28. Juli 1920

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Heute Morgen kamen deine «Biblischen Fragen, Einsichten und Ausblicke 📖», und eben lege ich sie aus der Hand, aber die Ohren dröhnen mir noch davon. Ich habe den Eindruck: du habest da an die große Glocke in der Mitte der Bibel gerührt, und sie habe angeschlagen. Ob das nun auch von andern gehört wird? Ob endlich doch einmal die kleine Stille von einer halben Stunde [vgl. Apk 8,1] eintritt? Ob es verstanden wird, daß es sich hier wirklich nicht bloß um «Karl Barth» handelt, sondern um Beträchtlicheres? Man erschrickt beim Lesen einmal über das andere, wie du selber nur unter Erschrecken schreiben und reden zu können bezeugst. Es ist etwas Unheimliches in diesem blauen Büchlein; man möchte fragen: Woher nimmst du das? Da liegen keimartig Arsenale, aus denen in nächster Zeit noch mehr als einmal Waffen geholt werden müssen. […]

Du wirst in Ruhe die Wirkung dieses deines Büchleins abwarten; es wird wohl zusammen mit der Overbeckschrift 📖 auftreten und wirken. — Grüße Georg Merz herzlich von uns, sei selber mit Nelly herzlich gegrüßt von deinen

Eduard und Marguerite