5. Februar 1922

«Feuerbach»

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FEUERBACHα

1922

Im «Stange-Kränzchen»1 hatte man am 22. Januar 1922 für die nächste Zusammenkunft vom 5. Februar vereinbart, daß Carl Stange, Emanuel Hirsch und Karl Barth «(je 1/2 Stunde!) über unser Verhältnis zu Feuerbach referieren» sollten: «ein nicht übler Einfall Stanges»2. Als Teilnehmer für diesen Abend wurden zunächst «nur noch wir drei mit den Frauen» erwartet, «während die Lizentiaten Peterson3, Piper und Strasser sich successive gedrückt haben»4. Es waren dann allerdings doch noch Ernst Strasser und Frau und der bei Barth zu Besuch weilende Fritz Lieb5 als Gäste zugegen. Barth berichtete brieflich: «Es wurde gelost, und es ergab sich, daß ich das letzte Wort sprechen konnte, wenigstens in der Reihenfolge.»6 Sein Referat blieb unveröffentlicht.

Feuerbach

Der Inhalt von F.’s «Wesen d. Chrts.»7 (1841) und soweit ich sehe auch seines «Wesens d. Rel.»8 (1851) besteht in einer mit sympathischer |7 Beharrlichkeit durchgeführten Reihe von Variationen über das eine Thema9: Gott ist das objektivierte menschliche Subjekt, Religion ist der Akt der Verabsolutierung des menschlichen Wesens10, seiner Anlagen, Nöte, Wünsche und Hoffnungen, Theologie also Anthropologie11, psychische Pathologie12. Um diesen Sachverhalt aufzudecken – denn um einen empirisch festzustellenden Sachverhalt handelt es sich dabei für F.–[,] um der Theologie, der Religionsphilosophie, der modernen, der protestantischen insbesondere, die nicht weiß, nicht wissen will, was sie tut, die Maske vom Gesicht zu reißen, die Nichtigkeit des Transzendenzanspruchs, den sie im Namen ihres Gegenstandes erhebt, aufzuweisen und andrerseits zu zeigen, daß dieser ihr Gegenstand, das Bewußtsein Gottes im Menschen nämlich, nichts Anderes ist, als das Bewußtsein der menschlichen Gattung13, um laut aufzurufen zur Befreiung von jahrtausendealten wohlgemeinten und einst ehrwürdigen, in ihrem Wesen aber, was nur das moderne Halbchrt. nicht zugeben will, le|8bensfeindlichen Illusionen14, zur resoluten Umkehr von der Lüge zur Wahrheit d. h. aber von den religiösen Subjekten zu den religiösen Prädikaten15, von Gott zur Welt u. zum Menschen, vom Glauben zur Liebe16, vom Himmel zur Erde, von Christus zu uns selbst17, von all den wesenlosen Gespenstern des Supranaturalismus zum wirklichen Leben – «Heilig sei uns darum das Brot, heilig der Wein, aber auch heilig das Wasser. Amen» (W. Chrt. 399)18, um seine Leser «aus Gottesfreunden zu Menschenfreunden, aus Gläubigen zu Denkern, aus Betern zu Arbeitern, aus Kandidaten d. Jenseits zu Studenten des Diesseits, aus Christen … zu Menschen, zu ganzen Menschen zu machen» (W. Rel. 170)19, dazu schreibt F. seine Bücher. F.’s theol. oder antitheol. Schriftstellerei hat eine Reihe von Merkmalen, an denen man sich bei einem Autor, der sich unterwindet[,] von den letzten Dingen unsres Daseins zu handeln, nur freuen kann: 1. Er hat nicht Vieles zu sagen, aber er hat Etwas zu sagen[,] und das beweist er damit, daß er Atem genug hat, es in tausend Wiederholungen immer wieder und doch eigentlich ohne den Leser zu ermüden[,] und daneben dann wirklich nichts Anderes zu sagen, dies Eine aber so, daß man hören und verstehen muß[,] was er meint. 2. Er schreibt nicht, weil er irgend etwas schreiben will, sondern weil etwas u. zw. gerade das geschrieben werden muß; es ist nicht Literatur, sondern es ist eine Verkündigung, die er s[einen] Lesern anbietet. «Ich kann eigentlich nur reden u. schreiben, wenn der Gegenstand mich in Affekt u. Begeisterung versetzt» (W. Rel. 1)20. 3. Er erweckt weder |9 durch systematische noch durch historische Aufbauten u. Entwicklungen den Anschein, als ob der Kern seiner Mitteilungen etwas Anderes wäre als ganz ehrlich eine Schau u. eine These, die sich in ihrer Entfaltung bewähren oder nicht bewähren muß, die aber in keiner Weise einer vorausgehenden Begründung bedarf. Darum gibt ihm s. Philosophie im Wesentlichen nur das dialektische Handwerkszeug u. s. histor. Wissen im Wesentlichen nur Beispiele an die Hand. Darum sagt er ungefähr auf jeder Seite das Gleiche, das Wesentliche, das Ganze, was er zu sagen hat. 4. Er ist ein ehrlicher Mann, der keinen Zweck zu kennen scheint als den, die Dinge beim Namen zu nennen, wie er sie sieht, auf die Gefahr hin, es dadurch «mit Gott u. der Welt zu verderben» (W. Chr. 30)21. Schon aus diesen formalen Gründen ist F. eine für die Theologie, die an solchen Profilen nicht eben reich ist, beachtenswerte Erscheinung. Er ist es aber noch mehr auf Grund des Inhalts seiner Aussage.

