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26. Juli 1917
Liebe Freunde,
Emil Brunner erschien mit seiner Braut. Wir haben uns an beiden gefreut. Er las eine längere Arbeit vor über Reich Gottes und Reformation, eine Art Besinnung über die Reformation von unsern Gedanken aus. Ich hatte eigentlich mehr erwartet, als schließlich dabei herauskam.
Viel mehr bin ich gespannt auf das, was du im Baselbiet sagen wirst. Ich kann aber nicht kommen. […] — Ich bin immer noch in der Auseinandersetzung mit dem Pietismus. Hofacker
📖 ist noch unter meinen Händen. Ich habe daneben auch die vielberufene Gegenschrift Märklins1 durchgegangen und will dann von Hofacker weiter zu den beiden Altersgenossen Kapff2 und D. Fr. Strauß. In Christian Gottlob Barths3 Leben habe ich nachgeschaut, aber fast nichts über den ältern Blumhardt gefunden. Überhaupt wo bleibt Blumhardt und was er zu sagen hat bei seinen Vorgängern, Zeitgenossen und Nachfahren? Er taucht kaum einmal auf in diesem sonst so geräuschvollen Gewoge frommer Männer. Da ist wenig mehr von einsamen Abrahamsweglein zu spüren, dafür: |219 volle Kirchen, Missionsfeste, Bibeltage, Streitschriften, gläubige Professoren, Kirchenpolitiker, ein ganzer Apparat, ein gewaltiges Singen und Predigen und Beten. Manchmal spüren es die Beteiligten ja selber, daß da nicht viel herauskomme. Und schließlich zucken die 48er Blitze über den Himmel, und darüber geht eigentlich allen der Atem aus. Ich bin dir aber jedenfalls dankbar, daß du mich auf diesen Pietistenschwarm hingewiesen hast. Er hat uns doch allerlei zu sagen, negativ und auch positiv.
Wir freuen uns fortgesetzt über den Sommer, gestern habe ich sogar unter grünen Bäumen über die Erzväter geredet mit meiner Schar.
Ich freue mich ganz stark, bis ich euch wieder sehe und grüße
euch bis dahin samt Marguerite von Herzen.