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18. März 1917
Liebe Freunde!
Es muß für die Engel ein seltsames Schauspiel gewesen sein, als am letzten Mittwoch eilige Eisenbahnzüge alle die fuchtelnden, zeigenden, achselzuckenden, seufzenden und triumphierenden Gottesmännlein nach allen Seiten der Windrose wieder auseinanderführten, hinter sich den wieder still gewordenen Großratssaal1 mit seinen schwarzen Polstern. Und wir? Und ihr? Was nun? Wir kamen sehr erfreut und erfrischt von diesem Zusammenprall zurück, bauen die verschütteten Unterstände etc. wieder auf und blicken zu euch hinüber in der frohen Hoffnung, daß auch dort alles heil und unversehrt sei. Ha, das tat gut, nicht? Was magst du heute Morgen gepredigt haben? Mir wollte es von Freitag Morgen bis Samstag Abend einfach nicht gelingen. Am Sonntag 6 Uhr unternahm ich den 5. und letzten Ansturm auf das Ganze. Es interessiert dich vielleicht, weniger an sich als als Reaktion auf Aarau; merkwürdig eigentlich, daß man es trotz Gerber2 einfach wieder so blutt3 sagen kann und muß: Warten! Da stellt sich offenbar bereits die Zähigkeit ein, die wir an den Preiswerken4 bewundern oder mißbilligen. Bei jenem «Schwarzen» [Kaffee] im Binsenhof passierte es mir übrigens zum ersten Mal, daß mir Einer entgegnete: Wissen Sie, Herr Pfarrer, wir Jungen … Das ist ein historischer Moment, den man festhalten muß, obgleich es ein grasgrünes Studentlein war, das sich mit Recht jung vorkam. […] Während ich schreibe, fliegen vier Aeroplane über Safenwil. Und eben treffen Dr. Lejeune’s5 ein. Ich komme eben mit Nelly von einer Reihe betrüblicher Armenbesuche in unserm Solothurner Diaspora-Gebiet zurück. Schicke mir doch deine heutige Predigt auch, gelt? Und kommt als Ersatz für das Kränzli bald einmal herüber. Wir könnten irgend etwas Biblisches bearbeiten zusammen, um der Sache Subsistenz zu geben. Ich bin jetzt an dem Gewalts-Kapitel
📖 Röm. 5. Origenes entpuppt sich als Psychologist schlimmster Rasse. Was für eine andere Luft in der reformatorischen Auslegung. Ich lese doch noch Hausraths «Leben von |182 D. Fr. Strauß»
📖 und ergötze mich an dem liberalen Zorn gegen die Pietisten, aus dem heraus das Buch geschrieben ist. Ferner das sympathische Kriegsbuch «Le feu»
📖.6 Du solltest ein «Leben Jesu» schreiben, hast ja in deinem Votum am Mittwoch so etwas angedeutet. […]
Herzlichste Grüße euch Beiden von