F. hat etwas entscheidend Richtiges gesehen: Was wir Rel., auch was wir Chrt. heißen, ist in der ganzen Breite seiner psychisch-historischen Erscheinung ein relatives, ein diesseitiges Phänomen. Keine von den Empfindungen, Handlungen u. Ideen[,] aus denen sich dieses Phänomen zusammensetzt, die nicht Zeugnis davon gäbe, daß es des Menschen Herz, Wille u. Verstand ist, der hier am Werke ist, daß es sich hier um eine menschliche Funktion handelt. Menschlich und darum natürlich, irdisch, erklärbar aus dem Zusammenhang der übrigen menschlichen Funktionen u. zw. so, daß eine eigentümlich religiöse Funktion bei genauer Analyse gar nicht übrig bleibt neben jenen, sondern überall durch die dünne Decke des vermeintlich Heiligen das Eigentliche, das Profane ganz deutlich durchschimmert, überall jenes, d. Heilige, als ein mehr oder weniger geschickter, nach F. s Meinung jedenfalls überflüssiger, ja gefährlicher Versuch sich darstellt, diesem, dem Profanen, durch Hypostasierung eine besondere Weihe zu verleihen. Man kann verschiedener Meinung sein darüber, wieweit es F. gelungen ist[,] diese Deutung des relig. Phänomens im Einzelnen zu erwahren. Nachzuweisen, wie grob er hier u. wie künstlich er dort vorgegangen ist, wäre eine leichte[,] aber auch uninteressante Aufgabe. Wichtig scheint mir allein die Frage, ob wir[,] bei allem Vorbehalt im Einzelnen, an seiner grundsätzlichen Einsicht vorbeikommen oder nicht. Und da ist meine Meinung die, daß |10 wir nicht daran vorbeikommen. Auch in der Religion, auch in der höchsten Religion, dreht sich der Mensch um sich selber[,] wie F. einmal sagt.22 Auch Frömmigkeit, auch die reinste Frömmigkeit ist ein menschliches Tun, und ihre Gedanken, auch ihre höchsten Gedanken, sind menschliche Gedanken. Kein Punkt innerhalb der ganzen wirklichen u. denkbaren menschlichen Empfindungs- u. Vorstellungswelt, der uns etwa als göttliche, als ewige Wahrheit und Realität direkt gegeben wäre. Gegeben ist er uns vielmehr als menschliche, als zeitliche Wahrheit u. Realität und nur als das. Gegeben aber bedeutet bedingt u. zw. (im weitesten Sinn gefaßt) naturbedingt; denn was nicht naturbedingt ist, das kann uns auch nicht gegeben sein. Keine religiöse Möglichkeit also, auch keine christliche Möglichkeit, die sich nicht als menschliche Möglichkeit d. h. in ihrer gänzlichen Verflochtenheit mit der Natur u. dem Wesen des Menschen, als eine von den bekannten Komponenten der Humanität erklären ließe. Keine Religion, auch keine christliche Religion außerhalb der Grenzen der Humanität23. Kein in der Gegebenheit der Religion begründeter Realitäts- u. Transzendenzanspruch. Diese Feststellungen sind verhängnisvoll für eine Christlichkeit und Theologie, die nun etwa gerade an der Gegebenheit der Religion orientiert sein, die gerade darin ihre Wahrheit suchen sollte, daß sie eine Angelegenheit des menschlichen Geistes, ein menschliches Bedürfnis u. eine menschliche Bewußtheit sei. Gerade als solche, gerade als menschlicher Erfahrungsinhalt, hat sie auch nur menschliche, nur diesseitige, nur natürliche Wahrheit. Das ists, was bei F. zu hören ist. Wer von Schleiermacher herkommt, wer die Frömmigkeit, das Chrt. als solches, als psych. hist. Phänomen nicht nur zum Anlaß, sondern zum Gegenstand s[einer] Theologie macht, der läuft der These F.’s unvermeidlich in die Arme, der sehe zu, was er antworte, wenn er hier beim Wort genommen und wenn nun das Kind, die Religion als menschliche Mög|11lichkeit[,] beim richtigen Namen genannt wird. Ich sehe also den Wert der These F.’s vor Allem darin, daß hier eine Sicherung eingeschaltet wird gegen die romantische Unbesonnenheit, die das, was von Haus aus diesseitig ist u. nur diesseitig sein kann, mit einem Schein von Jenseitigkeit umgibt und gerade dadurch faktisch auf das Jenseits verzichtet, gegen den Übermut der Religion, die sich selbst mit ihrem Gegenstand verwechselt. Als Antwort auf Schleiermacher mußte F.’s These kommen und als Antwort auf Ritschl[,] der den Fehler Schl.’s noch ins Groteske gesteigert hat, muß sie immer wieder kommen. Das Kind der Welt ist hier wie schon so oft klüger gewesen als die Kinder des Lichts [vgl. Lk. 16,8].

