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28. Juni 1919
Was ist das für ein hoffnungsreicher Brief aus Deutschland, ich meine wirklich nicht unsretwegen, aber der Sache wegen, die dort nun von für sie reifen Menschen aufgenommen werden wird. Hoffentlich erleben sie die fatalen Entgleisungen nicht, die uns begegnet sind. Hoffentlich gibt es dort keine religiössozialen Um- und Abwege! Wenn wir ihnen nur ein wenig die Klippen warnend zu zeigen vermögen, wie du es in deiner Antwort andeutest, dann ist schon viel gewonnen. Ich habe noch keine Aufforderung erhalten, sie wird an die «Väter» in Zürich ergangen sein. Wie wird sie dort wohl aufgenommen? Ich bin mit deiner Antwort voll einverstanden und empfinde das Gewicht der Verantwortung, das dadurch auch auf mich fällt. Im ganzen ist es ein Zeichen der großen Möglichkeiten, die über keinem andern Land derart liegen wie über Deutschland. Wahrscheinlich ist es von da aus gesehen doch gut, daß Deutschland den Friedensvertrag unterschrieben hat und sich nicht einfach in ein rotes Heerlager verwandeln mußte wie Ungarn! Und trotz allem lieber bei Deutschland stehen als bei Wilson, der mit Frau und Kindern der Friedensunterzeichnung beiwohnen will, offenbar mit moralischem Hochgefühl.
Mit herzlichen Grüßen