7. Mai 1920

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Hier zwei Briefe von H. Ehrenberg und Rosenstock. Ich habe in aller Eile darauf geantwortet. Es geht aber auch dich an. Ich werde nachgerade stutzig: wie ein sich verstärkendes Rollen grollt; da wächst uns etwas entgegen. Wir werden beschuldigt, etwas zu übersehen und preiszugeben — was denn? Auch Hans Burri warnt mich immer wieder, wir hätten einen großen Scherbenberg von Gegebenheiten und Erlebnissen hinter uns und ein fahles apokalyptisches Morgenlicht vor uns. — […] Siebeck ist doch viel erfreulicher als unsre Patmosfreunde mit ihrem Eifer und Zorn.

[…] Kutter war hier. Gute Gespräche, zu denen auch Dieterle und mein Kirchenpflegspräsident, Robert Sturzenegger eintrafen. Ich habe ihn über unsere Overbeckunternehmung zu unterrichten versucht und hatte wieder das deutliche Gefühl, daß wir mit Kutter selber noch immer gut reden können. Er begleitet unsre Gänge auf seine Weise. Es schien mir nur, er befürchte, unsre «Todesweisheit» könnte zu einem selbständigen Prinzip werden. Ich beruhigte ihn darüber. […]

Herzliche Grüße!
Eduard