Meine Kritik an F. würde ich darin zusammenfassen, daß auch er nicht gewußt hat, was er tat. Er hat trotz der prophetischen Erbitterung[,] mit der er s. These unter die Pharisäer u. Schriftgelehrten warf, nicht gesehen, aus welcher Quelle sie eigentlich stammte. Er hat nicht gesehen, daß wir nur von einem höchst wahren, höchst realen Jenseits aus in der Lage sind, die Diesseitigkeit alles Menschlichen, auch der Religion, auch des Christlich-Religiösen so radikal einzusehen, wie er es tatsächlich getan hat. Sein wirklicher Standort war vielmehr ein recht platter, recht bürgerlicher, recht liberaler Glaube an den Menschen und seine Welt. Wenn F. seine Position aufdeckt, z. B. wenn er von der Liebe redet24, dann wird er sentimental, dann zeigen sich seine eigenen Illusionen, die 48er Illusionen25[,] könnte man sagen. F. sieht nicht die ungeheuren Voraussetzungen, die all dem[,] was er als menschl. Gegebenheit, als menschl. Akt beschreibt, nicht-gegeben, in echter Transzendenz gegenüberstehen. Er ist Optimist genug, um die Wahrheit, die Realität nun seinerseits in der des falschen Transzendenzanspruchs entkleideten immanenten Wirklichkeit zu suchen, in Brot, Wein u. Wasser[,] wie sie sind.26 Er glaubt unkritisch an die sog. Sinnlichkeit als an |12 ein vermeintlich Letztes.27 Ihm ist Gott einfach darum unsympathisch, weil er in ihm ganz mit Recht den großen Störefried des gemütlichen Festes wittert, das wir hienieden begehen. Darum gilt das Wort vom Balken im Auge [Mt. 7,3], das er so gerne angewandt hat28, auch von ihm selber: er hat seine theologischen u. philosoph. Gegner letzten Grundes doch mit Unrecht getadelt, insofern als auch er, wenn auch ehrlicher als sie, das eigentliche Problem der Jenseitigkeit im Chrt nicht gesehen hat. Am Auffallendsten zeigt sich das[,] wo er vom Tode des Menschen und vom Kreuz Christi redet.29 Den Hinweis auf den Gott, der jenseits dessen steht, was er als Jenseits mit Recht bestritt, den er in diesen beiden Punkten der menschl. Wirklichkeit hätte finden können u. müssen, hat er übersehen[,] und darum hat er schließlich das ganze christliche Dogma bei allem Ernst seines Nachdenkens u. bei allen Versuchen[,] sich hineinzufühlen, doch mißverstanden. Er hat menschliches Wünschen, Sehnen u. Meinen auch dort als das Letzte gesehen, wo sein tatsächliches Ende sichtbar wird und jenseits des Endes das Neue, das Andere, das nicht von dieser Welt ist. Er hat nicht gesehen, daß die Linien des anschaulichen Menschentums, die er oft so ergreifend zu schildern wußte, zusammenlaufen an dem unanschaulichen Ort jenseits aller Gräber, wo der neue Mensch steht. Er hat in seiner Polemik gezeigt, daß er an Gott glaubte, stärker als Schleiermacher, und in seinem Mangel an Radikalismus, daß er auch nicht an Gott glaubte. Er war eine fragwürdige[,] zweideutige Erscheinung wie wir Alle.

