13. Januar 1916

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Freund!

Ich komme vor Sonntag nicht mehr dazu, deinen Brief zu beantworten. Sitze ganz allein in meinem Pfarrhaus und sollte Vortrag und Predigt für Sonntag meditieren. Unser Fabrikant Hochuli hat zur Feier der Verheiratung seiner Tochter eine große Sauferei für seine 500 Angestellten und Arbeiter veranstaltet, die sich dabei, meine Konfirmanden und Konfirmandinnen inbegriffen, scharenweise sinnlos betrunken und auf alle Weise schlecht |124 aufgeführt haben. So wird unser Volk mit Peitsche und Zuckerbrot zum Narren gehalten und läßt sich alles bieten. Und so haben wir also in Safenwil das neue Jahr angefangen. Du begreifst, daß es mir wenig ums Predigen zu Mute ist. Mein Vortrag in Aarau ist am nächsten Sonntag [16. Januar] 8 Uhr Abends in der Kirche. Aber komm du lieber sonst zu mir, mich ein wenig zu ermutigen.

Es hats nötig. Herzlichen Gruß
dein
Karl Barth