoller Kleinmalerei erfüllt hat, das alles ist nicht bloß Aufmachung oder Vorbereitung, sondern in seiner Weise mindestens ebensosehr wie die Lehrreden – die |468 Antwort selber: «Die festliche Freude dieser christlichen Geselligkeit bildet […] nicht nur, wie es scheinen könnte, den Ausgangspunkt des Werkes, sondern in sie kehrt es zurück und ist in gewissem Sinn nichts als eine Darstellung derselben».m Wir lernen in 114 Eduard und Ernestine die Hauseltern kennen, unter ihren Kindern vor allem das schon den Zeitgenossen erstaunliche artige, kluge, musikalische und erst noch fromme Töchterchen Sofie, neben ihnen «an der Pforte der Lebenshöhe» (Dilthey)44 die Verlobten Ernst und Friederike, ferner eine junge Frau namens Agnes, ein erwachsenes Mädchen Karoline und den Juristen Leonhardt, der sich so sehr als advocatus diaboli aufspielt, daß er beinahe und doch nicht ganz aus dem Rahmen herausfällt. Auf den zwei letzten Seiten erscheint dann noch, äußerlich nicht näher charakterisiert, Josef, der nicht nur die abschließenden und zusammenfassenden45 Sätze des Ganzen, sondern auch Dinge ausspricht, die sich allzu deutlich auf Schleiermachers eigene damalige Lage beziehenn, als daß man nicht wie in gewissen Eckgestalten mittelalterlicher Bilder den Maler, so in dieser Figur den Autor im Selbstporträt wiedererkennen müßte. Aber die Worte Josephs ziehen doch nur das dialektische Fazit. Man darf, das ist die zweite Regel zum Verständnis, auch von den Lippen der übrigen Personen nichts Un-Schleiermacherisches zu hören erwarten, auch nicht von Leonhardt. Man kann an dem Verhältnis dieser Figuren zueinander studieren, was Schleiermacher unter «Gemeinde» (als deren «Keimzelle» er ja oft genug die Familie gepriesen)46 verstanden hat: |469 Männer und Frauen, Erwachsene und Kinder, nüchterne und poetische Gemüter, jedes mit seinem Eigenrecht, sich selbst zu sein, aber gerade darum und darin denselben Nenner tragend, ja unsichtbar zu einer Gesamtsumme vereinigt, als eine Zahl, über demselben Generalnenner stehend. Mögen sie sich im Einzelnen, in ihren Charakteren, Erfahrungen, Ideen unterscheiden und sogar 115 widersprechen, in der christlichen Festfreude (mag sie bei jedem ihren besondern Ton haben) harmonieren sie nur um so tiefer und inniger, so daß jedes Einzelne schließlich als solches nur dazu erscheint, um durch den Beitrag seiner Einzelnheit das gemeinsame Eine zu bereichern, zu verstärken, noch deutlicher als das Eine Notwendige [vgl. Lk. 10,42] erscheinen zu lassen.o Man muß aber, auch das gehört zur Sache, auch für das Kunstwerk des Aufbaus oder vielmehr Kreislaufs des «Gesprächs» ein Auge haben: zuerst die anschaulichen familiären Festvorgänge: Einzug in den geschmückten Raum, Bescherung, Gesang, eine kleine illuminierte Darstellung der Weihnachtsgeschichte nebst den Hauptdaten der Kirchengeschichte(!) [S. 3–10 📖]. Im Mittelpunkt, wie es sich gehört, die Figur des Wunderkindes Sophie mit ihren sinnigen Sprüchen, ihrer Freude an den Geschenken, ihrem Klavierspiel und Gesang, ihren mystischen Anwandlungen [S. 6–10.13–17.25f.]. Sie ist es denn auch, die den immer sich erneuernden Anlaß bietet zu der ersten zwanglos hin und her laufenden Serie von Unterredungen der Erwachsenen, z. B. über Kindererziehung [S. 11–13], religiöse Schwärmerei [S. 13–17], Kirche und Kunst [S. 19f.], das Verhältnis der beiden Geschlechter zur Religion [S. 26–30], die siegreiche Mitte über Freude und Schmerz [S. 23–26] u. dgl. Dann – hier beginnt sichtlich ein zweiter Teil – setzen Ernestine [S. 30–33], Agnes [S. 33–37] und Karoline [S. 37–41] auf Aufforderung der Männer an zu |470 Erzählungen über Erlebnisse früherer Weihnachtsabende, alle mit dem Thema: Mutter und Kind, wobei Friederike durch gleichzeitiges oder anschließendes Pianospiel der Sache den Charakter eines Melodramas gibt. Dritter Teil: die Män116ner, Leonhardt [S. 42–46 📖], der kritische Rationalist, Ernst [S. 47–51], der Mann der ruhigen innern Erfahrung, und Eduard [S. 52–55], der spekulative Mystiker, revanchieren sich, indem sie in längeren Darlegungen ihre Ansicht von der Bedeutung der Weihnacht bzw. des Weihnachtsfestes zum besten geben. Welcher von den dreien hat und behält recht? Die Frage bleibt offen; denn während noch der Letzte redet, tritt Josef [S. 55f.] auf den Plan, wohlverstanden: mit mildem Tadel über solches Diskutieren überhaupt und mit der Aufforderung zu «sprachloser Freude» an dem «sprachlosen Gegenstand». «Kommt denn, und das Kind vor allen Dingen mit, wenn es noch nicht schläft, und laßt mich eure Herrlichkeiten sehen, und laßt uns heiter sein und etwas Frommes und Fröhliches singen» (S. 56). Man wird sagen dürfen, daß auch dieser Weg zu diesem Ziel für sich selber redet. Das kleine Werk beginnt «mit dem ruhig-tiefen Ausdruck christlichen Lebens als erhöhten und wahren Menschenlebens in der Darstellung der Geselligkeit edler Menschen; die Reflexion erhebt sich und steigert sich bis zu bewußter Erforschung […] dieses höhern Lebens der Menschheit in Christus, um dann wieder zu verlöschen, unterzugehen in dem […] Gefühl dieses erhöhten christlichen Lebens … in dem Zustandsbilde der durch das Christentum vollendeten menschlichen Existenz», mit dem die Szene anhob.p

Aber treten wir näher. Sollte der eben zitierte gewiß kongeniale Schleiermacherforscher recht haben, wenn er die «religiöse Gemütsbewegung» als «das erhöhte, befreite menschliche Gefühls- und Gesinnungsleben überhaupt», die «erhöhte Menschlichkeit, vollendet geheiligte Menschlichkeit» den Kern der hier angestellten Betrachtung nennt – «das Lebensgefühl … in seiner letzten Vertiefung und Erweiterung, in welchen es sich mit allem eins und in einem Unbedingten gegründet weiß», dem gegenüber alle Begriffe nur ein «Rückstand» oder ein «Spiel» wären?q