Die Überwindung u. Fruchtbarmachung der F.’schen Position würde ich also nicht etwa auf dem Weg des Versuchs einer direkten Widerlegung seiner These suchen. Sie dürfte an keinem Punkt direkt zu widerlegen sein. Sie ist nur zu widerlegen durch ihre Bejahung u. Verschärfung. Die Erscheinungswelt der Religion30 von ihren höchsten bis zu ihren tiefsten Punkten muß in ihrer menschlichen Bedingtheit erkannt werden. Ohne diesen Rückzug, ohne dieses Opfer ist der Ausblick auf die Realität des R[eiches] Gottes nicht zu gewinnen. Ohne durchgehende Relativierung des Menschen u. s[einer] Möglichkeiten keine Au|13gen u. Ohren für die Wirklichkeit Gottes. Ohne den ganzen Ernst des Todesgedankens kein Sinn für die Auferstehung. Aber eben der Todesgedanke muß die Norm der kritischen Negation sein, die gegenüber der Welt u. ihrer höchsten Blüte, der Religion, zur Anwendung gebracht wird. Der naive Humanitarismus F.’s ist nicht der Hebel[,] mit dem die Last, die hier zu bewegen ist, gehoben werden kann. Darum konnte F. keinen tieferen Eindruck hinterlassen, darum konnten die31 Theologen, die sein Votum so dringend notwendig hätten hören sollen, so leichten Kaufs an ihm vorbeikommen, darum ragt unter s. Schülern nur Einer wirklich hervor, Gottfried Keller, der die ganze Sentimentalität des 19. J[ahr]h[un]d[ert]s auf ihren wirklich klassischen Ausdruck gebracht hat.32

Im Lichte des Todesgedankens, den F. nie gedacht hat33, ist es nicht unmöglich, den Gedanken der Ewigkeit zu denken und darum Fragen nach Gott dort zu sehen, wo er nur menschliche Antworten gesehen hat. Die Aufgabe, die ich durch F. der Theol. gestellt sehe, ist eine Dogmatik u. Ethik, die es wagt, nach dem Vorbild der späten Scholastik die historischen Gegebenheiten des Chrts. zum Anlaß zu nehmen, die Frage nach Gott aufzuwerfen an den Grenzen der Humanität bewußt der Diesseitigkeit aller ihrer Setzungen[,] aber auch bewußt der Jenseitigkeit dessen[,] was sie bedeuten, eine D. u. Eth. also, [die es wagt,] wieder einfach u. ehrlich Problematik zu sein.34

