Hochverehrter Herr Professor!
Während der Ferien schrieb Ihnen mein Kommilitone und 2. Vorsitzender unserer
Marburger Theologenschaft unsere Bitte,
den Vortrag über die Kirchenfrage in der Gegenwart zu übernehmen, die von Ihnen leider
negativ beschieden wurde. Aus Ihrer Begründung schien zu sprechen, daß Sie den Eindruck
hätten, es handele sich nur oder auch nur vorwiegend um den Wunsch, Ihre Person nun auch
einmal in Marburg zu haben. Gerade aber
solchen Sensationswünschen, wie sie natürlich auch zu Zeiten aus unseren Reihen geäußert
wurden, steht der Vorstand der Theologenschaft durchaus ablehnend gegenüber. Gerade,
weil diese Gefahr bestand, hatte sich die Theologenschaft damals erst nach langem Zögern
entschlossen, sich doch mit ihrer Bitte an Sie zu |227 wenden.
Die Vortragsreihe über die Kirche, wie sie zu den verschiedenen charakteristischen
Zeiten gesehen wurde, verlangte von uns eine Wahl der Referenten streng nach der — so
weit für uns in Fühlung mit unseren hiesigen Dozenten feststellbar — sachlichen Eignung.
Das ist auch der Grund, weshalb wir nach Ihrer Absage weitere Versuche bisher
unterlassen haben. Eine Aussprache mit meinem Bundesbruder Hans-Erich Heß und mit Herrn Prof. D. Bultmann,
der Ihnen auch noch selbst schreiben wollte, veranlaßt mich, mich doch noch einmal im
Interesse der sachgemäßen Durchführung unserer Vortragsreihe mit der eindringlichen
Bitte an Sie zu wenden, den betreffenden Vortrag zu übernehmen. Die Formulierung des
Themas, wie ich sie oben angegeben habe, scheint mir allerdings unzureichend, es handelt
sich eben darum, zu sehen, worauf es heute in unserer Lage ankommt, wenn wir von Kirche
sprechen. Als Zeitpunkt kommt, wie Ihnen wohl schon damals mitgeteilt, Ende Februar in
Frage. Dürfen wir mit baldiger Antwort rechnen?
Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr sehr ergebenerWolfgang Friedrich, stud. theol.
1. Vorsitzender d.
TheologenschaftForsthof, Ritterstr. 16