471 Man versäume also ja nicht, auch die beiden ersten Teile des 117 «Gesprächs» voll auf sich wirken zu lassen. – Wir sehen, wenn der Vorhang sich hebt, «die heitere und verständige Ernestine» [S. 3 📖], weiblich liebevoll und aufmerksam beschäftigt mit dem Zurüsten des Bescherungstisches. Und wie dann die Gesellschaft hereinströmt, da «wendeten sich in der Mitte des Saales, wo man das Ganze überschauen konnte, alle Blicke auf sie. So schön war die Anordnung und ein so vollkommener Ausdruck ihres Sinnes, daß unbewußt und notwendig Gefühl und Auge zu ihr hingezogen wurden … Sie war es, an der sich alles zuerst ergötzte. Als hätte man das übrige schon genossen und als wäre sie die Geberin von allem, so sammelte man sich um sie her. Das Kind umfaßte ihre Knie und schaute sie mit den großen Augen an, ohne Lächeln, aber unendlich lieblich; die Freundinnen umarmten sie; Eduard küßte ihr schönes heruntergeschlagenes Auge, und wie es jedem geziemte, wurde ihr von allen die herzlichste Liebe und Andacht bezeugt» (S. 4f.). – Und wie sich dann nach der ersten Besichtigung der Geschenke alles um jene figürliche Darstellung der Weihnachtsgeschichte versammelte, da heißt es von der kleinen Sofie: «Plötzlich ward sie gewahr, daß die Mutter grade hinter ihr stehe; sie wendete sich zu ihr, ohne ihre Stellung zu ändern, und sagte innig bewegt: o Mutter! Du könntest ebensogut die glückliche Mutter des göttlichen Kindleins sein, und tut es dir denn nicht weh, daß du es nicht bist? Und ist es nicht deshalb, daß die Mütter die Knaben lieber haben? Aber denke nur an die heiligen Frauen, welche Jesum begleiteten, und an alles, was du mir von ihnen erzählt. Gewiß, ich will auch eine solche werden, wie du eine bist. Die gerührte Mutter hob sie auf und küßte sie» (S. 9f.). «Die Mutterliebe ist das Ewige in uns, der Grundakkord unsres Wesens», so formuliert später im Namen der Frauen selbst die sinnige Agnes die hier deutlich in die Mitte rückende Anschauung und präzisiert sie: «Glaubst du denn, die Liebe geht auf |472 das, wozu wir49 die Kinder bilden können? Was können wir bilden? Nein, sie geht auf das Schöne und Göttliche, was wir in ihnen schon glauben, was jede Mutter aufsucht in jeder Bewegung, sobald sich nur die Seele 118 des Kindes äußert.» Und Ernestine sekundiert ihr: «Mit diesem Sinn ist wieder jede Mutter eine Maria. Jede hat ein ewiges göttliches Kind und sucht andächtig darin die Bewegungen des höhern Geistes» (S. 23f.). Zur vollen Entfaltung kommt diese Anschauung in den Erzählungen der drei Frauen: Der entscheidende Augenblick der ersten ist die Begegnung, die die Erzählerin in einer Kirche mit einer Unbekannten mit einem kleinen Kind auf dem Schoß hat. «Ihre Miene schien mir bald lächelnd, bald schwermütig, ihr Atem bald freudig zitternd, bald frohe Seufzer schwer unterdrückend, aber das Bleibende von dem allen war freundliche Ruhe, liebende Andacht, und herrlich strahlte diese aus dem großen schwarzen niedergesenkten Auge … Es schien mir auch das Kind ungemein lieblich und regte50 sich lebendig, aber still, und schien mir in einem halb unbewußten Gespräch von Liebe und Sehnsucht mit der Mutter begriffen. Nun hatte ich lebendige Gestalten zu den schönen Bildern von Maria und dem Kinde …» Friederike hat diesen Bericht auf dem Klavier leise begleitet. «Als Ernestine geendet, bog sie nach einigen fantastischen Gängen in eine schöne Kirchenmelodie ein. Sophie, die sie erriet, lief hin, um ihre Stimme hinzuzufügen, und sie sangen zusammen die schönen Verse von Novalis: Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria, lieblich ausgedrückt; doch keins von allen kann dich schildern, wie meine Seele dich erblickt …» (S. 30ff. [Zitate: S. 31f. 📖]). Der Höhepunkt der zweiten Erzählung ist der Augenblick, in dem ein Kindlein von seinem Vater, einem Pfarrer, am Weihnachtsabend inmitten der gerührten Gäste getauft wird. «Als wir nun alle dem Kinde die Hände auflegten nach der dortigen guten alten Sitte, so war es, als ob die Strahlen der himmlischen Liebe und Lust sich auf dem Haupt und Herzen des Kindes als einem neuen Brennpunkt vereinigten, und es war gewiß das gemeinschaftliche Gefühl, daß sie dort ein neues Leben entzünden und so wiederum nach allen Seiten ausstrahlen würden. – Also wieder das vorige, unterbrach Leonhardt, nur gleichsam ein umgekehrtes negatives Christkindlein, in welches der Heiligenschein |473 einströmt, nicht ausströmt. 119 Herrlich51 hast du das getroffen, lieber Leonhardt, antwortete Agnes, ich konnte es so schön nicht sagen. Nur die Mutter, deren Liebe den ganzen Menschen im Kinde sieht, und diese Liebe ist es eben, die ihr den englischen Gruß zuruft, sieht auch den himmlischen Glanz schon ausströmen aus ihm» (S. 33ff. [Zitat: S. 36 📖]). Die dritte Erzählung aber handelt von einer Mutter, die ihr todkrankes Kind eben am Weihnachtsabend unter Schmerzen innerlich aufgegeben und sich in den Verzicht gefunden hatte. Da ereignet sich in ihrer Abwesenheit die heilsame Krisis, sie kehrt zurück und findet das Kind auf dem Wege der Genesung. «Es rührte mich wehmütig und versüßend», sagt sie, «einen Engel zum Himmel zu senden zu der Zeit, wo wir die Sendung des größten auf die Erde feiern. Nun kommen mir beide zugleich unmittelbar von Gott geschenkt. Am Feste der Wiedergeburt der Welt wird mir der Liebling meines Herzens zu einem neuen Leben geboren» – «gleichsam eine umgekehrte Maria, die mit dem tiefsten Mutterleiden, mit dem Stabat mater anfängt und mit der Freude an dem göttlichen Kinde endigt», wird nachher hinzugefügt, und von andrer Seite, diese Dialektik noch überbietend: «Oder auch nicht umgekehrt. Denn Marias Schmerz mußte doch verschwinden in dem Gefühl der göttlichen Größe und Herrlichkeit ihres Sohnes» (S. 37ff. [Zitate: S. 40f.]).

Kein Zweifel, daß wir zunächst ganz einfach in dieser Anschauung die eingangs in den frühern Predigten vermißte festliche Mitte der Schleiermacherschen Weihnachtsgedanken zu erkennen haben. Der «höchste Triumph der menschlichen Natur», den wir an Weihnacht feiern, wäre hier das Innerste der Familie, das Verhältnis Mutter und Kind in seinen verschiedenen Abwandlungen: zuerst die gütige Mutter für sich und allein, gleichsam von außen gesehen, dann das Kind, das in der Mutter sein Ideal und seine eigene Zukunft erkennt, dann die Liebe zum Kinde als das Innere und Ewige der Mutter, dann Mutter und Kind zusammen als Gruppe gesehen, dann das Kind für sich mit seinem negativen und positiven «Heiligenschein», d. h. mit dem, was es von der Gemeinschaft empfängt und ihr wieder gibt, das 120 letztere prophetisch nur von der Mutter erkannt. Endlich die Mater dolorosa, deren Schmerz doch durch das todüberwindende Leben ihres Kindes getröstet wird, ja schon getröstet ist: immer Maria, immer Christus, und als Maria oder Christus im|474mer wir selbst, die Frau im Manne das göttliche Kind, der Mann in der Frau die reine Mutter verehrend, beide vereint sich selber Anschauung edelster, erhöhtester Menschlichkeit. «Darum», sagt der dritte und letzte der theologischen Redner am Schluß seiner Darbietung: «darum sieht jede Mutter, die es fühlt … und die es weiß …, auch Christum in ihrem Kinde, und eben dies ist jenes unaussprechliche, alles lohnende Muttergefühl. Und ebenso jeder von uns schaut in der Geburt Christi seine eigene höhere Geburt an, durch die nun auch nichts anderes in ihm lebt als Andacht und Liebe, und auch in ihm der ewige Sohn Gottes erscheint. … Und eben dies ist die Herrlichkeit des Festes, die ihr auch von mir wolltet preisen hören» (S. 55 📖). Aber sollte nun, wenn das die Schleiermachersche Mitte ist, Weihnacht als das Fest der Geburt Christi nicht doch wieder (neben den geschichtsphilosophischen, psychologischen, ethischen Erwägungen der Jugendpredigten) durch einen weitern heterogenen Gesichtspunkt an die Peripherie der Betrachtung gedrängt sein? Müssen es denn gerade Maria und Christus sein, die wir feiern, wenn es sich darum handelt, das zu feiern? Könnte nicht etwa eine andere Göttermutter und ein anderer Göttersohn ihre Stelle einnehmen? Sind Maria und Christus nur Paradigma und Symbol für das MutterKind-Verhältnis – oder in welchem Sinn sind sie mehr als das?

Mit dieser Frage wenden wir uns zu dem theologischen Männergespräch, das den berühmten dritten Teil des Büchleins bildet. Die Auffassung hat sich heute mit Recht durchgesetzt, wonach nicht der eine oder der andre, sondern in bestimmtem Sinn jeder der drei Redner «die wahre Meinung» Schleiermachers vertritt, mit Einschluß natürlich des vierten, Josef, der zuletzt wie Elihu im [Hiob 32–37] auf den Plan tritt und sie alle «aufhebt», d. h. auf die bessere, die reflexionslos erlebende Weihnachtsfeier 121 der Frauen zurückverweist. Die musikalische Friederike ist es, die, da der Abend und die Erwartung des erhofften letzten Gastes sich in die Länge zieht, den Vorschlag macht, das Fest selbst zum Gegenstand einer Aussprache unter den Männern zu machen. «Hat es doch so viele Seiten, daß jeder es verherrlichen kann, wie er am liebsten will» (S. 42).

