Brief Nr. 47 · 1. Mai 1927

Rudolf Bultmann an Karl Barth

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Lieber Herr Barth!

Ich war vor Vorlesungsbeginn noch einige Tage auf Reisen, daher erst heute die Antwort. Den Fall Th[urneysen] in Tübingen anzubringen, wäre wohl nicht aussichtslos; aber ob die Sache sich dort schon zum Jubiläum machen läßt, ist mir doch fraglich. Ich vermute, daß es dort mit der Liste nicht anders steht als bei uns. Indessen würde ich es ruhig versuchen, wenn K. L. Schmidt aus Jena mitteilt, daß die Sache dort auch nicht in Bälde zu machen ist. Ich bat ihn um Auskunft darüber; aber er wird Ihnen ja auch direkt schreiben oder schon geschrieben haben. — Für den übrigen Inhalt Ihres Briefes herzlichen Dank! Wir werden ja wohl fürs erste so verfahren müssen, wie Sie sagen; und es ist schön, daß das in gegenseitigem Vertrauen geschieht. Ein persönliches Zusammentreffen würde ich gleichwohl begrüßen. Was haben Sie für Sommerpläne? Meine Frau wird mit den Kindern Anfang August für 6 Wochen nach Langeoog fahren, und ich bleibe allein zu Hause, um ungestört arbeiten zu können. Würden Sie nicht in dieser Zeit (etwa auf dem Wege in die Schweiz) bei mir hereinsehen können für ein paar Tage? Im Oktober fahre ich wahrscheinlich noch für 14 Tage nach Oldenburg; vielleicht ließe es sich einrichten, daß ich einen Weg über Münster nehme.

Alles Gute für das Semester, in das ich meinesteils ἐν φόβῳ καὶ |74 ἐν τρóμῳ1 hineingehe. Übrigens haben wir zufällig das gleiche Thema im Seminar!2

Herzliche Grüße von Haus zu Haus!
Ihr
R. Bultmann

Sachfußnoten

1
Vgl. 1.Kor. 2,3; auch 2.Kor. 7,15; Eph. 6,5; Phil. 2,12.↩
2
Sommersemester 1927. Barth: Lektüre des Galaterbriefes an Hand der Kommentare Luthers und Calvins, 2stündig. Bultmann: Luthers Kommentar zum Galaterbrief, 2stündig.↩