Sachfußnoten

1
Vgl. die Einleitung zu «Über Kirche», oben S. 1f.↩
2
Bw.Th. II, S. 31 (23.1.1922). 📖↩
3
Erik Peterson (1890–1960), 1920 Privatdozent in Göttingen, ab 1924 Professor für Neues Testament und Kirchengeschichte in Bonn; 1930 Konversion zum Katholizismus, ab 1934 Professor für altchristliche Literatur und allgemeine Religionsgeschichte in Rom.↩
4
Bw.Th. II, S. 31. 📖↩
5
Fritz Lieb (1892–1970), nach Ordination fünfwöchiges Gemeindevikariat bei Barth in Safenwil, danach Arbeit an der Promotion zum Lic. theol. (1924) in Basel; seit 1930 a.o. Professor für Östliches Christentum in Bonn, ging nach seiner Entlassung 1933 ins Pariser Exil; 1934 a.o. Professor in Basel, 1946/47 o. Gastprofessor in Berlin, 1958 o. Professor in Basel. – Vgl. Bw.Th. II, S. 36 (11.2.1922) 📖.↩
6
Ebd 📖.↩
7
Barth zitiert nach der Ausgabe L. Feuerbach, Das Wesen des Christentums, Kritische Ausgabe, hrsg. von K. Quenzel (Reclams Universalbibliothek Bd. 4571–4575), Leipzig o. J. [1904] 📖 (im folgenden: W. d. C.) (auch in: ders., Sämtliche Werke, Bd. 7, Leipzig 18493 📖; im folgenden abgekürzt SW 7). Sein Exemplar trägt den Anschaffungsvermerk «Göttingen 1922».↩
8
Barth zitiert nach L. Feuerbach, Das Wesen der Religion. Dreißig Vorlesungen (Volksausgabe), hrsg. von H. Schmidt, Leipzig o. J. [1908] 📖 (im folgenden W. d. R.) (unter dem Titel: Vorlesungen über das Wesen der Religion. Nebst Zusätzen und Anmerkungen, in: ders., Sämtliche Werke, Bd. 8, Leipzig 1851 📖; im folgenden abgekürzt SW 8). Sein Exemplar trägt den Anschaffungsvermerk «Genf 1910».↩
9
Vgl. W. d. R., S. 3 📖 (SW 8, S. 6 📖): «Trotz dieses Unterschieds meiner Schriften haben aber alle streng genommen nur einen Zweck, einen Willen und Gedanken, ein Thema. Dieses Thema ist eben die Religion und Theologie und was damit zusammenhängt.»↩
10
Vgl. z. B. W. d. C., S. 80 📖 (SW 7, S. 51 📖): «… im Wesen und Bewußtsein der Religion ist nichts anderes, als was überhaupt im Wesen und Bewußtsein des Menschen von sich und von der Welt liegt.“ S. 69f. (SW 7, S. 40f.): «Die Religion, wenigstens die christliche, ist das Verhalten des Menschen zu sich selbst, oder richtiger: zu seinem Wesen, aber das Verhalten zu seinem Wesen als zu einem anderen Wesen. Das göttliche Wesen ist nichts anderes als das menschliche Wesen… – alle Bestimmungen des göttlichen Wesens sind darum Bestimmungen des menschlichen Wesens.»↩
11
W. d. R., S. 10 📖 (SW 8, S. 21 📖): «Die Theologie ist Anthropologie, d. h. in dem Gegenstande der Religion, den wir griechisch Theos, deutsch Gott nennen, spricht sich nichts anderes aus als das Wesen des Menschen …».↩
12
W. d. C., S. 26 📖 (Vorwort zur i. Auflage, in SW 7 📖 nicht abgedruckt; vgl. Originalausgabe Leipzig 1841, S. VI): «Hier in dieser Schrift nun werden die Bilder der Religion … als Bilder betrachtet, d. h. die Theologie wird weder als eine mystische Pragmatologie, wie von der christlichen Mythologie, noch als Ontologie, wie von der spekulativen Religionsphilosophie, sondern als psychische Pathologie behandelt.»↩
13
Vgl. z. B. W. d. R., S. 11 📖 (SW 8, S. 23 📖): Gott «ist vielmehr nur der vergegenständlichte und personifizierte Gattungsbegriff der Menschheit».↩
14
