Karl Barth an Eduard Thurneysen
Hier kommt das Ergebnis der Woche. Es hat schwere Überlegung und statt doppelter dreifache Redaktion gekostet, wie es sich gebührt, wenn wir anfangen von Ethik zu reden. Aber ich glaube, es sei nun alles im Senkel und ich könne mit den gewonnenen Begriffen bewaffnet an die Ausführung dieses Schlußteils gehen, den ich, wie du siehst, diesmal zusammennehmen will, denn Kap. 14-15 ist doch eigentlich nur eine Episode trotz der rätselhaften Breite, in der es sich daherwälzt. Hast du etwas über diese Sache in Erfahrung bringen können? Sieh dir auch 12,1–2
Die allgemeine Situation, in der ich mich befinde, ist etwa auf den beiden beiliegenden Gebirgsbildern [schwierige Besteigungen darstellend] in ihrer Polarität erkennbar. Manchmal möchte ich senkrecht in den Boden hinabfahren vor allem was ist und kommt, manchmal tröste ich mich, daß es erstaunlicherweise immer wieder einen Schritt weit geht. Mein Angst-Traum des Nachts ist nun öfters die Vorlesung: Ich auf einem Katheder mit einer blendend hellen Pultlampe, die aber nur einen scharfen schmalen Streifen Licht gibt, ein großes breites Manuskript vor mir und nun die Verlegenheit: entweder das ganze Manuskript neben der Lampe im Dunkeln, oder das Manuskript unter dem langen Strahl der Lampe und die Notwendigkeit, es ruhelos von links nach rechts und umgekehrt zu schieben, um jeweilen 2-3 Worte lesen zu können. Ein guter Traum, nicht? Aber ich erwachte ganz entsetzt. Oder: ein Gespräch mit einem Professor Dr. Eckstein (!) über — Rechtsgeschichte, worüber ich seltsamerweise eben lesen soll und dem gegenüber ich mir nun den Air geben muß, ich verstehe etwas davon! Oder: ein Gartenfest, ein ganzes Gewimmel von deutschen Studenten, die alle schnappen auf eine Ansprache, die ich ihnen halten soll. In meiner Tasche ein nur angefangenes Manuskript. In einer Ecke auf einer Chaiselongue mein alter katholischer Nachbar
Hier der Kurier. Die Stimme der Presse. Sie redet laut von der Verwüstungs-, leise von einer gewissen Respektzone um mich herum und beweist deutlich, daß es Zeit ist, daß ich hier meine Steuern bezahle und, das Köfferlein in der Hand und das nur an|514gefangene Manuskript in der Tasche, auf den Bahnhof zuschreite. […]
Wahlsituation:2 […] Ich bin in schwieriger Lage. Entschieden müßte ich für meinen Schwager [