Anhang Nr. 20 · 19. Juni 1931

Friedrich Wilhelm Schmidt an Karl Barth

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Anhang 20

[Brief von Prof. D. Friedrich Wilhelm Schmidt, Münster, an K. Barth (Orig. im Karl Barth-Archiv):]

Prof. D. Fr. W. Schmidt
Münster i. W., Sertürnerstr. 25

Verehrter, lieber Herr Barth!

Ich komme soeben aus dem Kolleg und finde Ihren Brief vor, für den ich Ihnen der Klärung der Sache wegen doppelt dankbar bin. Denn meine Verwunderung ist nicht geringer als Ihre.

Soll ich mehr staunen über Bultmanns Zweifel, ob ich «richtige» Informationen gegeben habe, oder über das totale Mißverständnis der Sachlage? Ich habe den Marburgern speziell überhaupt nie eine Information gegeben. Ich habe auf dem Breslauer Dekanentag mich auf eine Frage des Vorsitzenden Hans Schmidt geäußert und dabei Ihren Na|259men überhaupt nicht genannt. (Ich bemerke noch, daß Bultmann ja nicht in Breslau war, sondern Bornhäuser Marburg vertrat). Es handelte sich um ein Schreiben unserer Fakultät durch Stählin* zum Kirchenvertrag im letzten Sommer, das einem Teil der Fakultäten nicht zugegangen war. Den Grund dieser ungleichmäßigen Mitteilung (ob St. nur an preußische Fakultäten geschrieben hatte?) konnte ich in Breslau nicht angeben. Auch hatte ich dort das Schriftstück nicht zur Hand, kannte zwar seine allgemeine Tendenz, aber nicht alle Einzelheiten in jenem Augenblick. Es handelte sich darum, ob eine Berufung geheimgehalten werden könne solange, als bis nach der Zuschrift des Ministeriums an einen Professor die Kirche befragt sei und sich geäußert habe.

Das ist der tatsächliche Hergang. Ich wiederhole: Ihren Namen habe ich in diesem Zusammenhang überhaupt nicht in den Mund genommen, Sie in Breslau mit keiner Silbe erwähnt. Ihre Vermutung eines völligen Mißverständnisses ist also völlig zutreffend.

Hoffentlich geht es Ihnen Allen gut, was auch von uns (von Erkältungen der Kinder abgesehen) gilt. Ich habe ordentlich Hörer im Kolleg und Seminar, mache meine Wege ohne Begleitung und unternehme manchen schönen Radausflug ins Münsterland.

Demnächst sende ich Ihnen einen Vortrag über «Die theologische Begründung der Ethik»1, der Sie vielleicht interessiert.

Viele herzliche Grüße von Haus zu Haus
Ihr Fr. W. Schmidt

* Stählin war darum beauftragt, weil er eine entsprechende Sitzung in Berlin mitgemacht hatte (Mai 1930).

Sachfußnoten

1
Fr. W. Schmidt, Die theologische Begründung der Ethik, Gütersloh 1931. 📖 ↩