Vgl. etwa W. d. C., S. 319 📖 (SW 7, S. 290 📖): «Ein besonders charakteristischer Kunstgriff und Vorteil der christlichen Sophistik ist die Unerforschlichkeit, die Unbegreiflichkeit des göttlichen Wesens. Das Geheimnis dieser Unbegreiflichkeit ist nun aber … nichts weiter, als daß eine bekannte Eigenschaft zu einer unbekannten, eine natürliche Qualität zu einer über-, d. h. unnatürlichen Qualität gemacht und eben dadurch der Schein, die Illusion erzeugt wird, daß das göttliche Wesen ein anderes als das menschliche und eben deswegen ein unbegreifliches sei.»↩
15
Z. B. W. d. C., S. 80 📖 (SW 7, S. 51 📖): «Wenn aber Gott als Subjekt das Bestimmte, die Qualität, das Prädikat aber das Bestimmende ist, so gebührt ja in Wahrheit dem Prädikat, nicht dem Subjekt der Rang des ersten Wesens, der Rang der Gottheit.»↩
16
Vgl. bes. W. d. C., S. 360–388 📖 (SW 7, S. 331–360 📖).↩
17
Vgl. bes. W. d. C., S. 226–238 📖 (SW 7, S. 197–209 📖).↩
18
SW 7, S. 371. 📖↩
19
SW 8, S. 370. 📖↩
20
SW 8, S. 5. 📖↩
21
«Ich habe es durch diese Schrift mit Gott und Welt verdorben» (SW 7, S. 5 📖).↩
22
Vgl. W. d. C., S. 280 📖 (SW 7, S. 251 📖): «Wie der Mensch in der Entfernung von sich, in Gott immer wieder nur auf sich selbst zurückkommt, immer nur sich um sich selbst dreht, so kommt der Mensch auch in der Entfernung vom Diesseits immer wieder zuletzt auf dasselbe zurück.»↩
23
Anspielung auf P. Natorp, Religion innerhalb der Grenzen der Humanität. Ein Kapitel zur Grundlegung der Sozialpädagogik, Freiburg i.Br./Leipzig 1894 📖; daran anknüpfend E. Brunner, Die Grenzen der Humanität. Habilitationsvorlesung an der Universität Zürich (SgV 102), Tübingen 1922 📖 (wieder abgedruckt in: Anfänge I, S. 259–279 📖).↩
24
Vgl. bes. W. d. C., S. 360–388 📖 (SW 7, S. 331–360 📖).↩
25
Die Vorlesungen über «Das Wesen der Religion» hielt Feuerbach im Revolutionsjahr 1848 in Heidelberg.↩
26
Vgl. bes. W. d. C., S. 346–359.395–399 📖 (SW 7, S. 317–331.367–371 📖). «Das Fest der Wassertaufe flößt uns Dankbarkeit gegen die Natur ein, das Fest des Brotes und Weines Dankbarkeit gegen den Menschen. Wein und Brot gehören zu den ältesten Erfindungen. Wein und Brot vergegenwärtigen, versinnlichen uns die Wahrheit, daß der Mensch des Menschen Gott und Heiland ist» (S. 398 bzw. 369).↩
27
Vgl. etwa W. d. C., S. 114.302f. 📖 (SW 7, S. 85.273f. 📖).↩
28
Dieses Wort konnte bei Feuerbach nicht nachgewiesen werden.↩
29
Vgl. bes. W. d. C., S. 126–134.263–282 📖 (SW 7, S. 97–105.235–253 📖).↩
30
Vgl. den Titel des Artikels von E. Lehmann: «Erscheinungswelt der Religion (Phänomenologie der Religion)», in: RGG1, Bd. II, Sp. 497–577 📖.↩
31
Mskr.: «… konnten sich die …»; Streichung vom Hrsg.↩
32
G. Keller studierte 1848–1850 in Heidelberg, vor allem bei Feuerbach. Einige auf Feuerbach hindeutende Spuren im Werk Kellers erwähnt Barth in: Ludwig Feuerbach. Fragment aus der im Sommer 1926 zu Münster gehaltenen Vorlesung über die Geschichte der neueren Theologie, Th. u. K., S. 213–215.219.229 📖 (zuerst in: ZZ, Jg. 5, 1927, S. 12f.16.25 📖)↩
33
Barth macht sich wohl schon hier – wie es dann in Th. u. K., S. 237 📖 (ZZ, Jg. 5, S. 31 📖; vgl. oben Anm. 32) ausdrücklich geschieht - die Kritik H. Ehrenbergs zu eigen, der (L. Feuerbach, Philosophie der Zukunft, hrsg. und erläutert von H. Ehrenberg, Stuttgart 1922, S. 94 📖) Feuerbach als «getreues Kind seines Jahrhunderts» einen «Nichtkenner des Todes» und «Verkenner des Bösen» nennt.↩
34
Unten auf der letzten Seite des Mskr. sind die Geburtsjahre von 27 Theologen des 19. Jahrhunderts notiert.↩