Der erste Redner Leonhardt (S. 42ff.) ist ein ziemlich raffiniertes Geschöpf weniger der novellistischen als der theologischen Phantasie des Autors. Er kündigt im voraus an, daß er erstens «jenen Männern», d. h. den Pfarrern, die am folgenden Morgen predigen sollen, nicht vor|475greifen wolle und sich also so weit als möglich von «dieser Bahn» entfernen werde, und daß er zweitens das Fest zwar nicht zu «loben», wohl aber nach seiner Trefflichkeit und Vollkommenheit «in seiner Art» («phänomenologisch» würde man vielleicht heute sagen) zu «rühmen» gedenke [S. 42 📖]. Weihnacht ist der Inbegriff des «Festes». Vorausgesetzt, der Ursprung des Christentums sei für etwas Großes und Wichtiges zu halten, ist das «Fest» gewiß das geeignetere Mittel, ihn im Gedächtnis des Menschen lebendig zu halten, als etwa die Bibel oder der Unterricht. Beweis: die katholischen Heiligenfeste, die der Legende viel mehr überredende Kraft geben, als dies die bloße schriftliche oder mündliche Erzählung vermöchte. Wurde doch das «Fest» nicht selten Anlaß, die entsprechende Geschichte zu – erdichten: So meint Leonhardt, «auch […] das Andenken an Christum werde in größerem Umfang durch das Fest erhalten als durch die Schrift»r [S. 43]. Das Christentum sei zwar gelten zu lassen als starke und kräftige Gegenwart, aber das hänge mit der wirklichen Person Christi wenig zusammens [S. 44]. Ausgenommen davon sei die Lehre von der Versöhnung, die, ihrer Natur nach überzeitlich, denn auch «mehr … mythischt gehalten werden sollte» [ebd.]. Christus als historischer Stifter des 122 Christentums dagegen habe nur eine dürftige Bedeutungu, er stehe näher bei Johannes dem Täufer als bei Paulus, es bleibe zweideutig, ob überhaupt nach seinem Willen eine abgesonderte Kirche sich bilden sollte [ebd.]. Auch das Bemühen der älteren evangelischen Berichte, Jesus mit dem Davidshaus in Verbindung zu bringen, passe schlecht zum Stifter einer Weltreligionv [S. 44f.]. Umgekehrt mache die für die Gründung der Kirche bezeich|476nende Botschaft von der Auferstehung und Himmelfahrt das historische Leben und Sterbenw verdächtig [S. 45 📖]. Der Streit der alten Doketisten und Ebioniten (die Christus entweder die wahre Menschheit oder die wahre Gottheit abstritten) und ebenso der der Lutheraner und Reformierten über die bloß geistliche oder auch leibliche Gegenwart Christi auf Erden weise über sich selbst hinaus darauf hin, «daß Christus ehedem nicht auf eine andere und eigentlichere Art zugegen gewesen sei und gelebt habe auf Erden und unter den Seinigen als auch jetzt noch. Kurz, der erfahrungsmäßige geschichtliche Grund der Sache ist so schwach, daß unser Fest dadurch um so mehr verherrlicht wird und seine Kraft nahe an das oben Erwähnte grenzt, daß nämlich durch solche Gebräuche bisweilen die Geschichte selbst erst gemacht worden» S. 45). Diese wunderbare (jedenfalls geschichtserhaltende, wenn nicht gar geschichtsschöpferische) Kraft verdanke die Weihnacht ihrer Einführung in die Häuser und besonders in die Kinderwelt. Darum dürfe an der überlieferten Form des Festes nur ja nichts geändert werden. Wie ein Kind sein Hauptgegenstand sei, so seien es auch vor allem die Kinder, die das Fest und durch das Fest wiederum das Christentum selbst heben und tragen. In der Nacht werde es begangen, weil die Nacht die historische Wiege des Christentums sei, Kerzen werden in ihr 123 angezündet als Gleichnis des Sterns, ohne den der Stall und im dunklen Stall das Kind nicht zu finden wären «in der sonst unbestirnten Nacht der Geschichte» [S. 46]. Daher ihn, Leonhardt, unter den Erzählungen der Frauen die von dem negativen Christkindlein mit dem nicht aus-, sondern (aus seiner christlichen Umgebung) einströmenden Heiligenschein am besten gefallen habe.54 Auf diese Meinungx fordert der Redner zuletzt die Anwesenden auf, die Gläser ertönen zu lassen und zu leeren [ebd.]. – Also: Christus ist nicht der notwendige Anlaß unsres Festes, aber unser Fest selbst ist so schön, so «kräftig», daß man es allenfalls auch als «Anlaß» Christi feiern könnte. Die reine Menschlichkeit und ihre feiernde Erhöhung, die wir vorhin in die Mitte der Weihnachtsbot|477schaft treten sahen, könnte gegenüber dem Historischen der Weihnacht das Primäre sein. Das «Fest» selbst hat so oder so ewige Berechtigung und Bedeutung. Man darf nur die Reserve nicht übersehen, mit der Leonhardt seine historische Skepsis oder vielmehr seinen Gegenwartsenthusiasmus vorbringt, um auch hier, natürlich von der äußersten dialektischen Möglichkeit her, Schleiermacher selber reden zu hören. Daß er die Leonhardtrede «ihrer Natur nach eigentlich frivol» genannt haty, spricht nicht entscheidend dagegen. Die Art, wie er 1826 diese Rede verdeutlicht, gemildert, seinem behutsamer gewordenen historischen Empfinden angepaßt hatz, zeigt zu deutlich, daß dieser Leonhardt nicht dazu das Wort erhält, um widerlegt zu werden. Der folgende Redner widerlegt ihn denn auch nicht und will ihn nicht widerlegen. «Der ungläubige Schalk» (S. 46 📖) muß er sich zwar von der Damenseite schelten lassen und noch zuletzt von dem milden, harmonischen Josef: «euer schlechtes Prinzip», «dieser Leonhardt, der denkende, reflektierende, dialektische, überverständige Mensch» (S. 55). Sofern das bös gemeint ist, richtet es sich (man beachte, daß es Josef mit seinem alles niederwalzenden Lob der Frauen und der Frau Musica ist, der diesen Tadel ausspricht) gegen die in Leon124hardt verkörperte und einseitig sich aussprechende «Reflexion» als solche. «Frivol» ist die Leonhardt-Rede, weil sie die via regia, die über die «Reflexion» hinausführt, vernachlässigt. Eben darum ist eine Widerlegung seiner Auffassung auf dem Boden der Reflexion nicht möglich, zugleich aber, da er ja das Eine Notwendige [vgl. Lk. 10,42], das «Fest» selbst bejaht hat, auch nicht notwendig. Auch der advocatus diaboli mit seiner Feuerbachischen Umkehrung bleibt in der Gemeinde der Frommen.

Die zweite theologische Männerrede hält Ernst, der glückliche Bräutigam (S. 47ff.). In ihm um seines Namens willen den besonderen Vertreter der wahren Meinung Schleiermachers sehen zu wollen57, ist schon |478 darum unangebracht, weil Schleiermacher damals sicher weniger als je Geschmack daran gefunden hätte, sich unter der Maske gerade eines Verlobten vorzustellen. Aber das ist richtig, daß auch Ernst Schleiermacher ist, und zwar der Vertreter der nach außen auffallendsten und am leichtesten verständlichen Form seiner Christologie. – Die Rede Leonhardts hat die Frauen doch etwas unruhig gemacht, und Ernst wird aufgefordert, ihn zu widerlegen, eine Aufgabe, der er sich aber ausdrücklich entzieht. Immerhin: er will sich mit dem «Rühmen» dieses Festes, wie Leonhardt es geübt, nicht zufrieden geben. Er will inhaltlicher reden als dieser: «Du nämlich sahest nur darauf, daß jedes Fest ein Gedächtnis ist von irgend etwas, mir aber liegt daran: von was?» Und dieses Was? bestimmt er nun als ein Etwas, «durch dessen Vorstellung eine gewisse Gemütsstimmung und Gesinnung in den Menschen kann aufgeregt werden». Die Weihnachtsstimmung nun sei die der Freude. Ob wohl «das Eigentliche und Wesentliche» des Festes es ist, was diese Wirkung hat?, wirft er sich selbst ein. Oder ob man sich im Grunde an den gegenseitigen Geschenken freut? Aber nein: Weihnachtsfreude ist doch schon für die Kinder etwas ganz anderes als etwa Geburtstagsfreude, wo doch auch die Geschenke in Frage kommen. Ist diese «ganz die Innigkeit, die das Beschlossensein in einem bestimmten Verhältnis erzeugt», so ist die Weihnachtsfreude «ganz das Feuer, die rasche Beweglichkeit 125 eines weitverbreiteten allgemeinen Gefühls» [S. 48 📖], Durch einen großen Teil der Christenheit wenigstens ist in dieser Zeit «Jeder58 mit dem Zubereiten eines Geschenkes beschäftigt, dieses Bewußtsein ist eben der Zauber, welcher sich aller bemächtigt»aa [S. 49]. (Es wird an freundliche Konkretheiten erinnert: «das Arbeiten um die Wette auf die bestimmte festliche Stunde», der Christmarkt usf.) Was folgt daraus? «Was so allgemein ist, kann niemals willkürlich ersonnen werden. Etwas Innerliches muß dabei zugrunde liegen.» «Dieses Innere aber kann nichts anderes sein als eben der Grund aller Freude, die sich unter diesen Menschen hin- und herbewegt.»ab Die Verlegung des Festes auf das |479 Neujahr ist darum eine beklagenswerte Sitte, weil ja das Neujahr nur den Wechsel und Gegensatz in der Zeit bezeichnen kann. Für alle aber, welche nicht nur im Wechsel der Zeit leben, nicht nur in der Erneuerung des Vergänglichen sich freuen, kann es kein anderes Prinzip der Freude geben als die Erlösung, «und von dieser wiederum muß für uns der erste Punkt sein die Geburt eines göttlichen Kindes»ac [ebd. 📖]. Was heißt «Erlösung»? Die Aufhebung der Gegensätze zwischen der Erscheinung und dem Wesen, der Zeit und der Ewigkeit, wie sie das Leben und die Freude der ursprünglichen Natur, aber zunächst nicht die unsrige ist. Ausgehen kann sie nur von Einem, der ihrer selbst nicht bedürftig ist. In dem «göttlichen Kinde» nun, d. h. in dem «ersten Keim» des «neuen ungetrübten» Lebens schauen wir zugleich seine schönste Blüte, seine höchste Vollendung an. Das weihnachtliche Gefühl, wie unbewußt es auch in vielen sei, läßt sich in nichts anderes auflösen als «in diese zusammengedrängte 126 Anschauung einer neuen Welt», die sich in tausend Bildern darstellen läßt: als die aufgehende und wiederkehrende Sonne, als der Frühling des Geistes, als der König eines bessern Reiches, als der treueste Götterbote, als der lieblichste Friedensfürst. Das Fest hängt also – «und so komme ich doch dazu, Leonhardt, dich zu widerlegen, […] indem ich dir beistimme» – nicht an den, in einem niedrigen Sinn kritisch angesehen: schwachen historischen Spuren, sondern an der notwendigen Idee eines Erlösersad [S. 50]. Wer, wie Leonhardt doch auch will, dem Christentum eine kräftige Gegenwart zubilligt, der muß doch auch den «Faden»ae, und wäre er noch so klein, an den sich dieses Gegenwärtige kristallisationsartig anhängt, anerkennen. «Mit dieser kleinen Verbesserung», mit der er auch Leonhardts Beifall zu finden hofft, schließt Ernst sich seiner Aufforderung an und wünscht, nein weissagt dem «schönen Feste» auf ewig, was nach ihm sein Wesen ist: «die rechte |480 Freude an dem wiedergefundenen höhern Leben» [S. 51 📖]. – Die «kleine Verbesserung» im Stand der Debatte, die nun eingetreten ist, bewegt sich offenbar in derselben Richtung wie die der ältern Weihnachtspredigten. Die Leonhardt-Rede hat das Problem der weihnachtlichen Mitte gestellt. Eine gewisse «Stimmung» oder «Gesinnung» möchte Ernst in diese Mitte setzen. Er betont ihre «Allgemeinheit», er zeigt, daß sie sich eben als allgemeine auf die «Erlösung» beziehen muß, er verweist auf die Bedingtheit der Erlösung durch ein göttliches (1826: das göttliche [S. 70]) Kind [S. 50], in dem der Zwiespalt überwunden ist. Hätten wir nur die erste Auflage, so müßte man annehmen, daß Ernst darunter doch nur die «notwendige Idee eines Erlösers» versteht und unter seiner «Geburt» das unscheinbar keimartige und doch die Vollendung schon in sich tragende Vorhandensein der mit dieser Idee gesetzten Wahrheit der Erlösung, d. h. der Kontrastüberwindung auch in uns. Aber nun 127 stellen die Korrekturen, die 1826 auch der Ernst-Rede widerfahren sindaf, neben die «Idee» die «Erfahrung» eines gesteigerten Daseins, welche irgendwie auf einen geschichtlichen Anfang, auf die «Erscheinung» des Erlösers in der Welt zurückweise, auf den ersten hellen Punkt, nach welchem wir keines andern warten [vgl. Mt. 11,3]. Also der «Keim», der Anfang, das Kristallisationszentrum ist nun zweifellos der historische Jesus, und im Verlauf eines wirklichen historischen Prozesses geschieht es, daß sich die Gegenwart als letzter, äußerster Ring um diese Keimzelle schließt. Ist es 1806 noch nicht ganz klar, inwiefern nun die Anschauung Leonhardts, wonach das Historische im Christentum prinzipiell auch das Sekundäre sein könnte, überwunden, inwiefern nun die Frage beantwortet ist, die sich uns aus der «Christologie» der Frauengespräche ergab: ob Christus mehr sei als ein Paradigma unsrer eigenen «erhöhten Menschlichkeit», so rückt 1826 das Historische zweifel|481los an die Spitze der Reihe, allerdings auch, wenn auch als Spitze: in die Reihe, so daß alles Spätere kontinuierlich daneben tritt, das «göttliche Kind» also nichts ist und hat, was wir nicht grundsätzlich mit unsrer Existenz auch schon hätten. Christus ist die Idee oder alsoag der geschichtliche Anfang unsres eigenen gesteigerten Daseins, unsres erhöhten Lebens. Einwandfrei ist damit die Frage nach dem mehr als paradigmatischen Charakter des Kindes von Bethlehem offenbar noch nicht beantwortet.

