2. September 1917

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Ich sollte dir allerhand sagen können und habe doch noch nicht volle Klarheit darüber. Als Erstes: Wir müssen den Lehrerinnen das von dir erwähnte Religionsgespräch gewähren. Es ist da ein Fragen und Rufen nach unsrer Sache vorhanden, und da können und sollen wir antworten, so gut es uns gegeben ist. Es ist, ohne daß wir es gesucht hätten, ein Verlangen vorhanden, uns zu hören, angeregt durch unsre Aarauer Predigten und allerlei Gedrucktes von dir.

Weniger klar ist die Frage einer Auseinandersetzung mit unsern «religiössozialen Freunden» auf einer besondern Delegiertenkonferenz. Soll eine solche Konferenz erfreulich werden können, |227 solange soviel politische und persönliche Leidenschaften im Spiel sind? Müssen wir nicht warten, bis dieses Gewölk sich wieder verzogen hat, oder dann scharfe Stellungnahmen hüben und drüben riskieren? Immerhin spüren wir ja auch in den polemischen Entgleisungen von Ragaz in den «Neuen Wegen» den elementaren Stoß, den zu führen er sich berufen weiß. Und vielleicht gelänge es doch, uns darauf zu besinnen und zu einigen. Mit einem Brief an Guidon als erster Aktion bin ich einverstanden. Eine Vorbesprechung mit unsern Bündner Gegenspielern sehe ich aber als aussichtslos an.

Wir grüßen euch herzlich
Eduard und Marguerite