VII
VORWORT
Mit der Vorlesung «Die Theologie Zwinglis», gehalten im Anschluß an die Vorlesungen über den Heidelberger Katechismus (1921/22) und Calvin (1922)1 und vor der Vorlesung über die
reformierten Bekenntnisschriften (1923)2, suchte Karl Barth auf der Göttinger Professur für Reformierte Theologie
im Wintersemester 1922/23 seinem Lehrauftrag zu entsprechen. Dieser lautete: «Einführung in das reformierte Bekenntnis, die reformierte Glaubenslehre und das reformierte Gemeindeleben.»3 Die theologiegeschichtlichen und dogmatischen
Vorlesungen ergänzte Barth während seiner Göttinger Lehrtätigkeit mit exegetischen Vorlesungen über den Epheserbrief (1921/22), den Jakobusbrief (1922/23), 1. Korinther 15 (1923), den 1. Johannesbrief
(1923/24), den Philipperbrief (1924), den Kolosserbrief (1924/25) und die Bergpredigt (1925).
Innerhalb des Vorlesungszyklus über die Grundlagen der reformierten Theologie entspricht es einer inneren Logik, daß Barth seiner Beschäftigung mit Calvin die Auseinandersetzung mit Zwingli folgen ließ. Für den Schweizer Barth kam noch ein weiteres Moment hinzu,
gerade Zwinglis Theologie im lutherisch geprägten Göttingen zur Sprache zu bringen. Er wollte seinen Studenten,
deren Vorverständnis zumeist durch das lutherische Zwingli-Urteil bestimmt war, mit Zwingli den genuin schweizerischen Repräsentanten der
reformierten |VIII Wendung der Reformation vermitteln.4
In diesem Sinn formulierte Barth Anfang 1922 in einem Göttinger Vortrag «Die kirchlichen Zustände in der Schweiz»: Zwingli sei der Prototyp und das Ideal des schweizerischen Pfarrers,
da in ihm der zu den typischen Schweizern zählende «fromme[,] aber weltoffene Volksmann»5 begegne. Ähnlich urteilte Barth bereits 1918: Die Kirche «bekommt Zwingli - und er wird unter ihren Händen zum Prototyp des freisinnigen Pfarrers …».6
Und in einem Brief an Eduard Thurneysen
ist im gleichen Jahr mit kritischem Unterton zu lesen: «Wir hatten z. B. wieder eine
Kirchenpflegesitzung mit einem Referat über Zwingli …, wobei mir klar wurde, daß mir dieser Prototyp des Reformpfarrers [= liberalen Pfarrers] eigentlich auch sehr fern ist.»7 Mit diesem ambivalenten Vorverständnis kündigte Barth für das Wintersemester 1922/23 die vierstündige Vorlesung «Die Theologie Zwinglis» an, die er im Zeitraum vom
2.11.1922 bis
27.2.1923 in 46 Vorlesungsstunden jeweils am Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag vor ungefähr 20 Hörern hielt.8 Das Originalmanuskript, im Karl Barth-Archiv in Basel aufbewahrt, besteht aus 63 einfachen Blättern und 55 gefalteten Doppelblättern im
Querformat 22,5 × 18 cm, auf denen durch einen Knick ein breiter Rand für Korrekturen und Zusätze freigehalten ist. Abgesehen vom letzten Blatt sind alle Blätter auf beiden bzw. auf allen vier Seiten mit olivschwarzer Tinte beschrieben.
Barth hat sich im Verlauf der Vorlesung in dreifacher Hinsicht intensiv mit Zwingli auseinandergesetzt. Zum einen bietet er, an der Göttinger Fakultät geschickt gewählt, in § 1 («Zwingli im Urteil des Luthertums») eine
ausführliche Darstellung des Zwingli-Bildes im |IX Neuluthertum und diskutiert dieses kritisch. Weiterhin rückt im § 4 über den Abendmahlsstreit zunehmend Luther und seine Abendmahlslehre
in den Mittelpunkt der Darstellung. Schließlich befindet sich Barth in einem lebhaften Ringen mit Zwingli, in dem neben Anerkennung vielfach auch Kritik wahrzunehmen ist.
