21. Dezember 1917

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Ich empfinde in der Aarauer Sache wie du und möchte dir auch sagen: stell Heinrich in den Vordergrund, falls du überzeugt bist, nicht selber reden zu können. Verlockend wäre die Gelegenheit, aber der Römerbrief 📖 geht vor und wird dir, wenn er einmal daliegt, aufs Neue solche Anfragen einbringen. Geschähe das nicht, so wäre auch diese nur eine scheinbar ernst zu nehmende. Merkwürdig und verheißungsvoll ist es, wie die gleichen Kreise, in denen über uns Dunkelmänner und Wartsaalsitzer gelacht wird, doch nicht ganz von uns loskommen. Das ist im Grunde die bessere Situation. Mich laß aus dem Spiel! Ich habe ja nun erst [in Aarau] gepredigt und werde schon noch einmal drankommen. Unsere Kampf- und Arbeitsgemeinschaft wird umso stärker wirken, als wir sie durch sich selber wirken lassen. Unser Buch 📖 zeigt sie für alle, die hören wollen, deutlich genug an. Überdies wäre ich in diesem Falle der Aufgabe nicht so gewachsen wie du. Die Auseinandersetzung mit dem Idealismus und mit dem historischen Relativismus, die da erfolgen müßte, könnte ich nicht so führen, wie es geschehen müßte. Wie ich übrigens weiß, kommt auch |254 Schlatter1 in Frage; das wäre ganz schön. Aber dein Bruder Heinrich wäre besonders gut an sich und aus Gründen der innern Linie der nächsten Konferenz. Bader — Heiner — Lejeune — ein Zürcher Student — Adler: das wäre eine Höchstleistung des idealistischen Geistes, wie die Oltener Sitzung vor 8 Tagen eine Mindestleistung war. Wir würden nichts Ungutes tun, wenn wir dieser Zusammensetzung der Referenten das Wort reden. Es kann unsrer Sache nur helfen, sich einmal so dem kritischen Idealismus gegenüberzusehen. […] Ragaz kommt schließlich doch auch von dort her. Dein Bruder Heinrich wurde übrigens auch in Olten genannt, berufe dich doch darauf im Blick auf das vorgesehene philosophische Thema.

Wir drei grüßen euch fünf herzlich. Ich habe am Sonntag wieder einmal von der innern Armut geredet trotz Baders Zuspruch. Von Herzen
dein
Eduard

Die Besprechung von Kutters «Bilderbuch Gottes» 📖 habe ich geschrieben [für die «Basler Nachrichten»]. An einer Stelle schaust du mit deiner Rede an die Lehrerinnen kräftig durch die Zeilen — Arbeitsgemeinschaft!

Sachfußnoten

1
Adolf Schlatter (1852–1938), ev. Theologe, Prof. für N. T. in Berlin und Tübingen.↩