Brief Nr. 1 · 11. Juni 1911

Rudolf Bultmann an Karl Barth

3

1

Lieber Herr Barth!

Herzlich habe ich mich gefreut über die Nachricht Ihrer Verlobung.1 Meiner Mitfreude und meiner treulichen Wünsche will ich Sie nur kurz versichern, ohne sie in das Gewand heidnischer oder christlicher Diatribe zu kleiden, — wozu ich versucht sein könnte.2 Ich will nur noch hinzufügen, daß Wunsch und Freude auf dem Verständnis für Ihr Glück beruhen. Auf vollem Verständnis — darf ich nicht sagen; denn Sie würden es mit Recht bezweifeln. Aber doch auf soviel, wie ein in die Einsamkeit gebannter Freund es aufbringen kann; und das ist nicht wenig. — Wenn es dessen noch bedürfte, so könnte dieser Vergleich Sie das Maß Ihres Glücks noch mehr ermessen lassen; so aber mag er Ihnen wenigstens meine Teilnahme bezeugen!

Mit herzlichem Gruß
Ihr
Rudolf Bultmann

Sachfußnoten

1
Mit Nelly Hoffmann am 16.5.1911 in Genf.↩
2
Vgl. die Marburger theologische Dissertation von R. Bultmann, Der Stil der paulinischen Predigt und die kynisch-stoische Diatribe (FRLANT 13), Göttingen 1910 (Nachdruck der 1. Auflage mit einem Geleitwort von H. Hübner, Göttingen 1984). 📖↩