1935

Vorwort [zu: Das Bekenntnis der Reformation und unser Bekennen]

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Vorwort
[zu: Das Bekenntnis der Reformation
und unser Bekennen]

1935

Dieses Vorwort ist am Tag nach Barths Rückkehr aus St. Gallen geschrieben, wo er den im Heft enthaltenen Vortrag am 24. September 1935 an der 80. Jahresversammlung des Schweizerischen reformierten Pfarrvereins gehalten hatte.1

Barth war bis zum Mittwoch, 25. September, in St. Gallen, wo er am Vormittag noch den Vortrag Hermann Kutters hörte, den er in diesem Vorwort für das nächste Heft ankündigt. Erst «spät Abend» war er wieder in Basel und berichtete dort von dem «Krach […] mit den Reformern», den sein Vortrag und vor allem das am Ende der ihm folgenden Diskussion gehaltene Schlusswort ausgelöst hatten.2

Am darauffolgenden Tag muss Barth – Notizen dazu sind ebenso wenig erhalten wie Vorarbeiten zum Text – zwischen den Terminen und vielen Besuchen, die Charlotte von Kirschbaum für diesen Tag notierte,3 Zeit gefunden haben, das Vorwort niederzuschreiben oder zu diktieren.

Der einzige Abdruck erfolgte in: K. Barth, Das Bekenntnis der Reformation und unser Bekennen (ThExh 29), München 1935, S. [3] 📖.

Vorwort

Der in diesem Heft abgedruckte Vortrag «Das Bekenntnis der Reformation und unser Bekennen» wurde gehalten am 24. September 1935 in der Versammlung des Schweizerischen reformierten Pfarrvereins in der St. Mangenkirche zu St. Gallen. Ich füge hinzu mein Schlusswort |171 in der diesem Vortrag folgenden Diskussion. Das nächste Heft bringt eine beim selben Anlass vorgetragene Arbeit von Pfarrer Hermann Kutter, jun. (Bruggen, Kanton St. Gallen): «Die Stellung der Kirche in der Volksgemeinschaft».4

Man sieht: Es handelt sich um dieselben großen Fragen, die nun seit zweieinhalb Jahren die deutsche evangelische Kirche bewegen. Sie sind aber hier ganz im Licht und auch im Schatten der besonderen schweizerischen Voraussetzungen behandelt. Diese Besonderheit ist für die Veröffentlichung auch in Äußerlichkeiten nicht unterdrückt worden, sondern die Hefte geben genau das wieder, was nun eben in diesem Raume zu diesen Dingen gesagt wurde und gesagt werden musste. Die Leser in Deutschland werden darin nicht nur eine Zumutung erblicken und sie werden auch an diesen Heften nicht nur historisches Interesse nehmen. Die Erkenntnisse und Erfahrungen des deutschen Kirchenkampfes und darüber hinaus die der ganzen Kirche Jesu Christi gestellten Fragen und geschenkten Antworten werden ihnen ja in eigentümlich abgewandelter Form auch hier begegnen. Und ich denke, dass die Teilnahme an den Gegebenheiten, Nöten, Problemen und Möglichkeiten einer zunächst so anderen, ja teilweise fremden Situation, wie es die schweizerische für den Deutschen zunächst ist, angesichts der Einheit der geistlichen Voraussetzungen den Einen und Anderen gerade mitten in den Sorgen und Kämpfen der eigenen, deutschen Lage lehrreich, tröstlich und befreiend sein kann. Denn es ist hie kein Unterschied … (Röm. 3,23–24).

K[arl] B[arth]

Sachfußnoten

1
Zum Vortrag und den Diskussionen in St. Gallen vgl. oben, S. 109–169.↩
2
Taschenkalender Charlotte von Kirschbaums, Eintrag vom 25.9.1935.↩
3
A.a.O., Eintrag vom 26.9.1935: «Karl hat erste Fakultätssitzung. Ich gehe auf die Fremdenpolizei. Mittags Karls Mutter und Ernst Sartorius da. Nachm[ittags] Pfr. Walter aus Genf und Frau und dazwischen noch Dr. Emmerich aus Karlsruhe, ein geflüchteter Jude.»↩
4
H. Kutter, Die Stellung der Kirche in der Volksgemeinschaft (ThExh 30), München 1935 📖.↩