Hören wir nun noch die dritte Rede (S. 52ff. 📖), Eduards, des Hausvaters und Gastgebers. Daß hier wiederum (und sogar auf der wenigstens vorletzten dialektischen Stufe) Schleiermacher selbst redet und nicht etwa Schellingah, das dürfte schon 128 durch die äußerlich dominierende Stellung dieses Redners beglaubigt sein. Er fängt an mit der Mitteilung, daß er sich weniger an die «mythischenai Lebensbeschreiber Christi», d. h. an die Synoptiker halten wolle als an «den mystischen», «bei dem fast nichts Geschichtliches vorkommtaj, auch kein Weihnachten äußerlich, in dessen Gemüt aber eine ewige kindliche Weihnachtsfreude herrscht. Dieser gibt uns die geistige und höhere Ansicht unsres Festes» [S. 52]. Und nun gibt der Prolog des Johannesevangeliums [Joh. 1,1–18] Anlaß zu folgendem spekulativem Steilflug [S. 52–54]: Das «Fleisch» ist die unendliche63 Natur. Das «Wort» ist der Gedanke, |482 das Erkennen. Was wir sonach als «Fleischwerdung des Wortes» feiern, ist nichts anderes als wir selbst, wie wir insgesamt sind, oder die menschliche Natur oder wie ihr es sonst nennen wollt, angesehen und erkannt aus dem göttlichen «Prinzip». Warum müssen wir aber einen «aufstellen», warum gerade diesen Einen und in seine Geburt die Einerleiheit des Göttlichen und Seelischen «setzen»? Antwort: Der Mensch an sich ist der Erdgeist, d. h. das Erkennen in seinem ewigen Sein und in seinem immer wechselnden Werden. Der einzelne Mensch aber ist das Werden allein, d. h. aber: er ist im Abfall und Verderben. Er muß seine Erlösung finden im Menschen an sich. Die Identität von Sein und Werden, wie sie der Erdgeist besitzt, muß in ihm selbst (dem einzelnen Menschen) aufgehen, d. h. zustandekommen, wachsen; er64 muß dazu kommen, alles Werden und auch sich selbst nur in dem ewigen Sein zu betrachten und zu lieben, er darf nichts anderes sein wollen als ein Gedanke des ewigen Seins, das mit dem Werden identisch ist. In der Menschheit ist jene Identität ewig, im einzelnen muß sie es werden als der Gedanke eines gemeinschaftlichen Tuns und Lebens. Der einzelne muß die Menschheit als eine lebendige Gemeinschaft anschauen und erbauen, in ihr sein abgesondertes Dasein verlieren und wiederfinden. Nur dann hat er das höhere Leben und den Frieden Gottes in sich. Diese Gemeinschaft nun ist die Kirche. 129 Sie verhält sich zum übrigen Menschlichen wie das Selbstbewußtsein der Menschheit im einzelnen zur «Bewußtlosigkeit». In wem dieses Selbstbewußtsein «aufgeht», wer wahrhaft und lebendig «Wissenschaft» in sich hat, der kommt eben damit zur Kirche und kann das höchstens äußerlich verleugnen. Die Frauen aber, die die «Wissenschaft» nicht in sich haben, besitzen jenes höhere Selbstbewußtsein in der «Empfindung» und sind eben darum der Kirche nur um so anhänglicher. Nun ist aber diese Gemeinschaft wie ein Werdendes, so auch ein Gewordenes, und zwar als Gemeinschaft der einzelnen ein durch Mitteilung der Gemeinschaft Gewordenes, «und wir suchen also auch einen Punkt, von dem diese Mitteilung ausgegangen wäre, wiewohl wir wissen, daß sie von einem jeden wieder selbsttätig ausgehen muß und der |483 Mensch an sich sich in jedem einzelnen gebären und gestalten» [S. 54 📖].65 Der nun, «der als der Anfangspunkt der Kirche angesehen wird, … muß als der Mensch an sich (= «Erdgeist»), als der Gottmensch schon geboren sein», ursprünglich von Gott geboren, keiner Wiedergeburt bedürftig, während wir durch den Geist der Kirche, der von ihm, dem «Menschensohn schlechthin», ausgeht, wiedergeboren werden müssen. «In Christo sehen wir also den Erdgeist zum Selbstbewußtsein in dem einzelnen sich ursprünglich gestalten» [ebd.]. In ihm feiern wir nicht nur uns, sondern alle, die da kommen werden. «Darum sieht jede Mutter, … die es weiß durch eine himmlische Botschaft, daß der Geist der Kirche, der Heilige Geist, in ihr wohnt …, Christum in ihrem Kinde […] und […] jeder von uns […] in der Geburt Christi seine eigene höhere Geburt» [S. 55]. «Darum bricht das Fest hervor wie ein himmlisches Licht aus der Nacht. Darum ist es ein allgemeines Pulsieren der Freude in der ganzen wiedergeborenen Welt, das nur die für eine Zeitlang kranken oder gelähmten Glieder nicht fühlen» [ebd.]. – Wo stehen wir nun? Offenbar ist hier die vermittelnde Stellung Ernsts im Sturmschritt überflügelt, gegenüber der Leonhardts aber die schroffe Antithese gewonnen. Ist sie unversöhnlich schroff? Oder befinden wir uns doch nur am andern Brennpunkt einer Ellipse? Ge130wiß, nun scheint die weihnachtliche Mitte endgültig gewonnen und behauptet zu sein: Christus der Eine, gerade dieser Eine, mit scharfem Rand sich abhebend von uns andern, wir der Wiedergeburt bedürftig, er der Gottmensch ursprünglich aus Gott geboren. Und auch die Rangordnung scheint nun endgültig gesichert: der Primat dessen, was in ihm war, vor dem, was in uns ist. Schleiermacher hat 1826, wie wir sahen, an der Leonhardt- und an der Ernst-Rede Vieles und Belangreiches, an der Eduard-Rede kaum etwas Umfangreicheres und Einschneidendes zu korrigieren gehabt. Das dürfte ein Hinweis sein darauf, daß wir es hier, nicht der spekulativen Form, aber der Positivität des Inhalts nach, mit der Vorhut seiner Gedanken zu tun haben, mit den Gedanken seiner mittleren Zeit, die er sich auch auf der Höhe seiner Reife am uneingeschränktesten aufs neue zu eigen machen konnte. Sollten die Fragen, mit denen wir den bisherigen Verlauf des Gespräches verfolgt haben, hier vielleicht ihre endgültige Erledigung finden? Sehen wir genau zu: Gewiß, weit dahinten liegt hier jener For|484malismus Leonhardts mit seinem «Fest», das gar keinen Inhalt zu haben scheint, dahinten auch die noch etwas unbestimmte «Idee des Erlösers» bei Ernst oder die entsprechende «Erfahrung». In saftiger Fülle steht nun an ihrem Platz der «Mensch an sich», der «Erdgeist», der «Menschensohn schlechthin», das «fleischgewordene Wort». Ist das nicht zentral, primär, inhaltlich genug? Gewiß, werden wir antworten müssen, so scheint es. Wir werden auch nicht blind sein dürfen für die ansehnliche Bereicherung, die die ganze Gedankenwelt durch das Aufrollen des Problems des Einzelnen und der Kirche gewonnen hat. Welche Möglichkeiten scheinen sich hier zu eröffnen! Aber gerade hier stocken wir. Wie kommt Eduard von seiner Kirche aus zu seinem Christus? Wir suchen einen Punkt, von dem die Mitteilung ausgegangen oder, wie wir noch deutlicher am Anfang gehört haben: Wir müssen Einen aufstellen, in dessen Geburt wir die Identität von Göttlichem und Irdischem setzen. Wie unterscheidet sich dieser von der Kirche gesuchte, aufgestellte, gesetzte Christus prinzipiell von 131 Ernsts «Idee eines Erlösers» und von jenem geschichtlichen Keim oder Anfang, auf den unser erhöhtes Dasein zurückweist? Ist der Primat des Eduardschen Christus echt, wie kann dann von Suchen, Setzen u. dgl. überhaupt die Rede sein? Und die Leonhardtsche Theorie, wonach unter Umständen das «Fest» – er könnte gewiß auch mit Eduard sagen: die Kirche – den Christus erzeugt haben könnte, steht ja unwiderlegt und unwidersprochen auch neben Eduards Lehre: kann man sich das Suchen, Setzen usf. etwa auch so denken? Ferner: Wie kommt es, daß sich das Verhältnis zwischen dem einzelnen Christus und dem einzelnen Christen nach Eduards Lehre offenbar auch umkehren läßt, daß die die Kirche begründende Mitteilung von einem jeden wieder selbständig ausgehen muß und der Mensch an sich sich in jedem einzelnen gebären und gestalten? Wie kommt jede Mutter dazu, Christum in ihrem Kinde zu sehen, und jeder von uns dazu, daß «auch in ihm der ewige Sohn Gottes erscheint» [S. 55 📖]? Wo bleibt der «Mensch an sich» usf. als Einer, als dieser Eine, wie es doch anfangs hieß, wenn nun offenbar dasselbe auch wir alle sein können und schon sind? Kann, ja muß dann die der Offenbarung scheinbar gesicherte einzigartige Dignität nicht jeden Augenblick umschlagen in ihr gerades Gegenteil, nämlich in die allgemeine religiöse Dignität des Menschen überhaupt in seiner mit seinem Werden gesetzten Teilnahme am Sein? Begründet die «Wissenschaft» (das Zum-Menschheitsbewußtsein-Erwa|485chen des einzelnen) für die Männer und für die etwas törichteren Frauen wenigstens die «Empfindung» die Teilnahme an der Kirche, wo bleibt dann die zentrale Stellung des Christus, die bei der Aufrichtung dieses Kirchenbegriffs einen Augenblick vorausgesetzt zu sein schien? Endlich: der Inhalt dieses Christus? Lassen wir die Bezeichnung Christi als des «Erdgeistes» als romantische Originalität unbeanstandet. An absoluten Prädikaten dieser Größe hat es Eduard ja nicht fehlen lassen. Aber was ist von dieser Absolutheit zu halten, wenn es heißen kann: «Was wir […] feiern, ist nichts anderes als wir selbst, wie wir insgesamt sind oder die menschliche Natur», auch 132 wenn man in Betracht zieht, daß es weiter heißt: «angesehen und erkannt aus dem göttlichen Prinzip» [S. 53 📖]?66 Gibt es an uns selbst und an der menschlichen Natur etwas zu «feiern», wenn wir sie ansehen und erkennen aus dem göttlichen Prinzip? Oder was bedeutet das letztere, wenn das erstere möglich ist? Ist die «Fleischwerdung des Wortes» wirklich etwas anderes als eben wiederum jene Erhöhung der Menschlichkeit, die uns in den Frauengesprächen, auf die Eduard ja ausdrücklich zurückweist, so anschaulich im Mutter-und-Kind-Verhältnis als das spezifisch Weihnachtliche geschildert wurde? Und wenn es auch nach Eduard so steht, was bleibt uns dann übrig, als auch in seinem Sinn bei einem Symbolchristus stehen zu bleiben, wobei dann in der Tat der Feuerbachianismus Leonhardts unwiderlegt und das Schwanken Ernsts zwischen Idee und Erfahrung unausgeglichen bleiben mag, kommt doch letztlich darauf soviel nicht an, ob man es so oder so sagt.

