Karl Barth an Eduard Thurneysen
Ist heute nicht euer Hochzeitstag? So senden wir euch unsre freudig gedenkenden Grüße und Wünsche zum zweiten Ehejahr.
172Ich sah das Ehezuchtbüchlein1 bei euch aufliegen, sicher nur zur Verzierung?! Das ist doch das Gefreute, daß wir auf Grund unsrer Voraussetzungen ohne Spezial-Ethik und Individualitätssensatiönchen auch auf diesem Gebiet offene Wege wenigstens ahnen und unterdessen Tag für Tag, Jahr um Jahr einander liebhaben dürfen, ihr dort und wir hier, und so Solls weitergehen.
Dein heutiger Brief tönt betrübt und wie aus Stimmungen, die ich auch kenne. Auch meine Unterweisungen sind gegenwärtig nicht auf der Höhe, und was die Ohrfeige betrifft, so kann ich dir zum Tröste sagen, daß ich an einem Adventssonntag in der Kirche auch eine habe fliegen lassen zu einem verlorenen Sohn. Sicher hat auch das in unsrer Sphäre einen andern Sinn, als wenn J. F. M. [Schulinspektor] es tut. […] Ich predige am nächsten und vermutlich auch übernächsten Sonntag.2 Wenn du den folgenden übernehmen und uns bei diesem charitativen Anlaß ein gemütliches Besüchlein machen würdest, so zu einem freundlichen kleinen Gemunkel über dies und das?! […]
Was du über