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Vielen Dank für Ihre Karte. Wie schlimm es mit der ‹Götterdämmerung› sein wird, ist mir
zweifelhaft. Ich fürchte, viele werden (wie Rade) sagen: das Wesentliche davon haben wir ja immer schon gesagt, und das
Übrige, was ver[kehr]t1 ist, kann man ignorieren. Von den Alten ist nicht viel zu erwarten.
— Ihren Besuch habe auch ich in guter Erinnerung. Meinerseits kann ich in diesen Ferien
leider doch nicht mehr nach Göttingen kommen.
Bisher war ich teils durch meine Familie, teils durch notwendige Arbeiten festgehalten. Am
22. muß ich zu einem Vortrag nach Breslau
fahren; ich treffe dort mit Gogarten zusammen
und hoffe, auf der Rückfahrt noch 2 Tage bei ihm in Stelzendorf zu sein. Ich gebe aber den Plan nicht auf, früher oder später
einmal 8–14 Tage in Göttingen zu arbeiten;
freilich geht es natürlich erst nach dem Sommer-Semester. — Können Sie mir einen Rat
geben? Die Theologenschaft dachte daran, Ragaz2 um einen Vortrag im Sommer-Semester zu bitten. Würde er
kommen? und hat es überhaupt Zweck? ist er zu alt oder darf man erwarten, daß er für
unsere Studenten die grundsätzlichen Fragen so erörtern würde, daß eine fruchtbare
Aussprache ermöglicht würde? Wenn Sie abraten, so können Sie vielleicht einen andern
Vertreter seiner Anschauung nennen, den zu hören gewinnreich wäre. Für baldige Antwort
wäre ich Ihnen sehr dankbar.
34 Daß Sie in Bethel mit Schlatter auftreten werden, kann interessant werden.
Geben Sie nur der Luth. Kirchenzeitung keinen Anlaß zu Triumphen! — Auf meinen
Joh-Kommentar bin ich selbst gespannt. Im nächsten Heft der Zeitschr. f. neutest.
Wissensch. wird ein Aufsatz von mir über das Problem der Ethik bei Paulus erscheinen, der Ihnen zeigen kann, wie ich
zurechtzukommen versuche.3
Mit herzlichen Grüßen