Und nun kann Josefak auf den Plan treten (S. 55f.) und jenes lösende |486 Wort von der sprachlosen Freude an dem sprachlosen Gegenstand sprechen und dazu das Positive: «Die armen Frauen haben sich das so müssen gefallen lassen (nämlich die theologische Diskussion). Bedenkt nur, welche schönen Töne sie euch würden gesungen haben, in denen alle Frömmigkeit eurer Reden weit inniger gewohnt hätte, oder wie anmutig aus dem Herzen voll Liebe und Freude sie mit euch geplaudert hätten, was euch anders würde behagt und erquickt haben als diese feierlichen Reden. … Laßt uns heiter sein und etwas Frommes und Fröhliches singen.» Man darf die keineswegs bloß literarische, sondern hochtheologische Bedeutung auch dieser letzten Seite mit ihrem milden Triumph über alle Erdenschwere ja nicht übersehen. Etwas scharf zugespitzt würde ich den Satz wagen: die Musik und das Ewig-Weibliche68, die hier noch einmal 133 «gelobt» und «gerühmt» werden, sie sind als via regia zu dem Unaussprechlichen die eigentliche theologische Substanz des kleinen Meisterwerkes.

1. Die Musik. Nicht umsonst war es ja, wie wir hörten, «Dülons Flötenkonzert», das Schleiermacher 1805 zu seiner Abfassung begeisterte. Wenn gesungen wird in diesem «Gespräch», dann gibt es schon zu Beginn «einige stumme Augenblicke, in denen aber jeder wußte, daß eines jeden Gemüt liebend auf die übrigen und auf etwas noch Höheres gerichtet war» (S. 10 📖). Darum ist auch die kleine Sophie mit ihrem bedeutungsschweren Namen weiblichen Arbeiten zwar abgeneigt, zeigt aber ein entschiedenes Talent für Musik, besonders für das, was «im großen Kirchenstil» gesetzt ist (S. 7). «Jedes schöne Gefühl», sagt Eduard (S. 21f.), «tritt nur dann recht vollständig hervor, wenn wir den Ton dafür gefunden haben; nicht das Wort, dies kann immer nur ein mittelbarer Ausdruck sein, … sondern den Ton im eigentlichen Sinne.»69 Um dem gemeinsamen Ausdruck des religiösen Gefühls wieder «aufzuhelfen», müßte man den Gesang wieder in ein richtigeres Verhältnis setzen zum Wort. «Was das Wort klar gemacht […], muß der Ton lebendig machen, unmittelbar in das ganze innere Wesen als Harmonie übertragen und festhalten.» Und weiter: «Das Christentum ist ein einziges Thema in unendlichen Variationen dargestellt … Es ist auch gewiß wahr …, daß die |487 Kirchenmusik nicht des Gesanges, wohl aber der bestimmten Worte entbehren könnte. Ein Miserere, ein Gloria, ein Requiem, wozu sollen ihm die einzelnen Worte? Es ist verständlich genug durch seinen Charakter; und niemand wird sagen, es sei ihm etwas entgangen, wenn er die untergelegten Worte nicht vernommen hat. Darum müssen heute70 beide fest aneinanderhalten, Christentum und Musik, weil beide einander verklären und erheben.»al «Ja, gewiß», 134 sagte Friederike, «der frömmste Ton ist es, der am sichersten ins Herz dringt. – Und die singende Frömmigkeit, fügte Karoline hinzu, ist es, die am herrlichsten und geradesten zum Himmel aufsteigt» [S. 23 📖].72 Warum gerade die Musik?, könnte man fragen. Darum, weil das Wort nach allem Angeführten dem eigentlichen Schleiermacherschen Weihnachtswunder feindselig, schädigend, jedenfalls unvermögend, ihm gerecht zu werden, gegenübersteht, weil der Mensch, der seine «erhöhte Menschlichkeit» in Worten zu feiern unternimmt, sich selber dabei73 allzu leicht rätselhaft und unglaubwürdig wird. «Alle Formen sind mir zu steif und alles Reden zu langweilig und kalt» [S. 56]. Welch ein Glück, daß wir, vom Problem des Wortes beunruhigt und bedroht, in das Reich der Töne, in die christliche Musik und in ein musikalisches Christentum uns flüchten können! Gerade in seiner begrifflichen Qualitätslosigkeit ist der Ton der wahre und legitime Träger der Weihnachtsbotschaft, der adäquate Ausdruck für die nicht redend, aber singend, flötend, klavierspielend erreichbare höchste und letzte dialektische Stufe.

