11. Februar 1918

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

[…] Hier ist allerlei Seltsames vorgefallen. Nach einer Reihe von Peripetieen, Intrigen und Mißverständnissen werde ich nun — Schulpflegspräsident!! […] Mein Predigen ist noch immer ein Wandern im dunkeln Tal [vgl. Ps 23,4], am Samstag kam einfach nichts zu Stande, erst gestern Morgen eine kleine ungenügende Skizze über Hiob 17,3. Es ist, wie wenn es nicht sein sollte. Gestern Abend zeigten wir einer andächtigen Schar Michelangelos Jüngstes Gericht und spielten ihr Bachs Doppelkonzert mit großer Energie! Nun gehts wieder ans Furchenziehen durch das seltsame Gelände von Röm. 9-11. Mein Römerbrief 📖 kommt mir oft vor wie ein rechter Turm zu Babel. Vielleicht wäre es besser, ihn zum Schluß feierlich zu verbrennen, als drucken zu lassen. Ob der liebe Gott dieses Geschreibe eigentlich will? Es ist ja doch nur wieder eine neue Theologie.

Mit herzlichem Gruß dir und Marguerite
Dein
Karl