7. Juli 1921

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Hier die Fortsetzung von Röm. 9 📖. Es ging doch nicht mit dem Zusammenziehen und auch nicht (leider nicht!) mit dem Kürzen, und ebensowenig wird mir die Arbeit in diesem neuen Gelände irgendwie leichter. Das ganze Stück Röm. 9-11 macht mir einen geradezu unheimlichen Eindruck, und ich gebe die Hoffnung zum vornherein auf, ihm auch nur annähernd wirklich beizukommen. Man kann nur winken, deuten und beschwörend von allen üblichen Lösungen der Schwierigkeit dieses Textes und — der Kirche wegweisen. Bei der 1. Auflage 📖 habe ich Röm. 9-11 und ein gutes Stück von 12 in vier Wochen in einem Zug niedergeschrieben!! Rate mir zum Besten, wenn du siehst, wie es besser zu machen wäre. Der nächste Abschnitt heißt «Der Gott Esaus» und soll die gleiche Linie von der andern Seite entrollen.

Hier ein weiterer Brief des Herrn «Kollegen» [E. Hirsch]. Die Gefechtsfühlung ist wie du siehst bereits gewonnen, und |502 überdies bin ich «liebenswürdig» etc. gewesen, was ich mir als Bene anrechne, wie auch das kleine Zwiegespräch mit Sch. mit einer Ehrenmeldung geendigt hat. […]

Ich habe meine Demission noch nicht eingegeben, warte noch auf eine letzte Antwort aus Berlin. […] Morgen Freitag gehe ich mit der Fortbildungsschule auf den Zugerberg. Ich erwartete dich diese Woche mit jedem Zug!! Leider umsonst.

Herzlichen Gruß!
Dein
Karl