Ein Blick auf die Voraussetzungen Barths gegenüber seinem Stoff ergibt folgendes Bild: Im Vorfeld seiner Vorlesung erhielt die Zwingli-Forschung 1919 durch zahlreiche Beiträge, die im Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr der Zürcher Reformation erschienen, neuen
Auftrieb. Allerdings führt Barth in der Vorlesung nur selten eine Diskussion mit der neueren Zwingli-Literatur.9 Die Originalität seiner Zwingli-Interpretation tritt besonders dann zutage, wenn man die ihm vertraute Zwingli-Forschung des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts betrachtet.10 Es standen, sich gleichermaßen auf Zwingli berufend, einander die liberale Zwingli-Interpretation und das Zwingli-Bild der schweizerischen Religiös-Sozialen gegenüber. Im Liberalismus wurde Zwingli als Heros der Freiheit
gegenüber jeder heilsinstitutionellen Bindung sowie als Förderer der Moral und Gesinnungsethik hervorgehoben. Seinem fortschrittlichen volkserzieherischen Wirken zur Bildung der
religiös-sittlichen Persönlichkeit wurde eine große Bedeutung für die Gestaltung der Gegenwart zugemessen. Besonders Emil Egli und Walther Köhler galten als die maßgeblichen liberalen Zwingli-Forscher, die Zwinglis
soziales Engagement, die Verbindung von Antike und Christentum und seinen Humanismus herausgearbeitet haben. Gegenüber dieser historisch orientierten Interpretation trat die Untersuchung des
theologischen Charakters von Zwinglis Denken in den Hintergrund. Die Religiös-Sozialen rekurrierten vor allem auf Zwinglis öffentliches politisches |X Eintreten für soziale Gerechtigkeit. Dieses Zwingli-Bild prägte in besonderer
Weise Leonhard Ragaz in seiner prophetischen Theologie als Pfarrer, Professor und politischer Akteur.11 Barth räumte rückblickend auf seine Safenwiler Zeit ein, daß sein Zwingli-Bild in erster Linie von den Religiös-Sozialen
beeinflußt gewesen sei. Insbesondere das praktische Beispiel Zwinglis, dessen Auffassung vom rechten Hirten der Gemeinde, der auch als Volkstribun, Politiker und Anwalt der Arbeiter agiert, hatte Barth nach eigenem Bekunden wie andere
Schweizer Pfarrer 1915 zum Eintritt in die sozialdemokratische Partei (SPS) bewogen.12 Zwingli erschien Barth in
jenen Jahren wie ein «gigantischer, nicht-sentimentaler, nicht-hysterischer, nicht-antiintellektualistischer Ragaz»13 - also wie ein großartiger Weltverbesserer -, in dem Reformation und Humanismus eine Verbindung eingegangen seien. Doch diese Nähe zum religiösen
Sozialismus und seinem Zwingli-Bild lag 1922/23 als überwundenes Stadium seiner eigenen theologischen Genese hinter Barth. Nun war es Zwinglis Theologie, der sein Interesse galt.
Nachdem sich Barth bereits in seiner Calvin-Vorlesung mit Zwingli und dessen Verhältnis zu Luther beschäftigt hatte14, arbeitete er sich
kurz vor Beginn des Semesters vertieft in die Quellen und Literatur zu Zwingli ein. Im Brief an Thurneysen klagt er: «Zwingli [steht] vor mir wie eine überhängende Wand.»15 Lediglich mit einem fertiggestellten § 1 begann er die Vorlesung, so daß er den weiteren Stoff während des Semesters unmittelbar vor den Kollegstunden konzipieren mußte. Durch die
Lektüre der lutherischen Zwingli-Darstellungen wurde er auf die erheblichen Differenzen zwischen Zwingli und Luther und auf die unbefriedigende Zwing|XIli-Rezeption im Neuluthertum - er nennt sie im Brief an Gogarten ein «Vernichtungsfeuer» - aufmerksam. Zugleich bekennt er an gleicher Stelle, sein
eigenes theologisches Anliegen in der zwinglischen Theologie durchaus wiedererkennen zu können, und berichtet über eine gewisse «Ur-Disposition» für Zwingli als auch die Notwendigkeit, ihm von Amts wegen gerecht zu
werden. Einschränkend heißt es aber auch: «Wer weiß, ob ich, wenn ich nicht auf dem reformierten Lehrstuhl säße, mich hinreißen ließe, mit zu schimpfen.»16
Wie schon in der Calvin-Vorlesung änderte Barth auch im Verlauf der Zwingli-Vorlesung sein Konzept. Noch am
8.12.1922, gegen Ende von § 3 («Zwinglis Leben»), plante er, vor der Darstellung von Zwinglis Ende 1531 drei weitere Abschnitte
einzufügen: erstens Zwinglis allgemeine literarische Produktion in den Jahren der Durchsetzung der Reformation, zweitens Zwinglis Kampf mit den Wiedertäufern und drittens Zwinglis Abendmahlsstreit mit Luther.17