2. Die Frau. Es ist wirklich mehr als eine galante Huldigung, wenn Jo|488seph zum Schluß meint, die Frauen hätten es besser gemacht als «diese feierlichen Reden» der Männer. Die Frauen bis auf die kleine Sophie herunter sind es, die mit ihrer mannigfaltigen Variation des Mutter-und-Kind-Verhältnisses das in Schleiermachers Sinn eigentlich Zutreffende über die Weihnacht sagen, die männlichen Christologen nur, sofern sie mit ihrer ganzen Dialektik widerwillig darauf zurückweisen. Denn (S. 28f. 📖) wenn das Christentum redet von einem Umkehren, von einer Veränderung des Sinnes, von einem Neuen, wodurch das Alte soll ausgetrieben werden, so einigen sich die Gesprächsteilnehmer darüber, daß diese Forderung dem unruhigen, streberischen, kämpfenden Wesen der Männer gegenüber zwar nötig und berechtigt, aber der ruhigen und anmutigen Art der Frau gegenüber, wo heiliger Ernst und liebliches Spiel überall eins seien, eigentlich schon überholt sei. «Christus selbst, erwiderte Karoline, hat sich doch nicht bekehrt. Eben deshalb 135 ist er auch immer der Schutzherr der Frauen gewesen, und während ihr euch nur über ihn gestritten habt, haben wir ihn geliebt und verehrt. … Wir bleiben immer Kinder, dagegen ihr erst umkehren müßt, um es wieder zu werden.»am/74 Also die Frau ist schon und hat schon das, was wir an Weihnacht feiern, sofern dies ja eben ist die «unmittelbare Vereinigung des Göttlichen mit dem Kindlichen, bei welcher es also keines Umkehrens weiter bedarf» [S. 29]. Wie der Ton jenseits der logischen, so ist die Frau jenseits der ethischen Dialektik. Eben gerade das: ihre Unbekehrtheit, Unbekehrbarkeit und Nichtbekehrungsbedürftigkeit machtan neben der Musik auch die Frau mit ihrem «Herzen voll Liebe und Freude» |489 zu einem der Sache, diesem Inhalt gerecht werdenden, seiner würdigen Gefäß der Weihnachtsbotschaft, zu einem Organ direkter Mitteilung76.

Denn darauf, auf die Möglichkeit, nein Wirklichkeit der direkten Mitteilung ist es bei dem eindringlichen Hinweis auf die Musik und auf die Frau natürlich abgesehen. Und insofern ist er charakteristisch für das, was hier mitgeteilt wird, für die Substanz der Schleiermacherschen Weihnachtsverkündigung, für jenen «höchsten Triumph der menschlichen Natur». Dilthey hat recht: das letzte Wort für dieses Letzte, was Schleiermacher über die Weihnacht zu sagen hat, ist das Wort Lebensgefühl.77

Es wäre eine weitere und größere Aufgabe, mit unsrer Frage an die späteren Predigten Schleiermachers und vor allem an seine Glaubenslehre heranzutreten. Eine prinzipiell andere Antwort habe ich auch dort nicht wahrzunehmen vermocht.

Originalfußnoten

a
1790 zu Schlobitten (Pred. VII 55ff.) 📖7, 2. Feiertag 1795 zu Landsberg a. d. W.8 (J. Bauer, Ungedruckte Predigten Schl.’s, Leipzig 1909, S. 85 📖)9, 2. Feiertag 1802 zu Stolp (ebendas., S. 87).↩
b
1810 zu Dreifaltigkeit, Pred. VII 566ff. 📖14↩
c
2. Feiertag 1794 zu Landsberg (Bauer, a.a.O., S. 83ff. 📖) und 1. Feiertag 1802 zu Stolp (ebends., S. 86f.).↩
d
1. Feiertag 1794 (Bauer, a.a.O., S. 82f. 📖)↩
e
Pred. II 329ff. 📖23↩
f
1792 zu Schlobitten (Pred. VII 117ff.). 📖28↩
g
Briefe IV 122, vgl. II 49, 60 📖37; Briefwechsel mit Gaß S. 42 📖.38↩
h
Br. m. Gaß S. 42 📖; [vgl.] Briefe II 60. 📖↩
i
Br. m. Gaß S. 42 📖; Briefe II 63f. 📖↩
j
Ich zitiere die «Weihnachtsfeier» im folgenden nach der kritischen Ausgabe von Hermann Mulert, Philos. Bibliothek Bd. 117, Leipzig 1908 📖.39↩
k
Wie dies noch in der Einleitung der Mulertschen Ausgabe 📖 geschieht.40 Es ist, soweit ich sehe, das Verdienst Diltheys (in dem in der 2. Auflage seines Schleiermacherbuches von Mulert S. 765ff. abgedruckten Aufsatz über die «Weihnachtsfeier»), als Erster ausdrücklich darauf hingewiesen zu haben, daß man die Schrift als Ganzes würdigen muß, um ihren Sinn zu erkennen.41↩
l
Walther Sattler redet in seiner Ausgabe der W. F. (Leipzig, C. F. Amelang 1923, S. 75 und 82) 📖 von einem Pfarrhaus. Die Stelle Mulert S. 17, Z. 11ff. 📖, auf die er sich stützt, scheint mir doch eine zu dünne Grundlage für diese Auffassung.42↩
m
Dilthey, S. 781 📖.43↩
n
» … so ist mir heute der lange tiefe unvergängliche Schmerz besänftiget, wie noch nie. Ich fühle mich einheimisch und wie neugeboren in der bessern Welt, in der Schmerz und Klage keinen Sinn hat und keinen Raum. Mit frohem Auge schaue ich auf alles, auch auf das tiefverwundende. Wie Christus keine Braut hatte als die Kirche, keine Kinder als seine Freunde, kein Haus als den Tempel und die Welt und doch das Herz voll himmlischer Liebe und Freude, so scheine ich mir geboren, auch danach zu trachten» (S. 56).↩
o
Herrnhutische Erinnerungen haben bei dieser Konzeption des Familienbildes sicher stärker auf Schleiermacher gewirkt als die direkten Eindrücke von glücklicher Häuslichkeit, die ihn damals von verschiedenen Seiten umgaben. In der Vorrede von 1826 bezeichnet er es als die Absicht der Schrift, angesichts der vielen Trennungen und Gegensätze zu zeigen, «wie die verschiedensten Auffassungsweisen des Christentums hier in einem mäßigen Zimmer nicht etwa nur friedlich nebeneinander sind, weil sie sich gegenseitig ignorieren, sondern wie sie sich einander freundlich stellen zu vergleichender Betrachtung» [S. 57f.]. Das ist eine Abwandlung des Zinzendorfschen Programmes.↩
p
Dilthey, S. 774 📖.47↩
q
Dilthey, S. 777, 779 📖.48↩
r
Dieser Satz wird in der Ausgabe von 1826 gestrichen [vgl. S. 67].52↩
s
1826 📖: «die irdische persönliche Tätigkeit Christi scheint mir weit weniger damit zusammenzuhängen, als … gewöhnlich angenommen […] wird» [S. 68].53↩
t
1826 📖: «symbolisch» [S. 68].↩
u
1826 📖: ihm sei nur ein kleiner Anteil zuzuschreiben an der gegenwärtigen Gestalt des Christentums [vgl. S. 68].↩
v
1826 📖 wird hinzugefügt: die übernatürliche Geburt Jesu sei anfangs, obwohl in der ältesten Überlieferung bezeugt, vielen eine unbekannte Tatsache gewesen [vgl. S. 68f.].↩
w
1826 📖 + «gewissermaßen» [S. 69].↩
x
1826 + «und auf ein ewiges Fortbestehen unsres Festes» [S. 69].↩
y
Briefe II 49 📖.55↩
z
Mulertsche Ausgabe S. 67ff. 📖56↩
aa
1826 📖 ist dieses Bewußtsein nur noch «ein großer Teil» des Zaubers, welcher … [S. 70].↩
ab
1826 📖 geht Ernst gleich mit diesem Satz auf sein Ziel los. Er lautet jetzt so: «Dieser innere Grund kann aber kein anderer sein, als daß die Erscheinung des Erlösers die Quelle aller andern Freude in der christlichen Welt ist, weshalb nichts anderes verdienen kann, eben so gefeiert zu werden» [S. 70].↩
ac
1826 📖: «… in der Entwicklung von dieser wiederum die Geburt des göttlichen Kindes der erste helle Punkt ist, nach welchem wir keines andern warten und unsre Freude noch länger verschieben können» [S. 70].↩
ad
1826 📖: «wie an der Notwendigkeit eines Erlösers, so an der Erfahrung59 eines gesteigerten Daseins, welches auf keinen andern Anfang als diesen zurückzuführen ist» [S. 71].↩
ae
So 1826 📖 [S. 71].↩
af
Nicht ohne Anknüpfung an gewisse Wendungen der 1. Auflage übrigens! Der 1805 (Briefe II 49 📖) von Schleiermacher selbst festgestellte Fehler, daß die zweite Rede «nicht eigentümlich genug heraustrete, sondern sich zu sehr in die dritte hinein verlöre», soll wohl damit behoben werden.60↩
ag
Einen Autor, der mit einem Federstrich diese Korrektur zu vollziehen vermochte, hätte man mit Kant nie in einem Atem nennen sollen.61↩
ah
Gewiß der mit Schelling sich auseinandersetzende Schleiermacher62, aber Schleiermacher!↩
ai
1826 📖: «die mehr äußerlichen» [S. 71].↩
aj
1826 📖: «bei dem gar wenig von äußerlichen Begebenheiten vorkommt» [S. 71].↩
ak
Es wäre lehrreich für Schleiermachers Verständnis der Brüdergemeinde, wenn in dem Namen dieser entscheidenden Figur mit Sattler (a.a.O., S. 77f. 📖) eine Anspielung auf «Bruder Joseph», den Brüderbischof August Gottlieb Spangenberg, zu finden wäre.67↩
al
1826 📖 + «und eine Musik wie Händels Messias ist mir gleichsam eine kompendiöse Verkündigung des gesamten Christentums» [S. 63]. Schleiermacher war «bis in das Alter mitausübendes Glied der Berliner Singakademie» (Kattenbusch, Die deutsche evang. Theol. seit Schl., Gießen 1924, S. 24 📖).71↩
am
Wozu zu vergleichen wäre Briefe I 417: «Mir geht es […] überall so, wohin ich sehe, daß mir die Natur der Frauen edler erscheint und ihr Leben glücklicher, und wenn ich je mit einem unmöglichen Wunsche spiele, so ist es mit dem, eine Frau zu sein.»↩
an
Weil «der Buchstabe tötet und nur der Geist lebendig macht» [vgl. 2.Kor. 3,6], wie es am Schluß der Vorrede zur zweiten Auflage heißt [S. 58].75↩

