18. Juli 1919

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Wie du dir denken kannst, habe ich deinen Brief mit bewegtem Herzen gelesen. Bern! Natürlich, der Augenblick kommt, wo |342 wir auseinander müssen, aber schon jetzt? und ins entlegene Bern? Ich müßte dann nur noch nach Arbon, wie Kutter wollte, und wir wären geschiedene Leute! Aber das sind keine Erwägungen. Bern hat in der Tat allerlei für sich: eine kräftige pietistische Unterlage, dazu behäbige Bodenständigkeit, keine religiössoziale Gewitterluft, dazu Schädelin, den ich für flüssiger und beweglicher halte als die Zürcher. Aber das primäre Gefühl, daß dieser Weg ein Weg sei, muß in dir entstehen. Ich lese aus deinem Brief etwas wie inneres Verlocktsein und Zustimmung heraus. Wir sehen allem Weitern mit Spannung entgegen. […]

Herzlich
Eduard