Tatsächlich weitete er den Abschnitt über den Abendmahlsstreit zu einem umfangreichen § 4 aus, in dem zahlreiche Schriften Zwinglis, Luthers und anderer Akteure der Reformation in Zitaten und
Paraphrasen Eingang fanden. Entgegen seiner Ankündigung, das Problem der Auseinandersetzung mit Luther nicht in seiner ganzen Breite aufrollen zu können, nimmt § 4 nahezu die Hälfte der gesamten Vorlesung ein.18 Ende Januar 1923 äußert er im Rundbrief:
«Meine Zwingli-Vorlesung ist in ein kritisches Stadium getreten. Ich behandle mit ausgebreitetstem Apparat den Abendmahlsstreit und werde wahrscheinlich … endgültig darin steckenbleiben.»19 So blieb für § 5 («Zwinglis Ausgang») nur noch eine Vorlesungsstunde, in der er eine vorwiegend auf das Militärische begrenzte Beschreibung von Zwinglis Lebensende in der Schlacht bei Kappel
bot.
XII Barths Rezeption der Theologie Zwinglis
endete mit einer Enttäuschung, die er im Rückblick sogar als «Katastrophe … mit Zwingli»20 bezeichnet. Wirft man einen Blick in seine Briefe aus dem Winter 1922/23, so läßt
sich aus ihnen eine deutliche Veränderung des Urteils über Zwingli zum Negativen hin ablesen. Rückblickend schreibt er nach Semesterende an Martin Rade: «Ich erlebte … das Fatale, daß ich mitten im Semester ein wesentlich
anderes, ungünstigeres Bild von dem Manne bekam, als ich am Anfang meinte ankündigen zu dürfen …»21 Zu Semestermitte kennzeichnete er die zwinglische Reformation noch als «eine Möglichkeit, erwünscht und dienlich»22, um gegen Stange
und Hirsch
ausgespielt zu werden.23
Vor allem im Verlauf der Darstellung des Abendmahlstreites nimmt die Kritik an Zwingli - für ihn selbst überraschend und ernüchternd - in der Weise zu, daß er das Ende der Zwingli-Vorlesung geradezu sehnsüchtig erwartete.24 Schon nach wenigen Wochen schreibt er seiner Mutter Anna Barth: «Die Jakobusbriefvorlesung macht mir mehr Freude.»25 Später meldet er an Thurneysen, er habe «die Freudigkeit zu Zwingli wirklich etwas verloren»26. Und im Rundbrief bilanziert er, daß man Zwingli, der den notwendigen Einwand gegen Luther vorgebracht habe, historisch kaum als eigenständigen Reformator, sondern
nur im Zusammenhang der ganzen Reformation als eine Möglichkeit unter vielen gelten lassen könnte. Sein Resümee lautet: «Er war wirklich kein großer Geist …», sondern nur
eine «‹religiöse Persönlichkeit›», die «für den Bedarf der deutschen Schweiz sicher ganz erfreulich und genügend» gewesen sei. Barth entdeckte an Zwingli das vorgebildet, was er dem
Neuprotestantismus theologisch zum Vorwurf machte: «… ein fade schmeckender pathetischer Spiri|XIIItualismus, offenkundige Versöhnung von Glauben und Wissen, Religion als Erfahrung,
grundsätzliche Eskamotierung des Wunders, gänzliche Verwechslung von Erkenntnis und Aufklärung …»27 So hielt er ein Jahr später das mögliche Urteil des Historikers für plausibel, Zwingli im Ganzen der Reformation einen Ort «irgendwo in der Mitte des fatalen Dreiecks von
mittelalterlichem Reformkatholizismus, Humanismus und Schwärmertum anzuweisen»28. Wenn auch Barth angesichts von Zwinglis «De providentia» bemerkt, daß sich gegen Ende der Vorlesung «die Kurve der Betrachtung … doch noch einmal … zu seinen Gunsten gebogen»29 habe, kam er doch zu dem Urteil, daß Zwinglis aristotelisch
beeinflußte Theologie einerseits in einer Linie mit Thomas v. Aquino
und Schleiermacher
und andererseits an der Spitze des spiritualistischen Zweiges der Reformation stehe.30 Jedenfalls mußte er im Verlauf des Semesters feststellen, daß seine Absicht enttäuscht wurde, in Zwingli und der von ihm repräsentierten reformatorischen Möglichkeit ein
religiös-soziales bzw. ethisches Korrektiv zu entdecken, das er zur Ausarbeitung seiner eigenen Theologie in Anspruch nehmen konnte. Trotz der moderateren Voten gegen Ende der Vorlesung nahm Barth davon Abstand, sich alsbald
erneut mit Zwingli zu beschäftigen, so daß er seine Zwingli-Vorlesung vorerst als Umweg auf seinem theologischen Weg verstehen mußte.31 Indes vermögen die Spuren, die seine Beschäftigung mit Zwingli zumindest indirekt in den späteren dogmatischen und ethischen Texten hinterlassen hat, Gegenteiliges nahezulegen.
