Eduard Thurneysen an Karl Barth
Wie Lavater sitze ich im Bett und schreibe «billets» an meine Freunde. — Wie schön und erfreulich war es bei euch — Röm. 8
Denk, nun kann ich wahrscheinlich der Wahl in die Steuerkommission doch nicht entrinnen. Ich habe hie und da auf der Kanzel an gerechte Steuern gemahnt, und ich bin nun mit ungefähr 90% aller Stimmen gewählt worden und zwar, wie mir |262 gesagt wird, ausdrücklich als «Arbeitervertreter». Der Gemeindeammann war eben bei mir und drang in mich, die Wahl anzunehmen. Er erklärte übrigens, nach dem Gesetz sei ich, weil zum 1. Mal gewählt, gezwungen, anzunehmen. Man sei bereit, meinem Desiderat: «Veröffentlichung der Steuerlisten» zu entsprechen. Was tun? Ist Grund genug da, sich mit Händen und Füßen dagegen zu sträuben? Ich weiß von keinem andern Pfarrer, der in die Steuerkommission seiner Gemeinde gewählt worden wäre. Aber spricht nicht aus der Wahl doch auch ein kleiner Funke von Verstehen unsrer Botschaft und unsrer ganzen Haltung? Ich verspreche mir freilich nichts besonderes von meiner Tätigkeit in dieser Kommission. Im besten Fall bin ich eine Art Unruhe im Uhrwerk und bekomme selber allerlei Einblick in das wirkliche Leben. Ein paar Türen geiziger Leute werden mir zugehen, vielleicht endgültig, weil ich auf höhere Einschätzung ihres Vermögens dringen werde, aber sind diese Türen überhaupt jemals richtig offen gewesen für mich? Ein Wahlzeddel zu meinen Gunsten enthielt nichts anderes als die Stelle