8. Juni 1916

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Liebe Freunde,

Alle die Stunden nach deinem Besuch haben wir die dämmerhafte und traumhafte Gestalt des wandernden, Berge und Täler hinter sich lassenden Karl begleitet. Wir sahen dich auf der Kulmer Höhe im Gebüsch verschwinden, sahen dich talwärts eilen, am Kulmer Pfarrhaus vorbeifliehen und den Böhler gewinnen, sahen dich zurückgrüßend auf die überschrittenen Gebirge hinüberschauen, sahen dich endlich schnell, schnell wie ein Punkt am Horizont verschwinden und in die Safenwiler Gründe einbiegen. Und wir stehen noch und sehen deiner Heimfahrt nach und haben das Gefühl, es sei etwas sehr Schönes und Reiches zu Ende gegangen. Wir wollen uns nun auch unsrerseits mit neuem Mut ins Getriebe werfen. Es ist auch mir zu Mute wie nach gefreuten Ferientagen und Marguerite verspürt Ähnliches.

Ich habe meinen Unterrichtskindern die Geschichte von Jakobs Kampf erzählt nach deinem Abschied. Ich bin dir dankbar dafür, daß du zweien meiner Stunden assistiert hast und mich ermunterst, der Erzählmethode mehr zu vertrauen als allerlei vielleicht geschickten Unterredungen. Ich wünschte mir nur, ich könnte auch dich wieder einmal im Unterrichtsgefecht sehen. Wichtiger noch als diese Religionsunterrichtsfragen war mir, daß wir uns über unsere Konferenz verständigen konnten. Wir grüßen euch von

Herzen!
Eure
Eduard und Marguerite