XIV Die Schriften Zwinglis und seine Korrespondenz standen Barth in der Ausgabe «Huldreich Zwingli’s Werke. Erste vollständige Ausgabe durch Melchior Schuler und
Joh. Schulthess», Zürich 1828ff. (S)
📖 zur Verfügung. Für die zahlreichen Luther-Zitate und -Verweise nutzte er die Erlanger Luther-Ausgabe «Dr. Martin Luthers sämtliche Werke», Bde. 1-67, Erlangen 1826ff. (EA)
📖32 sowie für die Briefe die Ausgabe «Dr. Martin Luthers sämtliche Werke.
Briefwechsel», bearb. von E. L. Enders, Bde. 1-18, Calw/Stuttgart 1884ff.
📖 Die Stellenangaben von Barths Zwingli- und Luther-Zitaten werden im Apparat durch die heute üblichen Stellenangaben aus dem Zwingli-Teil des Corpus Reformatorum (CR LXXXVIIIff.,
zitiert als Z 1ff.)
📖 bzw. aus der Weimarer Ausgabe (WA
📖 einschließlich WA.B
📖 und WA.TR
📖) dokumentiert. Dabei ist darauf hinzuweisen, daß die von Barth wiedergegebenen Zitate im
Wortlaut und in der Orthographie so belassen wurden, wie er diese entweder in seinen Quellen - insbesondere in S und EA - vorgefunden oder selbst modernisierend bzw. paraphrasierend umgestaltet hat; auch bei Zitaten aus der neueren Literatur werden von Barth vorgenommene Hervorhebungen und
orthographische Änderungen nicht einzeln nachgewiesen. Gleiches gilt von den Übersetzungen lateinischer Texte ins Deutsche, die auch dann dem Manuskriptwortlaut entsprechend wiedergegeben werden, wenn sie unter philologischen Gesichtspunkten ungenau scheinen.
Neben den in § 1 kritisch diskutierten Zwingli-Darstellungen des Neuluthertums benutzte Barth neuere, mit der Dokumentation zahlreicher Quellen ausgestattete
Beschreibungen von Leben, Werk und Theologie des Zürcher Reformators. Besonders treten dabei die Monographien von Rudolf Staehelin
und August Baur
hervor,
denen Barth über weite Strecken verpflichtet ist33; in der Edition wurde darauf verzichtet,
die von Barth erwähnten historischen Ereignisse im einzelnen in diesen beiden Quellen nachzuweisen. Darüber hinaus benutzte Barth im Manuskript eine Vorlesung seines Vaters Fritz |XV Barth «Zwinglis Leben und Schriften»,
die dieser im Jahr 1903 in Bern hielt.34 Seiner Mutter
schreibt er am
30.11.1922: «Es wird dich interessieren, daß ich das Zwingli-Kolleg von Papa beständig zu meiner Seite habe jetzt, wo ich mehr am Geschichtlichen bin. Gelegentlich schreibe ich sogar einfach ab.»35 Die Passagen, in denen Barth der Vorlesung seines Vaters wörtlich oder nahezu wörtlich folgt, sind vom Herausgeber im Apparat gekennzeichnet.
