15. März 1920

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Es geht nicht. Die Sorge um meinen Aarauer Vortrag 📖 packt mich wie ein gewappneter Mann. Ich darf jetzt nicht 1-2 Tage schon wieder im Land herumfahren. Vielleicht wirds vor Ostern noch einmal in raschestem Sprung möglich, vielleicht auch nicht. Euer Wegzug […] ist kein so erfreuliches Ereignis, daß es solenn gefeiert zu werden verdiente. Für heute jedenfalls lasse ich Synode und Leutwil fahren und setze mich an die Arbeit. Es ist höchste Zeit.

Hier einige Briefe von Merz. Könnten wir den «finis christianismi» [vorgesehener Titel für die Overbeck-Schrift 📖] nicht doch durch etwas weniger Sensationelles ersetzen? Sie nehmen uns dort [in München] gerade in dieser Sache so ernst, daß wir unbedingt nur sagen dürfen, was wir tatsächlich meinen, nichts bloß «Geistreiches», um mit Kutter und Wernle zu reden. Wir sollten irgend einen ganz schlichten Titel finden. Besinn dich doch und schick mir ihn dann samt der umgearbeiteten Predigt.1 Vergiß auch ja nicht, Herpel nun etwas zu schreiben, damit wir beide für eine Weile Ruhe vor ihm haben, aber im Frieden. Ich habe an ihn und die drei Patmosmänner:2 Hans und Rudolf Ehrenberg und Rosenstock, umfängliche Antwortepisteln gerichtet. Komm du lieber noch einmal herüber zu uns. Dein Abbau ist nicht so entscheidend wichtig wie mein Aufbau.

Mit herzlichem Gruß
dein
Karl

Sachfußnoten

1
E. Thurneysen, Die enge Pforte (Predigt über Lk 15,3–7), in: K. Barth/ E. Thurneysen, Zur inneren Lage des Christentums, S. 25–36. 📖 ↩
2
Alle drei veröffentlichten im Würzburger Patmos-Verlag.↩