17. März 1920

Karl Barth an Eduard Thurneysen

374
Lieber Eduard!

Die Bohrmaschine für den Vortrag ist in gewaltiger Tätigkeit, und eine ununterbrochene Rauchsäule steigt aus der Pfeife nach der Decke wie in den besten Zeiten meines Lebens. Bis jetzt ist der Fortschritt «vor Ort» aber noch nicht groß, und ob der Stollen seine Richtung nicht verfehlt, muß sich erst zeigen. Am Anfang soll von der Prädestination die Rede sein, nachher von der geistlichen (beweglichen) Sprache der Bibel, nachher von Christus als dem kritischen Mittelpunkt, nachher von der Schöpfung, nachher von der Erlösung, nachher vom geschichtlichen Charakter der Bibel, endlich von der Seele. So ungefähr.

Hier interessante «Rosenstockiana». Ich habe ihm sofort geantwortet, du kannst dir denken, daß ich mich durch sein Trompetenblasen nach der andern Seite nicht habe täuschen lassen, so merkwürdig die conformitates sind, bis auf die Terminologie.

Mit herzlichem Gruß
dein
Karl

375[…] Glückauf zum nächsten Sonntag! [Pfarreinsatz in St. Gallen-Bruggen]. Solltest du dir nicht noch eine Hornbrille anschaffen in Zürich auf der Durchreise?