17. Mai 1918

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Du wirst den Brief mit der Einladung zu einer Vortragsserie in Basel von Seiten einer sog. «Jungchristlichen Allianz» erhalten haben. Du, ich, Bader und Heinzelmann1 sind als Redner vor|277gesehen. Was für ein seltsames Vorhaben und was für eine seltsame Klimax, aber eben «Leute aus verschiedenen kirchlichen Lagern», so angeordnet, daß man des «positiven» Endes sicher sei. Man gründet also eine Allianz und sieht als erste Aktion diese Vorträge vor. Es wäre mir recht, in einer geschlossenen Gesellschaft eine Aussprache abzuhalten, aber so der Herold einer offenbar ziemlich selbstbewußten Gruppe zu werden und mich unter ihrer Flagge öffentlich zu zeigen, behagt mir nicht. Ist die ganze Anfrage nicht eine diesmal ungute Frucht unsres Predigtbüchleins 📖? Oder kann man sich darüber freuen? Ich sehe bereits das Plakat vor mir und die erstaunten Gesichter unsrer sozialistischen Freunde, wenn sie da etwa Baders und deinen Namen lesen. Den Frauenfeldern habe ich also abgeschrieben unter Hinweis auf meine Arbeit in Leutwil und mehr noch auf unsere Arbeitsgemeinschaft im Aargau.

Ich bin an zwei Pfingstpredigten.
Herzlich
Eduard

Sachfußnoten

1
Gerh. Heinzelmann (1884–1951), Prof. für systematische Theologie in Basel und Halle.↩