22. September 1921

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl

Während ich 14,1-15,23 📖 durchgangen habe, bist du unmittelbar vor dem Durchstoß durch die letzten dünnen Linien in den freien Raum hinter den Stellungen. Mit großer Erleichterung wirst du irgendeinmal in diesen Tagen nachts 1 Uhr die Feder niederlegen und in einen Tiefschlaf sinken. Ich atme mit dir auf. Der letzte Teil ist in der ganzen Anlage und Durchführung glänzend gelungen. Unzugänglich — aber ich wüßte nichts zu ändern — ist 13,8–14; nicht umsonst geht Kierkegaard mehrfach über die Bühne. […]

Heute kam der gute Bericht von Rudi, daß ihr vom Hausbau durch Hauskauf erlöst seid. Das ist eine ganz glänzende Nachricht! Rudi hat wieder einmal auf dem Weltgebiete Breschen geschlagen, die unsereiner nie hätte öffnen können. Wir sind heilsfroh für euch!

Hier ein Brief von Grisebach, der also bei mir war. Ich hatte einen guten Tag mit ihm. Ich bin nun eigentlich ganz überzeugt, daß sein Weg gut ist, unseren Versuchen sehr nahe. Ich konnte mich nach anfänglich starkem Mißtrauen doch wirklich mit ihm verständigen. […]

Herzliche Grüße Nelly und dir von uns beiden.
Dein
Eduard