Zum Technischen dieser Edition ist zu bemerken, daß entsprechend den Richtlinien der Karl Barth-Gesamtausgabe sprachliche Eigenheiten Barths unangetastet blieben, während die Interpunktion, vor allem durch Vermehrung der Kommata, stillschweigend den heutigen Regeln angepaßt wurde.
Einige behutsame orthographische Vereinheitlichungen in der Groß- und Kleinschreibung sowie bei von Barth in wechselnden Formen gebrauchten Eigennamen (z. B. Judae und Judaeus zu Jud) wurden vorgenommen.
Wo Barth bei der Schreibweise von Eigennamen (z. B. Butzer) von der heute üblichen Orthographie abweicht, stehen diese Namen in seinem Text, wie er sie geschrieben hat, in den Anmerkungen jedoch in der geläufigen Form.
Grammatisch nicht intakte Sätze wurden berichtigt; Zweifelsfälle, bei denen die Bereinigung des grammatischen Irrtums nicht eindeutig ist,
sind in Anmerkungen notiert. Unvollständige Sätze wurden durch hinzugefügte Worte oder Satzteile in eckigen Klammern ergänzt. Eckige Klammern kennzeichnen auch sonst, etwa bei Bibelstellennachweisen,
Zusätze des Herausgebers. Vermehrt wurden die Anführungszeichen bei offensichtlichen Zitaten. In Petit sind längere, von Barth nachträglich gestrichene Passagen gesetzt, die sich gelegentlich am Ende einer Vorlesungsstunde finden:
Offensichtlich hatte Barth sie nicht mehr vortragen können und hat dann die Gelegenheit genutzt, den Gedankenzusammenhang für den Beginn der folgenden Kollegstunde neu zu |XVI formulieren.
Bei Seitenangaben, in denen Barth nur ein «f.» (für das heute übliche «ff.») gesetzt hat, sind auch die Endseiten des von ihm zitierten Textes angegeben. Die zahlreichen Tinten- und Bleistiftunterstreichungen im Manuskript werden im Druck durch Kursivsatz wiedergegeben.
Spätere Zusätze am Manuskriptrand sind - soweit sie nicht als Ergänzungen unmittelbar in den Vorlesungstext zu integrieren waren - im Apparat notiert.
Es handelt sich teils um Stichworte für Zusammenfassungen des Stoffes, teils um Hinzufügungen, die Barth vermutlich im Zusammenhang der Ausarbeitung des Aufsatzes «Ansatz und
Absicht in Luthers Abendmahlslehre»
📖 (siehe unten S. 251, Anm. 1) 1923 vorgenommen hat. Barth schrieb in diesem Vorlesungsmanuskript
wie auch sonst oft lange Passagen ohne jeden Absatz. Der besseren Lesbarkeit halber sind, wie in der Gesamtausgabe üblich, zusätzliche Absätze
vom Herausgeber eingefügt und durch einen senkrechten Strich als editorische Zutat kenntlich gemacht worden.
Die Edition von Barths Zwingli-Vorlesung hat eine längere und komplizierte Vorgeschichte.
Es ist das Verdienst des 1979 früh verstorbenen Prof. Dr. Joachim Staedtke, als ursprünglich mit der Edition Betrauter 1971/72 einen wesentlichen Teil der Vorlesung am Erlanger
Lehrstuhl für Reformierte Theologie transkribiert zu haben. Sein ehemaliger Assistent Dr. Dietrich Blaufuß hat nach Staedtkes Tod erste hilfreiche Vorarbeiten zur
Kommentierung geleistet. An diese Anfänge konnte ich 1993, ermutigt durch D. Dr. Hinrich Stoevesandt, anknüpfen und habe auf Grundlage des Originalmanuskripts und
von Staedtkes Abschrift eine korrigierte computerlesbare Transkription angefertigt. Für die formale und inhaltliche
Begleitung, aber auch für die intensive Beratung über zu klärende editorische Fragen und Kommentierungen, danke ich Dr. Hans-Anton Drewes. Dank für das Erstellen der Register gebührt
Bartolt Haase, ebenso dem Zwingli-Verein, der für diese Arbeiten einen Beitrag gewährt hat. Ich halte es für überaus erfreulich, daß neben der Calvin-Vorlesung und der
Bekenntnisschriften-Vorlesung das Zwingli-Kolleg gleichsam als weiterer und facettenreicher Mosaikstein für den Blick auf Barths Rezeption der klassischen reformierten Theologie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.
Erlangen, im Januar 2004Matthias Freudenberg