Sachfußnoten

1
Es handelt sich um die Überarbeitung des dortigen Referates über Schleiermachers Weihnachtspredigten von 1790–1802 und 1810 (Th. Schl., S. 98–108 📖) und über die «Weihnachtsfeier» (S. 108–134), im Kolleg vorgetragen am 20./21./26.11.1926. Bei der Bearbeitung hat Barth den Text aus der Vorlesung etwas gestrafft und vor allem den Passus über die Weihnachtspredigten erheblich gekürzt. Einige Beobachtungen zum Vergleich beider Fassungen finden sich bei D. Lütz, Homo Viator. Karl Barths Ringen mit Schleiermacher, Zürich 1988, S. 170f. 📖↩
2
Vgl. Barths Brief an Thurneysen vom 22.9.1924 nach einem längeren Schweizaufenthalt (Bw.Th. II, S. 274 📖): «Seit bald 8 Tagen bin ich nun wieder an meinem Ort, habe die Predigt für Heft 9 zurechtgemacht und bin an Schleiermacher.»↩
3
Barmherzigkeit. Eine Adventspredigt [über Lk. 1,78f.], in: ZZ, Jg. 3 (1925), Heft 1 [= Heft IX der ganzen Zeitschrift], S. 3–12 📖; wieder abgedruckt in: K. Barth / E. Thurneysen, Die große Barmherzigkeit. Predigten, München 1935, S. 116–125. 📖↩
4
Vgl. den Brief von G. Merz an Barth vom 2.10.1924: «Habe recht herzlichen Dank für die wirklich musterhafte Pünktlichkeit, mit der Du mir Deine Manuskripte gesandt hast.» (Original im Karl Barth-Archiv, Basel)↩
5
Barth an Thurneysen Bw.Th. II, S. 282 (14.11.1924). 📖↩
6
Vgl. ebd. 📖↩
7
Fr. Schleiermacher, Welches Interesse alle Umstände der Geburt Jesu für uns haben, in: ders., Sämmtliche Werke (im folgenden: SW), 2. Abth., Bd. 7, Berlin 1836, S. 55–64. 📖↩
8
In ZZ, Jg. 3 (1925), Heft 2 (= Heft X der ganzen Zeitschrift), S. 212 📖 veröffentlichte Barth folgende Berichtigung: «In meinem Aufsatz über Schleiermachers ‹Weihnachtsfeier› im letzten Heft ist mir törichterweise zweimal (S. 38 Anm. 1, S. 40 Anm. 3 [hier: Anm. a und c]) statt Landsberg (a. d. Warthe) Landshut in die Feder gekommen. Ich danke dem aufmerksamen Leser in Schlesien, der mich auf den Irrtum hingewiesen hat.» Im Wiederabdruck Th. u. K. 📖 wurde diese Korrektur berücksichtigt.↩
9
Ungedruckte Predigten Schleiermachers aus den Jahren 1820–1828. Mit Einleitungen und mit einem Anhang ungedruckter Briefe von Schleiermacher und Henriette Herz, hrsg. von J. Bauer, Leipzig 1909, S. 85. 📖↩
10
SW, 2. Abth., Bd. 7, S. 63. 📖↩
11
Hervorhebung und Textergänzung in Klammern von Barth.↩
12
Hervorhebung und Textergänzung in Klammern von Barth.↩
13
A.a.O., S. 63f. 📖: «Wir fühlen die Bedürfnisse, die wir und unser ganzes Geschlecht hatten, und freun uns nach dieser Betrachtung doppelt, alle unsre Wünsche in ihm so reichlich befriedigt zu sehn. Und was für Wünsche! Der gefallene Mensch hat auch den Maßstab der Kräfte verloren, welche er nicht mehr gebrauchte …: da sehnt er sich nach einem aus seiner eigenen Gattung, an dem er deutlich gewahr werden könne, wie weit der Mensch mit dem Beistand Gottes auf dem Wege der Vollkommenheit kommen könne; hier ist uns Christus geboren, … er durchläuft die Bahn eines jeden Menschen in Entwikcelung und Wachsthum der Kräfte und stellt uns sein Beispiel als den höchsten Triumph der menschlichen Natur dar. Der unglückliche Mensch hatte auch seinen Zusammenhang mit Gott verloren; seine Liebe und Güte war ihm verschwunden, und er bedurfte eines neuen glänzenden Beweises desselben …»↩
14
Fr. Schleiermacher, Ueber die Vereinigung des menschlichen und göttlichen in dem Erlöser, wie sie uns seine erste Ankunft auf der Erde zur deutlichsten Anschauung bringt. Ueber Phil. 2,6.7, SW, 2. Abth., Bd. 7, S. 566–574. 📖↩
15
a.a.O., S. 572 📖: «So erschien er den seinigen von Anfang als der gesalbte, als der göttliche Diener und Gesandte des Herrn, und nur eine solche andächtige auf das höhere gerichtete Liebe war es, die ihn auferzog.»↩
16
Fr. Schleiermacher, Welches Interesse alle Umstände der Gehurt Jesu für uns haben, a.a.O., S. 61 📖: «Nirgends konnten die trefflichen Anlagen seines Geistes, der die höchsten Stufen der Vollkommenheit nur durch Anhänglichkeit und Liebe zur Gottheit und ihren Geboten ersteigen sollte, besser und glänzender ausgebildet werden als hier unter einem Volke, wo troz seiner Verdorbenheit doch alle Einrichtungen darauf abzielten der Religion Eingang in ein junges Herz zu verschaffen …»↩
17
Hervorhebung in beiden Themen von Barth; bei Schleiermacher: «Die Gesinnungen …»↩
18
Überschrift des ersten Abschnittes der Predigt von 1794 (J. Bauer, a.a.O., S. 83 📖): «Der theoretische Glaube».↩
19
a.a.O., S. 86. 📖↩
20
Fr. Schleiermacher, Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern (1799), hrsg. von H.-J. Rothert (PhB 255), Hamburg 1958. Vgl. dort bes. S. 65f. 📖 (Originalausgabe S. 116–118).↩
21
Alle Zitate bei J. Bauer, a.a.O., S. 84f. 📖 Dort: «Freiheit der Religion».↩
22
Hervorhebung von Barth.↩
23
Fr. Schleiermacher, Die verschiedene Art wie die Kunde von dem Erlöser aufgenommen wird (über Lk. 2,15–20), SW, 2. Abth., Bd. 2, Berlin 1834, S. 329–342. 📖↩
24
Zu dem für die Christologie Schleiermachers charakteristischen Begriff des «Urbildes» vgl. z. B. Der christliche Glaube nach den Grundsäzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt, Bd. 2 (= SW, 1. Abth., Bd. 4), Berlin 18363, S. 29 (§ 93, Leitsatz) 📖.↩
25
J. Bauer, a.a.O., S. 85 📖. Hervorhebungen von Barth.↩
26
a.a.O., S. 87 📖: «So auch können wir sicher sein, das auch uns alles geschehen ist. … So geht es mit allen Zuständen, in welche Gott uns setzt und welche überflüssig geworden, wenn ihr Endziel erreicht … Alles, wodurch …»↩
27
Welches Interesse alle Umstände der Geburt Jesu für uns haben, a.a.O. (Anm. 7), S. 64. 📖 Dort: «… und wir freun uns dessen …»↩
28
Fr. Schleiermacher, Von der Theilnahme des guten Menschen an dem wahren Wohl der Menschheit. Ueber Luk. 2,25–32, SW, 2. Abth., Bd. 7, S. 117–134. 📖↩
29
a.a.O., S. 118f. 📖↩
30
a.a.O., S. 134. 📖↩
31
J. Bauer, a.a.O., S. 83. 📖↩
32
Vgl. dazu K. Barth, Erklärung des Philipperbriefes, München 1928, S. 53f. (Zollikon 19476, S. 57f.) 📖.↩
33
Vgl. Fr. Schleiermacher, Ueber die Vereinigung des menschlichen und göttlichen in dem Erlöser …, a.a.O. (Anm. 14), S. 573f. 📖↩
34
Im Oktober 1804 hatte Schleiermacher die Berufung zum a.o. Professor der Theologie und Universitätsprediger in Halle/Saale angenommen, wo er bis 1807 blieb.↩
35
Randnotiz in Barths Handexemplar: «+ philosophische Ethik + Enzyklopädie».↩
36
Eleonore Grunow, Frau eines Berliner Predigers, erwog zeitweise die Scheidung von ihrem Ehemann und eine Vermählung mit Schleiermacher, der ihr seit längerer Zeit zugetan war. Nach jahrelangem Schwanken entschloß sich Eleonore Grunow – kurz vor der beabsichtigten Scheidung – Anfang Oktober 1805, zu ihrem Ehemann zurückzukehren.↩
37
Die hier und im folgenden von Barth angeführten Belegstellen der «Briefe» beziehen sich auf die Ausgabe: Aus Schleiermacher’s Leben. In Briefen, 4 Bde., Berlin 1858–1863. 📖 – Friedrich Ludwig Dülon bzw. Dulon (1769–1826) war ein bekannter Flötenspieler, der mehrmals auch in Halle gastierte. Das von Schleiermacher erwähnte Flötenkonzert fand am 2.12.1805 im Ratskellersaal Halle statt; vgl. E. Börsch, Zur Entstehung der «Weihnachtsfeier» von Friedrich Schleiermacher, in: ThZ, Jg. 13 (1957), S. 354–356. 📖↩
38
Fr. Schleiermacher’s Briefwechsel mit J. Chr. Gaß, hrsg. von W. Gaß, Berlin 1852, S. 42. 📖↩
39
Fr. Schleiermachers Weihnachtsfeier. Kritische Ausgabe, hrsg. von H. Mulert (PhB 117), Leipzig 1908. 📖 – Belegstellen für Zitate und Paraphrasen werden im folgenden nach dieser Ausgabe im Text in runden Klammern von Barth selbst, in eckigen Klammern vom Hrsg. angegeben.↩
40
Vgl. H. Mulert, a.a.O. in der Einleitung, S. XIV-XXX; S. XIV 📖: «Aber die beiden ersten Teile der Schrift geben überhaupt wenig Anlaß, nach der religiösen Stellung des Verfassers zu fragen. … Tatsächlich enthalten die Reden des dritten Teils viel religiöse, theologische Reflexion.»↩
41
W. Dilthey, Leben Schleiermachers, Bd. I (Berlin 1870), hrsg. von H. Mulert, Berlin/Leipzig 19222, S. 765–798 📖 (Neuausgabe hrsg. von M. Redeker, 3. Aufl. auf Grund des Textes der 1. Aufl. von 1870 📖. – In den früheren Abdrucken irrtümlich «S. 761f.»; Korrektur vom Hrsg.↩
42
Diese Anm. wurde von Barth dem Wiederabdruck in Th. u. K. 📖 neu beigefügt. – a.a.O., S. 17 📖: «Besinne dich Eduard, daß wir noch neulich davon [scil. vom geistlichen Stolz] redeten, und daß du unter dem ganzen sogenannten geistlichen Stande, den du ja weit und breit kennst von Amts wegen, mit Mühe ein Paar Beispiele auftreiben konntest von solchen, die nicht dadurch waren verderbt worden.»↩
43
Neuausgabe S. 159. 📖↩
44
W. Dilthey, a.a.O., S. 779 📖 (Neuausgabe S. 158 📖).↩
45
Im Abdruck Th.u.K. 📖 irrtümlich: «zusammenfallenden»; Korrektur nach dem Erstdruck in ZZ 📖 und der Berichtigung Barths in seinem Handexemplar von Th.u.K.↩
46
Vgl. etwa aus Schleiermachers «Hausstandspredigten» (1818): Ueber das christliche Hausgesinde. Erste Predigt (über 1.Kor. 7,20–23), SW, 2. Abth., Bd. 1, S. 640ff., bes. S. 648 📖, wo er «jedes Hauswesen eine Pflanzstätte … für die Kirche» nennt. Zum Zusammenhang von Familie und Gemeinde bei Schleiermacher vgl. Barths Ausführungen in Th. Schl., S. 198f.237.305.398f.404.443. 📖↩
47
Neuausgabe S. 153. 📖↩
48
a.a.O., S. 777 📖 (Neuausgabe S. 156 📖): «… in ihm [Schleiermacher] war der Grundgedanke seiner Auffassung der Religion Wahrheit, daß alle Begriffe nur der Rückstand wirklicher religiöser Gemütsbewegung in ihm seien; diese Gemütsbewegung selber aber erscheint nur als das erhöhte befreite menschliche Gefühls- und Gesinnungsleben überhaupt. … Erhöhte Menschlichkeit, vollendet geheiligte Menschlichkeit: hier liegt der Kern der Betrachtung, welches jedes Verhältnis sozusagen auf seine Idee in Gott zurückführt.» – S. 779 (Neuausgabe S. 157): «Hier gibt es nun seiner Betrachtungsweise ihren Charakter, daß er das seelische Leben nicht aus einem Spiel der Vorstellungen ableitet …»↩
49
In den früheren Drucken irrtümlich: «sie»; Korrektur vom Hrsg.↩
50
Bei Schleiermacher: «So erschien mir auch …, es regte».↩
51
Bei Schleiermacher: «… einströmt, nicht aus. Ganz herrlich».↩
52
Der Mulertschen Ausgabe sind im Anhang (S. 57–72) «Änderungen und Zusätze der zweiten Ausgabe» (1826) beigefügt 📖.↩
53
Bei Schleiermacher: «… als von den meisten mehr angenommen als geglaubt wird».↩
54
Dieser Satz und der Beginn des folgenden ist in Barths Handexemplar von Th. u. K. 📖 am Rand mit einer Schlangenlinie angestrichen und mit der Notiz versehen: «falsche Interpretation von S. 46, 23f.» (scil. S. 46, Z. 23ff. der Mulertschen Ausgabe 📖).↩
55
a.a.O. 📖: «Platonischen Geist kann ich der ersten Rede gar nicht zugestehen, da sie ja ihrer Natur nach eigentlich frivol ist …»↩
56
a.a.O., S. 67–69 📖 finden sich die Leonhardt-Rede betreffende Abweichungen der 2. von der 1. Auflage.↩
57
Über diese von D. Schenkel (Friedrich Schleiermacher. Ein Charakterbild, 1869 📖) vertretene Ansicht berichtet H. Mulert, a.a.O., S. XV 📖.↩
58
Hervorhebung von Barth.↩
59
Hervorhebung von Barth.↩
60
a.a.O. (Brief vom 17.1.1806) 📖: «Bei einer flüchtigen Wiederlesung ist mir vorgekommen, als ob die zweite nicht eigenthümlich genug heraustrete, sondern sich zu sehr in die dritte hinein verlöre, was meine Absicht gar nicht war.» – Sollte nicht ein Schreib- oder Satzfehler in der Jahreszahl (1805 statt 1806) vorliegen, so nimmt Barth offenbar an, daß die «Wiederlesung» noch vor oder kurz nach der Drucklegung Ende Dezember 1805 geschehen war.↩
61
Im Erstdruck ZZ lautete diese Anm.: «Wie kann man einen Autor als den theologischen Kant ansprechen, der mit einem Federstrich diese Korrektur zu vollziehen vermochte?» – Vgl. etwa A. Titius, Schleiermacher und Kant, in: Schleiermacher der Philosoph des Glaubens. Sechs Aufsätze, Berlin-Schöneberg 1910, S. 36–56 📖; G. Wobbermin, Systematische Theologie nach religionspsychologischer Methode, Bd. 2: Das Wesen der Religion, Leipzig 1921, S. 4f. 📖↩
62
Vgl. H. Mulert, der in seiner Einleitung (S. XXV 📖) zur Gestalt Eduards bemerkt: «Der Philosoph, der ihn [scil. Schleiermacher] in der Zeit seines engsten Verkehrs mit den Romantikern und noch in den nächsten Jahren besonders beeinflußt hat, wird Schelling gewesen sein.»↩
63
In Barths Handexemplar von Th. u. K. 📖 ist das Wort «unendliche» mit Schlangenlinie unterstrichen und die Silbe «un» in eckige Klammern gesetzt. Am Rand ist notiert: «falsch: 52, 39». – Vgl. in der Mulertschen Ausgabe S. 52, Z. 39–41 📖: «Das Fleisch aber ist, wie wir wissen, nichts anders, als die endliche beschränkte sinnliche Natur …»↩
64
In den bisherigen Drucken: «es»; Korrektur nach Th. Schl., S. 126 📖.↩
65
Hervorhebungen von Barth.↩
66
Hervorhebung von Barth.↩
67
Diese Anm. wurde von Barth dem Wiederabdruck in Th. u. K. 📖 neu beigefügt. – W. Sattler bemerkt in einem Anhang zur «Weihnachtsfeier» («Goethe als Interpret der ‹Weihnachtsfeier›») a.a.O., S. 77 📖, daß Spangenberg «in Urkunden jener Zeit vertraulich als ‹Bruder Joseph› bezeichnet» werde. «Die Lösung der in seinem Weihnachtsgespräch zutage getretenen theologischen Schwierigkeiten» zeige Schleiermacher durch Joseph, «d. h. durch die Idealgestalt Spangenbergs» (S. 78). – August Gottlieb Spangenberg (1704–1792), Begründer des nordamerikanischen Zweiges («Moravians») und späterer Bischof der Brüdergemeine, führte nach dem Tode Zinzendorfs (1760) dessen Werk in Europa weiter.↩
68
Vgl. J. W. von Goethe, Faust II, V. 121 10f. (5. Akt) 📖, Schlußverse:
Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.
↩
69
Hervorhebungen hier und im folgenden von Barth.↩
70
«heute» von Barth (versehentlich?) in den Text eingefügt.↩
71
F. Kattenbusch, Die deutsche evangelische Theologie seit Schleiermacher. Ihre Leistungen und ihre Schäden, Gießen 19244, S. 24. 📖 – Text der Anm. al nach dem Erstdruck in ZZ (S. 59). Beim Wiederabdruck in Th. u. K. 📖 erfolgte die Quellenangabe nach der damals neuesten Auflage von Kattenbuschs Buch: «… seit Schl. 5. Aufl., S. 26». In dieser Auflage (1926) heißt es jedoch: «… ausübendes Mitglied …»↩
72
Hervorhebungen von Barth.↩
73
In den früheren Drucken: «daher»; Korrektur von Barth in seinem Handexemplar.↩
74
Bei Schleiermacher: «… und verehrt. Oder was könntest du dagegen einwenden, wenn wir nun erst den rechten Sinn hineinlegten in das abgebrauchte Sprichwort, daß wir immer Kinder bleiben, dagegen …» Hervorhebung von Barth.↩
75
S. 58: «Und so mag das Büchlein noch einmal versuchen, eine günstige Aufnahme und eine das Gute fördernde Wirksamkeit zu finden, indem es auf seine Weise daran erinnert, daß der Buchstabe …»↩
76
Zu dieser Anspielung auf S. Kierkegaard vgl. oben S. 167, Anm. 58.↩
77
Vgl. oben bei Anm. q.↩